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Zum ersten Mal im deutschen Wohnzimmer – NZ

7. März 2010

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Migranten sehen Nürnberg nach ihrer „Reise“ als Tourist mit anderen Augen. Besonders hat die Heranwachsenden der Besuch in einem deutschen Wohnzimmer bei einer Familie im oberfränkischen
Hetzles fasziniert, wie sie der NZ erzählt haben.

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Zahra, 13, aus dem Irak: Mich hat am meisten der Besuch bei der deutschen Familie in Hetzles beeindruckt. Ich lebe zwar schon seit zehn Jahren in Deutschland, war aber noch nie in einem deutschen Wohnzimmer. Deshalb war es für mich spannend, das einmal zu sehen. Mir ist besonders aufgefallen, wie viele kleine Sachen in dem Raum stehen und dass die Möbel so bunt sind. Wir sind in diesen Tagen viel mit Deutschen zusammengekommen, das war für mich auch sehr interessant. Die sind nämlich eigentlich ganz nett, man muss sie nur verstehen. Ich fühle mich hier auch nicht diskriminiert, wenn ich mein Kopftuch trage. Die meisten Deutschen haben ja selbst etwas gegen Ausländerfeindlichkeit. Das habe ich bei dem Besuch im Rathaus erfahren. Vor den Politikern habe ich auch gleich eine Idee gehabt: Man  könnte in Nürnberg doch ein ausländisches Museum gründen. Dann würden die Deutschen mehr über fremde Kulturen und Religionen erfahren.

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Menglong, 15, aus Kambodscha: Der Nachmittag in Hetzles hat mich besonders beeindruckt. Es war toll, im Wohnzimmer zu sitzen und mit dem Ehepaar Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen. Es war auch interessant, als sie von ihren Schwierigkeiten erzählt haben, sich als Zugezogene in dem kleinen Dorf zu integrieren. Da gibt es also auch Schwierigkeiten unter den Deutschen selbst. Natürlich ist das mit meiner Situation nicht zu vergleichen. Ich spreche nicht so gut Deutsch und gehöre deshalb auch nicht so zur Gesellschaft. Das macht mich manchmal traurig. Das deutsche Essen war für mich nichts besonderes. Ich wohne im Heim in der Reutersbrunnenstraße und da gibt es auch deutsches Essen. Ich bin vor vier Jahren allein mit meinem Bruder nach Deutschland gekommen. Ich fühle mich hier wohl: Zu Hause musste ich in meinem Dorf immer arbeiten und konnte nicht zur Schule gehen. Das ist hier anders.

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Almina, 13, in Fürth geboren, die Eltern stammen aus Montenegro: Ich habe in dieser Woche viel über Deutschland gelernt, zum Beispiel, dass es viele Menschen gibt, die vor Jahren in das Land gekommen sind, und sich auch zurechtfinden mussten. Bei der Jobsuche werden Ausländer schon oft benachteiligt; das finde ich nicht gerecht. Da müsste sich noch etwas ändern. Am meisten hat mir der Ausflug nach Hetzles gefallen: Ich habe sogar einen Karpfen angefasst – das war ganz interessant.

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Damla, 13, in Nürnberg geboren, die Eltern stammen aus der Türkei: Speisekarten mit so vielen verschieden Schweinefleischarten sind für mich typisch deutsch. Ich achte als Muslima schon darauf, dass ich kein Schweinefleisch esse. Mit der Tour war ich an vielen Orten, die ich nicht gekannt habe. Ich weiß jetzt auch viel mehr über Nürnberg – die Stadt, in der ich lebe. Die Deutschen haben in ihren Wohnzimmern immer ganz viele Accessoires. Etliche sind auch sehr musikalisch und besitzen teure Instrumente. Bei der Familie, die wir besucht haben, sieht es so ganz anders aus als ich es kenne, ich dachte, ich bin in einem anderen Land. Am meisten hat mich in dem Wohnzimmer die alte Pendeluhr fasziniert: Die ist schon über 100 Jahre alt und ganz schön wertvoll.

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Dilara, 13, in Nürnberg geboren, die Eltern stammen aus der Türkei: In Hetzles hat es mir am besten gefallen. Der Karpfen in der Dorfwirtschaft War ganz besonders lecker. Bei uns gibt es auch öfter mal Karpfen, allerdings nicht gebacken. Nach dem Essen sind wir mit vollem Magen im Schnee spazierengegangen. Das hat mir auch gut gefallen. Und natürlich das Haus und das Wohnzimmer: Die Familie hat ein echtes Schwert, einen Flügel und drei kleine Puppen, die waren echt süß. Ich werde jetzt auf jeden Fall allen Freundinnen erzählen, wie es in einem echten deutschen Wohnzimmer aussieht.

 

Umfrage: Sharon Chaffin
Fotos: Hagen Gerulli

 

 

 

 

 

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