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Werbung für soziale Berufe bei den Maristen

21. März 2014

Vorankündigung HErzwerker Landshut

Menschen, die ihren Beruf mit dem Herzen, nicht mit der Hand ausüben, standen im Mittelpunkt des Theaterprojekts, das von 1.- 5. Oktober 2012 an unserer Schule durchgeführt wurde. Acht Schüler hatten sich an die Aufgabe gewagt, Alltagsszenen der „Herzwerker“ Elisabeth Steltzl, Frank Wille, Claudia Lex und Benjamin Diepold (von links nach rechts) auf der Bühne darzustellen. Das Ziel dieser Veranstaltung, die auf Vermittlung von Staatssekretär Markus Sackmann zustande kam, war, das Interesse an sozialen Berufen zu wecken.

In die Rolle der echten „Herzwerker“ hineinzuschlüpfen , war für unsere „Schauspieler“ keine leichte Aufgabe. Doch unter der Leitung des erfahrenen Theaterpädagogen Francois Drozak von der Agentur für  Kulturdesign“ bewältigten sie diese Aufgabe in nur dreieinhalb Tagen und begeisterten bei der Premiere am 4. Oktober 2012 an die 500 Eltern, Schüler und Ehrengäste.

Jean-Francois Drozak führte nicht nur Regie, sondern stellte auch die „Herzwerker“ und ihre Geschichten vor: Elisabeth Stelzl, Erzieherin und Leiterin des Kindergartens „Arche  Noah“ in Cham, ist von der Vielfalt ihres Berufes besonders angetan. „Die Kinder dabei zu begleiten, wie sie lernen und wie sie sich entwickeln, ist einfach schön“, erklärte sie. Für die Kleinen sei das Spielen besonders wichtig. „Wer spielt, der lernt fürs Leben“, ist Frau Stelzl überzeugt. Um das Spielen ging es auch in der ersten Szene, die die Schüler auf der Grundlage von Frau Stelzls Erfahrungen zeigten. Hier galt es einen Streit zwischen zwei Kindern (Steve Rösch und Johannes Haller) zu schlichten.

Der eine wollte fernsehen, der andere spielen. „Erzieher“ Philipp Müller hatte die      Aufgabe, die Kinder zum gemeinsamen Spielen zu bringen, was ihn schließlich mit viel        Geduld gelang.

Dass eine Kindergartenleiterin nicht nur erziehen , sondern auch Verwaltungstätigkeiten übernehmen muss, zeige Szene  „Orga-Kram“. Kaum hatte der Dienst begonnen, läutete das Telefon: Eltern äußerten ihre Wünsche, der Bürgermeister gab ihm letzte Anweisungen für das bevorstehende Kindergartenfest. Noch während er diese Gespräch führte, warteten seine Schützlinge sehnsüchtig auf ihn. Sie wollten natürlich beschäftigt werden.

Anschließend stellte Benjamin Diepold seine Ausbildung im Haus „Regens Wagner“ in Michelfeld, einem Behindertenheim mit Pflegestation, vor. Sein  Beruf fordere ihn sehr, erzählte er, aber es gebe viele Momente, die ihn glücklich machten: „Wenn man den Menschen, die manchmal sehr hilflos in ihren Betten liegen oder im Rollstuhl sitzen, helfen kann und dafür mit einem Lächeln oder einem Streicheln über die Hand belohnt wird“.

Eines des Erlebnisse, das Diepold sehr berührt hatte und von den Schülern szenisch prima umgesetzt wurde, war mit dem Namen „Asta“ umschrieben. Ein Schwerbehinderer, verkörpert von Sven Rösch, schaute sich eine Fernsehdokumentation über Hund an. Plötzlich  sagte er: „Mein Hund Asta.“ Das Erstaunliche war: Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt kein einziges Wort über seine Lippen gebracht. Diese Sendung hatte den von Sebatian  Diepold betreuten Mann emotional so angesprochen, dass er für kurze Zeit seine Stummheit aufgab und sich seiner Umwelt mitteilte. Auch die Szene „Peanuts“ berührte die Zuschauer sehr. David Nebel spielte den Betreuer einer Schwerbehinderten Frau, der seine Arbeiten äußerst unwillig verrichtete. Erst als die Dame im Rollstuhl (Bastian Sittenauer) zu ihm sagte: „Mensch, Benjamin, du hast es gut, du kannst wenigstens laufen“, kam er ins Grübeln und bedauerte sein Verhalten.

