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Wie fühlt es sich denn eigentlich an, arm zu sein? NN

12. September 2017

Pleitegeier_Web_230x130pxNordstadt-Schulkinder im Alter von neun bis zwölf Jahren führen am heutigen Donnerstag, 6. Juli, ab 19 Uhr das Theaterstück „Pleitegeier“ im Kinderund Jugendhaus Nordlicht in der Uhlandstraße 44 auf. Das Thema der Aufführung ist die Kinderarmut, der Eintritt ist frei. Jean-François Drozak hofft, dass viele Eltern und Interessierte der Einladung zur Aufführung folgen, denn chließlich werden es die Zuschauer sein, die über den Ausgang des Stücks entscheiden – also darüber, ob Familie Huber am Monatsende noch Geld übrig haben wird oder nicht.

Genauer gesagt: die alleinerziehende Mutter, die 13-jährige Lisa und ihr Bruder Felix, der in den Kindergarten geht. Diese fiktive Familie ist von der Realität inspiriert.
Sozialarbeiter Drozak tauchte in den Alltag von Nürnberger Hartz-IV-Empfängern ein, um bestimmte Situationen zu erleben. Herausgekommen ist das Stück „Pleitegeier“, das er seit 2011 schon sieben Mal auf die Bühne gebracht hat. Die heutige Aufführung im Kinder- und Jugendhaus Nordlicht probt er mit jeweils vier Kindern aus der Ludwig- Uhland- und der Friedrich-Hegel-Schule.

„Das Drehbuch ist nur grob vorhanden, die Dialoge erarbeite ich mit den Kindern“, erklärt der 43-Jährige und holt drei von ihnen auf die Bühne, um eine Szene zu proben. Sie spielt im Einzelhandel, wo Lisa unbedingt teure Markenschuhe haben will. Die Mutter schlägt vor, ein halb so teures, gefälschtes Paar zu kaufen. Welche Schuhe am Ende in der Einkaufstüte landen, entscheiden die Zuschauer.

Eine Entscheidung zwischen acht oder nur vier Kugeln, denn Kugeln stellen in dem Stück die Währung dar. 30 Kugeln kann Familie Huber während der insgesamt zwölf Szenen ausgeben, das macht – bei einem Wert von zehn Euro je Kugel – insgesamt 300 Euro. Drozak: „Das ist etwa der monatliche Hartz-IV-Regelsatz.“ Alle Kinder, neun bis zwölf Jahre alt, würden sich für die günstigeren Schuhe entscheiden, sagen sie einstimmig nach der Probe. Doch es ist auch eine moralische Frage, denn gefälschte Schuhe würden dem Hersteller des Originals einen Schaden bereiten, erklärt der Regisseur. „Das tut doch der Firma nicht weh“, sagt Julian (10). „Hauptsache, die Familie kommt über die Runden.“ Und die zwölfjährige Lilas fügt an: „Wichtig ist, dass das Kind Schuhe bekommt.“ Umstände, denen sich auch die Zuschauer stellen sollen. „Erwachsene entscheiden oft anders als Kinder“, merkt Drozak an.

Vom Sozialamt gefördert
Das Stück will zum Nachdenken anregen. „Hartz IV ist nicht bedarfsgerecht, es gibt keine Spielräume“, sagt Sozialpädagogin Beate Barthmann vom Sozialamt – ihre Behörde fördert die Aufführung mit weiteren Sponsoren . „Was die Politik ausgerechnet hat, funktioniert in der Realität nicht.“ Nachdenklich sind auch die Kinder geworden. „Man wird sich bewusst, wie es ist, wenn man nicht unendlich viel Geld ausgeben kann“, stellt die neunjährige Noelle fest, ebenso wie Sara (11): „Ich erlebe hier, was es bedeutet, arm zu sein.“

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