& Der Barfreitag& PressespiegelNordkurve - Aktuell
Wofür es sich in Nürnberg zu träumen lohnt – HB

17. März 2012

mein-revolver.thumbnail

In Bayern und in Brandenburg inszenieren Kinder und Jugendliche eine Theateraufführung zu diesem Thema. Im Vorfeld haben junge Erwachsene ihre persönliche Erfahrung geschildert. Neben Schamgefühl und Ausweichtaktiken erzählten sie über freigesetzte Kreativität. Tabus verhindern eine konstruktive Form der Gestaltung. Verantwortung auf die Stadt und Organisationen zu schieben reicht zudem nicht aus. Armut kann nur bekämpft werden, wenn alle mitwirken.

Öffentliche Aufführung an der Oberschule Templin ist am 15.03. – 19 Uhr

Im Rahmen des Osterferienprogramms der ev. Kirche St. Leonhard ist die Premiere am 14. April nachmittags

Nächtliche Passanten in der Rothenburger Straße aufgepasst: das Schaufenster des Showrooms Nordkurve der Agentur Kunstdünger ist seit dem 1. Dezember zum Schlafzimmer umfunktioniert: Prominente, Künstler und sozial engagierte Menschen übernachten und träumen hier in aller Öffentlichkeit – und zwar für einen guten Zweck. Sie werben für das Sozialmagazin Straßenkreuzer. Im zweiten Schaufenster ist täglich ein anderes mit weißer Schokolade überzogenes Objekt ausgestellt – Teile eines von der Künstlerin Heike Wurthmann geschaffenen dreidimensionalen Adventskalenders. 120 Euro kostet ein solches Kunstwerk. Ein Teil der Verkaufeinnahmen ist ebenfalls für den Straßenkreuzer bestimmt. Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak der Macher der Nordkurve, hat sich den Verein Straßenkreuzer bewusst als Adressat für seine vorweihnachtliche Benefizaktion ausgesucht, weil ihm die „emanzipatorische Arbeit“, die dieser für die Obdachlosen leistet, gefällt, auch weil sie seiner eigenen Philosophie entspricht. Die Zielgruppe, um die es geht, wird ernst genommen und eingebunden. Es wird aktive Hilfe zur Selbsthilfe gelebt, lobt Drozak. Und dafür betreiben er und die Künstlerin Heike Wurthmann mit einem doppelten Adventskalender Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam fanden sie das Motto „Wofür lohnt es sich in Nürnberg zu träumen“. Drozak fasziniert die Idee, Schlafen als eines der Grundbedürfnisse des Menschen mit aktivem Engagement zu verknüpfen. Und so schlüpft jeden Tag jemand anders ins frisch bezogene Bett im Schaufenster und tut seine Träume kund. Für das Frühstück am nächsten Morgen ist gesorgt.


Zu Gast im Schaufenster
Den Anfang machte Michael Ziegler, Bildungsreferent des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Nürnberg und SPD-Stadtrat, der mit seiner Band die Träume musikalisch verpackte. Evangelische und katholische Jugendliche machten auf ihren gemeinsamen Aktionsschwerpunkt „Kinderarmut“ im nächsten Jahr aufmerksam. Ann-Kathrin Scherbel (BDKJ) und Kirstin Gebing (ejn) schliefen gemeinsam unter einer Decke; ihre Mitstreiter hatten Isomatten dabei.

Ein Highlight war der Auftritt des fränkischen Comedian Bembers, der sich „für den Straßenkreuzer zum Affen machte“. Weitere Übernachtungsgäste waren der Künstler Francesco de la Luce sowie Carolin Auer von der Jesuitenmission mit Freiwilligen im Internationalen Dienst. Dr. Sabine Arnold von der Evangelischen SInN-Stiftung, die einen russisch-deutschen Frauenabend gestaltete ging es um das Thema Beheimatung in Nürnberg, der Journalist Sharon Chaffin um eine Reportage im Schlaf. Am 20. Dezember wird Psychiatriekoordinator Heiner Dehner mit Freunden karteln, und am 23. Dezember will Tänzerin Jessica Hellman aus London bis in die Nacht Tango tanzen. Wer an Heiligabend den Schlafplatz übernimmt ist noch nicht bekannt oder wird nicht verraten.

Süße Träume
„Schokolade siegt!“ hat Heike Wurthmann ihre süßen Adventskalender überschrieben, ihren Beitrag zur vorweihnachtlichen Benefizaktion in der Nordkurve. Die ausgebildete Holzbildhauerin ließ sich bei der Auswahl ihrer Objekte von Gesprächen mit Straßenkreuzer-Verkäufern inspirieren. Diese Information und Erlebnisse hat sie auf ihre Weise umgesetzt und visualisiert. Zum Beispiel Puppenfüße, die für den Traum von warmen Füßen stehen, ein Frauenkopf mit vielen Brüsten, der die Sehnsucht nach menschlicher Nähe versinnbildlicht oder ein Luftballonhund, weil einer ihrer Gesprächspartner seinen Hund als treusten Freund nannte. Für das Überziehen dieser Gegenstände spendete Stollwerk 42 Kilogramm weiße Schokolade. Wurthmann wählte Schokolade aus, weil sie für sie ein Symbol von Weihnachtlichkeit, Wohlstand und Heimelichkeit ist. In bewusstem Kontrast dazu stehen kleine Pistolen, die ebenfalls süß ummantelt wurden –  wovon ebenfalls der Straßenkreuzer profitiert. Dass der traumhafte Adventskalender wahr werden konnte, ist dem ehrenamtlichen Engagement der Initiatorin und zahlreichen Helferinnen und Helfer zu verdanken. Sie alle wollen damit demonstrieren, dass es sich lohnt, für soziale Projekte wie den Straßenkreuzer aktiv zu werden. Dort träumt man von vielen neuen Freunden im Freundenskreis. Durch die Benefizaktion hofft der Verein, dass sich viele Besucher dafür entscheiden, mindestens 60 Euro im Jahr für seine Projekte zu spenden. Seit 17 Jahren hilft er Menschen in sozialer Not, sich selbst zu helfen.

Dieser Beitrag wurde unter & Der Barfreitag, & Pressespiegel, Nordkurve - Aktuell veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.