Der dritte Herzwerker, der den Zuschauern seine Arbeit vorstellte, heißt Frank  Wille. Er arbeitet seit sieben Jahren im Thomas-Wiser-Haus in Cham, einer pädagogischen Einrichtung für Jugendliche im Alter von 13 -17 Jahren. Hier haben junge Menschen aus schwierigen Elternhäusern die Möglichkeit, ihr Leben neu zu gestalten. Die   begleitung der Jugendlichen macht Frank Wille großen Spaß. Auf die Frage von Drozak, ob er als Erzieher jemals Angst vor der Arbeitslosigkeit gehabt habe, musste er schmunzeln. „Definitiv nein“, betonte er. „Männer sind in sozialen Berufen Mangelwaren und deshalb sehr begehrt.“  In der folgende Szene, die auf Willes Erfahrungen beruht, verkörperte David Nebel einen Jugendlichen, der sich wegen seines verwaschenen Lieblings-T-Shirts maßlos aufregte. Seinem Betreuer (Lukas Rohrmüller) gelang es schließlich, ihn zu beruhigen. Das Verhalten dieses Jungen erklärte Frank Wille folgendermaßen: „Gerade Jugendliche, die sehr schwierige Phasen im Leben hinter sich haben, hängen oftmals verstärkt an den wenigen positiv besetzten Dingen.“

Dass das Thema „Hausaufgaben“ nicht nur in „normalen“ Familien, sondern auch im Thomas-Wiser-Haus Konflikte heraufbeschwört, stellten Johannes Haller, Joseph Kraus, Philipp Müller  und Sven Rösch sehr anschaulich das. Bei der Beobachtung des Betreuers (Sven Rösch) wurde schnell klar, dass nicht bei jedem Jugendlichen dieselbe Methode angewendet werden kann, um ihn zum Arbeiten zu bewegen. Während der eine etwas härter angepackt werden musste, genügte bei m anderen eine sanftere Vorgehensweise.

Als vierten und letzten „Herzwerker“ begrüßte Jean-Francois Drozak Claudia Lex. Ihre Aufgabe in der Bildungsstätte St. Gunther sieht sie darin, die geistig behinderten Kinder und Jugendlichen zu befähigen, dass sie ihr Leben möglichst selbständig meistern können. Die Szene „Löffel, Löffel“, die für Frau Lex ein ganz  besonderes Erlebnis war, wurde von David Nebel, Bastian Sittenauer und Anton Reznik gespielt. Im Mittelpunkt stand ein behindertes Kind, das noch niemals gesprochen hatte. Erst als die Servierdame im Speisesaal (Anton Reznik) den Löffel für den Pudding vergessen hatte, sagte es die drei Wörte „Löffel, Löffel, Löffel“. „Das war das erste Mal, dass das Kind gesprochen hat“, erklärte Frau Lex. „Es war ein wunderbarer Moment.“  Um die Verpflegung ging es auch bei der Szene „Sonntagsbraten“. Sechs Monate lang hatten die Betreuer es nicht geschafft, ein Kind zum Essen zu bringen. In ihrer Verzweiflung befolgten sie schließlich den Rat der Mutter. Sie legten eine Leberkässemmel in einen Mixer, schüttelten reichlich Tee hinzu und setzten das Gerät in Gang. Was dabei herauskam, sah äußerst unappetitlich aus. Im Gegensatz zu den Betreuern Johannes Haller und Philipp Müller fand das Kind (Sven Rösch) den Brei äußerst schmackhaft. Seine Augen leuchteten, sobald der Mixer eingeschaltet wurde.

