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Wir sind doch alle Menschen – FT

17. Februar 2013

petra

„Der schwarze Peter“ – ein Theaterstück, das nachdenklich stimmte.

Schwarzenbach – Ob Peter oder Petra – wenn jemand gemobbt und ausgegrenzt wird, dann kann Jungen beziehungsweise  Männer genauso schnell treffen wie Mädchen oder Frauen. Das Theaterstück  „Der Schwarze Peter“ , das am vergangenen Freitag  in de Jean-Paul-Grundschule aufgeführt wurde, wurde zur „Schwarzen Petra“. Rektor Udo Schönberger begrüßte eingangs das Publikum und bedankte sich beim Schwarzenbacher Kulturverein für die finanzielle Unterstützung sowie bei Nanne Wienands für die Vermittlung, Organisation und Betreuung des Auftritts.

Zum Inhalt des Stückes: Petra geht abends mit weißer Hautfarbe ins Bett und wacht am Morgen mit schwarzer Hautfarbe auf. „Stell dir vor“, sagt Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak, „Stell dir vor, dir passiert das. Was tust du dann? Nun – Petra ist es passiert, und auf der Bühne der Schwarzerbacher Grundschule zeigten junge Menschen aus Hof und Feilitzsch, wie die Geschichte sich entwickelt. 135 Schwarzenbacher Schülerinnen  und Schuler konnten mitbestimmen, demokratisch mitbestimmen; insgesamt viermal eintiwickelte sich die Story so, wie das Publikum es wollte. Und die Entscheidung waren stets ganz klar: Petra soll zum Arzt gehen, Petra soll sich wehren, Petra soll ihre Schwester zur Rede stellen. Und am Ende des Stückes schickte das Publikum Petra nach New Orleans!  In die Stadt des Blues und Jazz, und jeder hatte große Freude an den plötzlichen Trompetenklangen.
Das eindringliche Spiel der Gruppe verfehlte seine Wirkung nicht. Dass da angehende Erzieherinnen und Erzieher aus der Hofer Fachakademie für Sozialpädagogik mit Schülern der Mittelschule Bayerisches Vogtland Feilitzsch auf einer Bühne standen, hat niemand gemerkt, der es nicht wusste:  das war ein Team. Wie ist das, wenn jemand ausgegrenzt wird? Wie fühlt er sich?

Welche Impulse gehen dadurch an die „Unbeteiligten“? Zu welchen rhetorischen Spielchen greifen die Ausgrenzer?  Wie könnte man ihnen begegnen, was könnte man ihnen erwidern? In ganz kurzen knappen und trotz aller Dramatik humorvollen Szenen hat der Nürnberger Theater- und Sozialpädagoge Jean Francois Drozak diese Thematik gefasst und in wenigen Tagen mit den Studenten und Schülern erarbeitet. Die große innere Not von Petra, die Unsicherheit und vermeintliche Coolness ihrer Klasse, die begreifbare Panik ihrer Mutter und die gemischten Gefühle ihrer Schwester beeindruckten die jungen Zuschauer deutlich.

Es geht in „Der Schwarzer Peter“ ja nur symbolisch um einen dunkelhäutigen Menschen. Anders zu sein als andere genügt oft schon, um ausgegrenzt und diskriminiert zu werden. Dies darzustellen war den jungen Menschen auf und hinter der Bühne wichtig. Und die Botschaft ist bei den Zuschauern angekommen. Ganz klar beantworteten sie nach dem Schlussapplaus die Fragen von Jean-Francois Drozak. „Wir sind doch alle Menschen, egal, welche Hautfarbe wir haben, meinte eine junge Schülerin. Und die Fragen des Theaterpädagogen machten deutlich: Jeder im Raum hat irgendetwas im Besitz oder hat irgendeine Eigenschaft, die ihn von allen anderen unterscheidet.

Die Namen der Schauspieler sollen hier nicht genannt werden. Ihre Bühnennamen sind geläufig: Franziska und Udo, Christina und Lisa, Frau Huber und Petra sollen genügen. Eindeutig positioniert das Stück die beiden kooperierenden Schulen als „ Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – und damit sind sie leider ein potentielles Ziel für Verunglimpfungen von rechtsradikaler Seite. nw

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