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Zuschauer als Arzt – FN

15. Oktober 2017

DSC_0102„Du bist oft ohne Grund bedrückt und mutlos. Du hast das Vertrauen in deine Fähigkeiten verloren. Du hast große Angst vor der Zukunft und siehst alles Schwarz“. Bedrückend, düster, beängstigend kommen diese Sätze daher. In Form einer Checkliste liegen sie auf den Plätzen der Zuschauer, als diese die Aula de Mittelschule Roßtal betreten. Dort steht die Premiere von „Icebreaker“ an, ein Präventionsstück gegen Depression im Jugendalter von Schülern für Schüler.

ROSSTAL – „Zweck dieses Stücks ist es, das Thema aus der Tabuzone zu holen“, erklärt der stellvertretende Landrat Franz Xaver Forman. Denn Depression ist die häufigste psychische Erkrankung dem Jugendalter. Während nur zwei bis vier Prozent der Grundschulkinder unter Depressionen leiden sind es bei Jugendlichen bereits 14 Prozent und in Erwachsenenalter sogar 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland – so lautet die Information der Deutschen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.


Zuschüsse des bayerischen Gesundheitsministeriums ermöglichten die Inszenierung, die der freischaffende Theatermacher Jean- Francois Drozak an der Mittelschule Roßtal umsetzte. Sieben Jugendliche aus den 7., 8., und 9. Klassen probten vier Tagen und brachten das Stück dann auf die Bühne – authentisch, voller Gefühl, wie echte Profis. In den Hauptrollen: Furkan Ülfet und Monica Schweska als Robert und Anna. Das Besondere: Die Zuschauer werden zu Fachärzten, sie beachten die ausgeteilte Checkliste, beraten und entscheiden. Nur schlecht drauf? Oder steckt eine Depression dahinter?

Nach jeder Szene wird entschieden. Für zutreffende Aussagen auf der Checkliste gibt jeweils einen Punkt – Blau für Robert, Rot für Anna. Schon fünf gesammelte Punkte könnten auf eine Depression schließen lassen. Celine und Jana aus dem Steiner Gymnasium sind mit ihrem Projektseminar Teil der Zuschauer. Freiwillig melden sich als Fachärzte, um aktiv am Stück teilzunehmen und über pubertäre Krisen oder Anzeichnen für eine Depression zu entscheiden.

Ist Robert krank?
Bereits nach zwei von fünf Szene hat Robert drei Punkte auf seinem Konto, Anna dagegen nur einen. Es folgen weitere Alltagsszene: Montagmorgen vor der Schule, Geburtstagsfeiern oder die Hausaufgabenzeit am Nachmittag. Am Ende sind sich die Steiner Gymnasiastinnen einig: Robert ist krank. Er möchte nicht mit Freuden ins Kino gehen, er kritisiert sich selbst und hat den Spaß an seinem Hobby, dem Fußball, verloren. Für Celine und Jana ist die Diagnose eindeutig. Umso überraschender ist dann die Auflösung, als die Geschwister auf der Bühne in den Tagebüchern von Robert und Anna lesen. Anna möchte nicht mehr leben.

Nichts mehr macht für sie Sinn. Sie hat Angst vor der Zukunft, kann nicht mehr einschlafen, isst nicht. Dennoch ließ sie sich überreden, etwas mit ihren Freuden zu unternehmen und räumte nach Bitten und Drängen ihr Zimmer auf. Doch der Schein trügt. Anna leidet unter Depressionen, wie viele andere Jugendliche in ihren Alter.

Im Theaterstück bekam sie Hilfe, und es ging ihr besser. In der Realität werden die Anzeichnen für Depressionen aber oft nicht oder zu spät erkannt. Das Theaterstück soll helfen, zu sensibilisieren. „Es ist wichtig, dass man erkennt, dass es eine Krankheit ist“ so Roßtals Bürgermeister Johann Völkl.

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