Die vier Gäste auf der Bühne – und natürlich auch unsere Schüler – demonstrierten den begeisterten Publikum, dass die Arbeit im sozialen Bereich nicht nur viel Kraft kostet, sondern auch Glücksmomente vermittelt. Mit dem Verlauf der Veranstaltung  waren Direktor Josef Maier und sein Stellvertreter Christian Haringer mehr als zufrieden. Nicht weniger beeindruckt waren die Ehrengäste – unter ihnen Domkapitular Johannes Neumüller, Bürgermeisterin Karin Bucher, MdB a. D. Klaus Hofbauer, Altbürgermeister Leo Hackspiel und Frater Karl-Heinz Haag. Das Einführungvermögen und die Darbietung der acht „Schauspieler“ hatten sie voll und ganz überzeugt.

Es bleibt abzuwarten, ob diese außergewöhnliche Berufsorientierungsaktion den erhofften Erfolg nach sich zieht. Zu wünschen wäre es auf jeden Fall. Vielleicht nehmen unsere Schüler in Zukunft verstärkt das Angebot für ein Praktikum im sozialen Bereich wahr. Sowohl Frau Stelzl als auch Frau Lex hatten sie ausdrücklich dazu eingeladen.

Nach diese Veranstaltung wollte ich wissen, wie die vier „Herzwerker“ die Begegnung mit den Schülern empfunden haben und was sie junge Leuten für die Berufswahl empfehlen.

1. Frage: Wie haben die Schüler Ihre Geschichten umgesetzt?
„Zu Beginn dachte ich: Oh, hoffentlich nicht zu heikel !“ Aber die Umsetzung war sehr gelungen. Alle wichtigen Details waren untergebracht, auch der Kern der Thematik wurde getroffen.“ – „ Anfangs eher zurückhaltend, dann aber immer realistischer und schließlich fast professionell. Es war schön, die Entwicklung zu verfolgen. Die Schüler waren für Anregungen sehr offen, auch wenn die Umsetzung zu Beginn schwer fiel.“ – „Wenn ich meine aufgeschriebene  Geschichte mit  dem vergleiche, was Schüler dann gespielt haben, war meine im Vergleich dazu langatmig und hatte wenig Aussagekraft. Die Schüler haben richtige Theaterinszenierungen daraus gemacht und voll publikumswirksam und doch der Realität entsprechend gespielt.“

2. Frage: Was würden Sie jungen Leuten raten, die sich mit dem Gedanken tragen,einen sozialen Beruf zu ergreifen?
„Die sozialen Berufe haben zuweilen noch den Ruf, etwas für Leute mit „Helfersyndrom“ zu sein. Aber das ist es nicht. Mann muss sich allerdings schon im Klaren sein, dass die psychische Belastung sehr hoch sein kann. Als Dank gibt es aber viel Spaß und  Erfolgserlebnisse.“-

“Unbedingt vorher ein Kurzzeitpraktikum machen! Man merkt erst in der Praxis, ob man für so einen Job geeignet ist. Und: Geld ist nicht alles! Nicht nur auf den Verdienst schauen, sondern spüren, was einem wirklich gefällt!“ – „ Lasst euch nicht irre machen von Leuten, die meinen, das seien nur Berufe für Mädchen und Weicheier“. Ihr wisst, dass wir „Sozialen“ gerade euch Jungs brauchen. Macht Praktika in den verschiedenen sozialen Einrichtungen! Vielleicht schnuppert ihr aber auch kurz in einen Wirtschafts- oder Technikberuf rein, damit ihr vergleichen könnt. Redet mit Leuten, die in sozialen Einrichtungen arbeiten! Seid überzeugt vom hohen Stellenwert und der Anerkennung der sozialen Arbeit in der Öffentlichkeit und stolz darauf, wenn ihr einmal dazugehören dürft!“

