& Der Barfreitag& Pressespiegel+ Wahljahr 2017Nordkurve - Aktuell
Wo Rednern richtig eingeheizt wird – NZ

1. März 2017

Politische AufgüsseAdventszeit ist Besinnungszeit. Ein guter Zeitpunkt also, sich Gedanken zu machen – auch über das eigene Land. Das dachte sich der Kulturförderverein Nordkurve und veranstaltet nun in Kooperation mit Partnern in seinen Räumen einen politischen Adventskalender: An 24 Tagen kommen dort Bürger zu Wort und erläutern ihre ganz persönliche Sicht der Dinge zur Frage: Wie soll Deutschland in zehn Jahren sein? Die NZ ist der Medienpartner der Aktion und wird sie täglich journalistisch begleiten.

Es hat alles mit einer Autofahrt begonnen, erinnert sich Jean-Francois Drozak: „Meine Beifahrerin hat sich eine Woche vor der letzten Landtagswahl gewundert, was für Plakate da am Straßenrand stehen. Sie war Akademikerin, aber sie las keine Zeitung und schaute nicht fern und hatte nicht mitbekommen, dass demnächst gewählt wird. Ich war entsetzt.“ Was wähle ich? Mit dieser Frage sollen sich die Bürger nicht erst kurz vor dem Gang in die Wahlkabine beschäftigen, sagt Drozak.


Sein Verein veranstaltet nun einen politischen Adventskalender. „Der Zeitpunkt ist gut. Denn nächstes Jahr haben wir Bundestagswahlen. Und jeder von uns muss erst einmal für sich herausfinden, was er will für sich und für Deutschland. Erst dann kann man sich für eine Partei entscheiden.“ Eine Gelegenheit dazu sollen die 24 Abende in der Nordkurve bieten. Jeden Tag erläutert dort ein Bürger seine Sicht der Dinge auf die Frage: Wie sehe ich Deutschland in zehn Jahren? Und jeder Interessierte darf dabei sein und mitdiskutieren. „Wir wollen keine Promis, sondern ganz normalen Menschen die Möglichkeit geben, sich zu äußern“, sagt Drozak.  Wer in der Nordkurve aber als Redner auftreten darf, bestimmte eine Jury, die Jugendliche aus Nürnbergs Stadtteilen Muggenhof, Gostenhof und der Südstadt bildeten. Auch sie selbst kommen zu Wort. „Wir fanden es toll, dass wir unsere Meinung zu Deutschland sagen dürfen“, sagt Lara El-Safadi (14).
Mehrmals haben sich die Jugendlichen getroffen und sich abgesprochen, wem sie das Wort erteilen wollen. Antje Klowat war ebenfalls dabei, weil ein großer Teil der Jugendjury ihre Schüler sind. Die Lehrerin an der Geschwister-Scholl-Realschule zeigt sich von dem Projekt angetan: „So entwickeln die Jugendlichen politisches Bewusstsein und verstehen, dass sie ein Teil der Gesellschaft sind und auch etwas bewegen können.“ Diese Erkenntnis wünscht Drozak jedem Bürger: „Ich habe neben dem deutschen auch noch einen brasilianischen und einen belgischen Pass. Und in den beiden Ländern begehe ich eine Straftat, wenn ich nicht wähle. In Deutschland wird die Pflicht zu wählen viel zu selten wahrgenommen. Dafür habe ich kein Verständnis.“ Der Sozial- und Theaterpädagoge wünscht sich auch eine andere Streitkultur in Deutschland: „Hier meiden die Menschen im Privaten oft eine politische Auseinandersetzung. In Frankreich dagegen gilt ein Geburtstag erst dann als gelungen, wenn über Politik kontrovers diskutiert wird.“ Daher darf es im Advent in der Nordkurve bei den politischen Diskussionen heiß hergehen: Dafür hat die Jugendjury den Raum an der Rothenburger Straße symbolisch in eine Sauna verwandelt – mit entsprechenden Bänken und einem Ofen. „Wir haben etwa zwei Stunden für den Aufbau gebraucht“, erzählt Kristin Hofmann (14). Der Gast des Abends darf dann für die Anwesenden drei „politische Aufgüsse“ gestalten. Er wird also dreimal je fünf Minuten seine Vision für Deutschland erläutern. „Ich hoffe, der Gast wird hier nicht nur auf Gleichgesinnte treffen. Wir alle müssen mal über den eigenen Tellerrand schauen.“

Die Jugendjury wünscht sich vor allem eine gute Resonanz auf die Aktion, sagt der 13-jährige Mario Calcagnile: „Ich hoffe, dass sich viele Menschen für die politischen Aufgüsse in der Nordkurve interessieren.“ Der politische Adventskalender ist dabei ein Gemeinschaftsprojekt. Neben der Nordkurve und den Jugendlichen engagiert sich bei der Aktion der Verein „Neue deutsche Medienmacher“, der sich für eine differenzierte Berichterstattung über Menschen mit Migrationshintergrund einsetzt. Seine Mitglieder – Medienschaffende aus der Region, unter anderem auch NZ-Redakteure – moderieren die Abende. Finanzielle Unterstützung erfuhr das Projekt durch die Robert-Bosch-Stiftung.
Als Medienpartner wird die NZ den politischen Adventskalender in der Nordkurve auf die eigenen Seiten bringen: Täglich präsentieren wir unseren Lesern die Visionen der Redner in einer Kolumne.

 

Dieser Beitrag wurde unter & Der Barfreitag, & Pressespiegel, + Wahljahr 2017, Nordkurve - Aktuell veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.