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Zeichen gegen „rechte Rattenfänger“

21. April 2014

acht-acht

Theaterprojekt – Im Atrium der Maximilian-von-Welsch-Realschule wurde das Theaterstück „Acht.Acht“ aufgeführt. Die Kronacher Schule wollte damit Präventionsarbeit leisten.

Kronach – Schwer verdaulichen Stoff und eine beklemmende, fast unerträgliche Atmosphäre schafft das Theaterstück „Acht.Acht“; umso mehr, wenn es von Neuntklässlern – also Jugendlichen im Alter von etwa 15 Jahren – dargeboten wird. Diese      spielten mit einer Intensität, die den Zuschauern einen Schauer nach dem anderen den Rücken hinab jagte. Aggressiv und eindringlich thematisierte das Drama in 35 unsagbar langen Minuten das Abdriften junger  Menschen in rechtsextreme Kreise. Es hinterließ Betroffenheit und Abscheu bei einem völlig verstörten Publikum, das sich vor Anspannung kaum zu applaudieren traute.

Denn es gab mit aller Stimmgewalt herausgeschriene  rechte Hetzparolen und Sprechchöre  de übelsten Art. Abscheuliche Schimpfwörter und verstörende Drohparolen. Worte, die in den Ohren des Publikums dröhnten und sich in das Gedächtnis fraßen. Eine schwarze Bühne und schwarz gekleidete junge Menschen, die eine Art „Hakenkreuz-Altar trugen. Ein großes gespanntes Netz, das einem zu umschlingen und nicht wieder freizulassen schien..

Es geht in „Acht.Acht“ um Franz (dargestellt von Daniel), der nichts mit seiner Zeit anzufangen weiß und daher am liebsten vor dem Computer abhängt. Er und Freundinnen werden auf dem Schulhof ganz unverfänglich angesprochen, bekommen eine gebrannte CD mit Liedern zugesteckt und werden zum Boxen eingeladen. Die jungen  Leuten lernen Angriff, Tänzeln und Verteidigung. Bier wird spendiert. Bei den Treffen kommt immer mehr rechtes Gedankengut zur Sprache und immer mehr ausländerfeindliche Begriff werden eingeworfen. Tiefer und tiefer wird Franz in die rechte Szene gezogen.

Während seine Freundin Paula (dargestellt von Stefanie) voller Abscheu geht, stimmt Franz in die Parolen mit ein und auch in den Hitler-Gruß. Paula  kämpft um Franz, will ihn aus der Szene herausholen. Doch sie wird massiv eingeschüchtert und bedroht. „Wenn Du alleine hier wärst, lägst Du schon längst in Deiner Blutlache. Soll ich Dich vogelfrei erklären?“ Die braunen Verführer schreien die Parole hinaus: „Gewalt ist die einzige Form von Achtung, die wir von Euch erzwingen können.“ Doch lautest Glockengeläute übertönt die Sprechchöre, die Rechtsradikalen verschwinden ins Dunkel.

Glockengeläut
Mit der Schlussszene wird an die aktion des Würzburger Weihbischofs Ulrich Boom erinnert, der in unterfränkischen Miltenberg  mit Glockengeläut eine NPD-Kundgebung scheitern ließ. Er gehörte bei der Veranstaltung zu den Ehrengästen genau wie die weitere Stellvertreterin des Landrats. Jutta Laczó. In ihrer Begrüßungsrede sagte sie, man müsse frühzeitig gegen das rechtzeitige Gedankengut ankämpfen. „Wir in Kronach lassen uns von Drohparolen nicht abschrecken, sondern werden uns mutig und in Gottes Namen dagegen stellen“, so Saczó.

Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak hatte als Regisseur in nur dreieinhalb Tagen das Stück mit den acht Jugendlichen einstudiert. Diese hatten sich in einem „Casting“ unter den Mitbewerbern aus allen Klassen für ihre Mitwirkung auf der Bühne qualifiziert. Bei seiner Einführung in das Drama wies er auf eine subversive Art von Nachwuchsarbeit in der rechten Szene hin. Um dieser Propaganda zu begegnen, seien Mut, Kraft und Entschlossenheit gefragt.Nach der Aufführung stellte sich die junge Darstellerriege-  unter Moderation von Michael Albrecht vom BDKJ- den Fragen des Publikums. Lauten den Worten der Neuntklässler sei es Jugendlichen in ihrem Alter durchaus möglich , in Kontakt mit der rechten Szene zu treten. Sie seien teilweise auch schonselbst mit Neonazis in Berührung gekommen.

Ein dickes Lob ernteten die Jugendlichen von Weihbischof  Ulrich Boom.

Hausverbot
Wie Schulleiter Hans Blinzler während der Veranstaltung ausführte, habe seine Einrichtung im Vorfeld der  Veranstaltung „Besuch gehabt“ von Mitgliedern des Kreisverbandes Lichtenfels/Kronach der NPD. Auch seien vom Kreisvorsitzenden unterzeichnete  Blätter und Comics mit rechtem Gedankengut verteilt worden. Man habe daraufhin die Polizei eingeschaltet sowie Hausverbot erteilt.

Projekt „Acht.Acht“ steht in Trägeschaft des Diözesanverbands des Bundes der Deutschen katholischen Jugend  (BDKJ). Es ist Teil einer Präventionskampagne in Kooperation mit der Agentur „Kunstdünger“. Jugendliche und Eltern sollen damit die subversiven Methoden in der Jugendarbeit rechtradikaler Gruppen aufgeklärt werden.

,Das Stück
Es basiert auf  Interviews, die Studierende der Georg Simon Ohm-Hochschule Nürnberg mit „Insidern“  Betroffenen und Aussteigern der rechten Szene geführt haben. Der Titel „Acht.Acht“ veröffentlicht, da es bereits im Vorfeld zu rechtsradikalen Drohungen gekommen war.

Aylin
„Ich habe mitgewirkt, weil mich das Thema stark interessiert. Ich schauspielere sehr gerne. Aber es war schon eine echte Herausforderung, dieses Stück zu spielen. Ich empfand es anfangs als sehr schwer, auf der Bühne den ‚deutschen Gruß‘ zu zeigen und ‚Heil Hitler‘ zu schreien.“

Vinzenz
„Ich habe bereits einmal auf der Bühne gestanden und mich deshalb am Casting beteiligt. Im Gegensatz zu einem ’normalen‘ Stück waren aber die Proben und die Aufführung mehr als gewöhnungsbedürftig. Die Herausforderung war groß.“

Lara
Mich hat vor allem das Thema  interessiert. Ich war neugierig und wusste zunächst gar nicht, was mich erwarten würde. Meine Rolle ist mir schwergefallen – vor allem das Schreien der Parolen. Das  war schon hart.“

Stefanie
„Ich war zunächst einfach nur neugierig. Der Inhalt des Stückes hat mich schwer geschockt. Es kostete mich viel Überwindung, das Stück so anzunehmen. Ich glaube aber, dass wir diese immense Herausforderung gut  gemeistert haben.“

Daniel
„Ich stehe gerne auf der Bühne oder trage bei kleineren Feiern schon mal Sketche vor. Aber diese Aufführung war doch etwas ganz anderes. Es ist hart, sozusagen am eigenen Leib zu erfahren, wie rücksichtslos Neonazis vorgehen. Das ist abstoßend, einfach nur ‚krass‘.“

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