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Wow in der Nordkurve – NN

25. Januar 2016

T2Go_Wow!_23Nürnberg hat ein neues, kleines mobiles Theater: Regisseurin, Theaterpädagogin und Kulturmanagerin Stefanie Pfeiffer hat das „Theater2Go“ gegründet, das sich an Jugendliche richtet.

Am 13. November wird als erste Produktion das Stück „Wow!“ gezeigt. Dass Nürnberg eine der besten Kindertheaterszenen der Republik hat, ist hinlänglich bekannt. Ein Theater, das sich ausschließlich an die Zielgruppe 13 aufwärts (und immer natürlich auch an Erwachsene) richtet, „das gibt es meines Wissens noch nicht“, sagt Stefanie Pfeiffer.

In diese Nische will sie mit „Theater2Go“ vorstoßen und Klassenzimmerstücke anbieten, die von Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen gebucht werden können. Erfahrungen mit einem eigenen Theater hat Stefanie Pfeiffer bereits. Vor zehn Jahren gründete sie die Gruppe „Freie Talente“ in Nürnberg. Seit 2009 arbeitet sie als Dramaturgin und Regisseurin für das Freilandtheater in Bad Windsheim und hat dort auch szenische Lesungen zu den Theaterproduktionen inszeniert.

Dort wurde 2011 auch das Stück „Wow!“ uraufgeführt, das Pfeiffer gemeinsam mit Rolf Kindler geschrieben hat und das nun in Nürnberg Premiere feiert. Dabei handelt es sich einerseits um eine Liebesgeschichte, andererseits wird auch das Thema Videospiel beziehungsweise virtuelle Realität behandelt — „so sprechen wir Mädchen und Jungs gleichermaßen an“, sagt Stefanie Pfeiffer.

In dem 45-minütigen Ein-Frau-Stück, bei dem auch viel mit Toneinspielungen gearbeitet wird, steht Nina Neuner als Anna auf der Bühne.

In Lebenswelt abholen
„Ich will die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abholen“, erklärt Stefanie Pfeiffer, und darin spielen Internet, Facebook, Videospiele und soweiter nun mal eine große Rolle. Die jungen Zuschauer sollen merken, dass Theater etwas mit ihnen zu tun hat. „Ich will aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger kommen“, betont Stefanie Pfeiffer. Aus zahlreichen Gesprächen mit jungen Menschen weiß sie, dass die Erwachsenen oft ihre eigenen Vorstellungen zu sehr auf die Jugendlichen projizieren. Bei der Stück-Entwicklung hat das Autoren-Team daher auch auf Rückmeldungen von Teenagern Wert gelegt, um sozusagen nicht an ihnen vorbei zu schreiben. Da „Wow!“ ein offenes Ende hat, können die Teenager in der anschließenden Nachbereitung die Handlung selbst weiterdenken. Stefanie Pfeiffer bietet außerdem Videoworkshops an. Das Ergebnis eines dieser Seminare wird nach der Aufführung am 13. November in der Nordkurve gezeigt: „Wow! reloaded“.

Das Theater 2Go zeigt „Wow!“, eine Geschichte mit Humor und Tiefgang. Sie schwankt zwischen realem und virtuellem Leben. Anna existiert mehr in ihrem geliebten Online-Rollenspiel als in der Wirklichkeit. Auch ihre Beziehungen finden im Netz statt. Ob sie vor dem rauen Alltag flüchtet oder einfach gerne zockt, bleibt offen. Aber sie identifiziert sich stark mit ihrer Rolle als Heilerin Zora, besitzt sogar die passenden Klamotten. Und vor allem: Anna ist schwer verliebt in einen Mitspieler, der sich Joy nennt und den sie noch nie live getroffen hat. Doch jetzt ergibt sich die Gelegenheit, denn sie haben sich auf einem Spielertreffen, einer Convention, verabredet. Schauspielerin Nina Neuner stellt Anna als ganz gewöhnliche Jugendliche dar, die vor ihren Problemen in die digitale Welt flüchtet. Gerade darum ist sie so romantisch in ihren virtuellen Traumprinzen verknallt, weil sie ihn nach ihren Wünschen modellieren kann. Es geht um die Suche nach der eigenen Identität und nach wahrhaftigen Gefühlen, die Neuner in einem Monolog sensibel darstellt. Nie wirkt sie in ihrer One-Woman-Show in der Nürnberger „Nordkurve“ zickig, sondern begibt sich tastend und authentisch auf die Suche. Doch dann zeigen sich die schlechten Seiten des Internet: Joy meldet sich nicht mehr, Anna weiß nicht, wo und wie sie ihn auf der Convention finden soll. Andere Gamer schalten sich ein. Alle kommunizieren ständig und reden doch aneinander vorbei, Spannung baut sich auf, Gerüchte entstehen.

Wer ist Joy wirklich? Ein Kumpel behauptet, er sei gar kein Grafikdesigner, wie er erzählt hat, sondern wohne arbeitslos bei Mutti. Ein Mädchen berichtet, er hätte sie auch mal zu sich eingeladen und dann übel abblitzen lassen. Anna ist ratlos, sie hofft und zittert, während sie sich als Heilerin ausstaffiert. Regisseurin Stefanie Pfeiffer lässt sie schließlich doch den Versuch wagen, eine echte Liebe zu finden. Was dann passiert, bleibt bewusst offen. Schulklassen können hier anknüpfen und die Geschichte weiter spinnen.

 

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