Auch einige „Schauspieler“ ließen sich bereitwillig interviewen:

  1. Frage: Wie hast du die Begegnung mit den „Herzwerkern“ erlebt? – Wer/Was hat dich am meisten beeindruckt?

„Es war ein tolles Gefühl, Geschichten von solchen besonderen Menschen zu hören. Am meisten beeindruckt hat mich Benjamin, weil er stark bleibt, obwohl er einen Satz wie „ Du hast es gut, du kannst laufen“ zu hören bekommen.“ Es war sehr interessant, ihre Geschichten zu hören, die uns die Arbeit im sozialen Bereich näher brachten. Jean hat mich mit seiner Erfahrung als Regisseur und seinen vielen technischen Geräten sehr beeindruckt.“- „Ich fand die  Begegnungen sehr schön, da alle sehr nett waren. Am meisten beeindruckt hat mich die Heilerzieherin von St. Günther. Sie ist so begeistert von ihrer Arbeit, man hat ihr angesehen, wie viel Spaß ihr der Job macht.“- „Mich hat am meisten beeindruckt, dass es immer noch so nette Menschen gibt, die solche sozialen Berufe erlernen.“

 

  1. Frage: Gab es eine Geschichte, die dir besonders naheging?

„Ja, die mit dem Hund, weil man wieder einmal sieht, sie tierverbunden der Mensch ist.“- „Die Geschichte, die vom Kindergarten handelte, da sie zeigte, wie sehr Frau Stelzl an ihren Job hängt.“-

„Ja, die Geschichte mit dem Jungen, der nicht sprechen konnte und dann doch seine Seele geöffnet hat und ein paar Worte gesagt hat.“- „Also die Geschichte mit dem Löffel ging mir nahe, weil das schon sehr emotional ist, wenn ein Junge, der noch nie in seinem Leben gesprochen hat, auf einmal etwas sagt“.

  1. Frage: Welche Rolle fiel dir am leichtesten, welche am schwersten?

„Am leichtesten fiel mir, in die Rolle des Hundes zu schlüpfen, weil ich eigentlich nicht viel machen musste. Am schwersten hatte ich es als Betreuer des behinderten Kindes, das nur den Leberkäsbrei essen wollte. Es war schon ungewohnt, jemandem etwas zum Essen zu geben, weil ich das normalerweise nicht mache.“- „Die Rolle als bockender Schüler fiel mir sehr leicht, da ich selbst öfter so bin. Die Rolle als Kindergärtner war schwer, da man die ganzen Gefühle der Frau hervorheben musste.“- „ Mir fiel die Rolle als Erzieher sehr schwer, da ich viel Text hatte. Dieser variierte von Mal zu Mal, deswegen war ich ganz schön gefordert. Am leichtesten fiel mir die Rolle als alter Mann, da ich dafür nur wenige Worte brauchte.“- „Am leichtesten fiel mir die Szene mit dem Löffel, weil ich sie mir leicht vorstellen konnte. Am schwersten war die Szene „Peanuts“, weil ich es nicht gewohnt bin in einem Rollstuhl zu sitzen.“

4. Frage: Hat sich deine Einstellung zu Beschäftigten in sozialen Berufen durch die Begegnung mit den „Herzwerkern“ verändert?

„Ja, weil ich einfach gemerkt habe, wie wichtig so ein Beruf ist.“- „Ja, ich hatte zuerst gedacht, dass in diesen Berufen nur billige Arbeitskräfte beschäftigt sind. Doch dann wurde mir klar, mit wie viel Herz sie hinter ihrer Arbeit stehen.“- „Ja, ich habe dadurch gesehen, wie „Herzwerker“ wirklich arbeiten und mit wie viel Liebe sie den Menschen begegnen.“-“Nein, eigentlich nicht, weil ich das alles schon davor gewusst habe.

5. Frage: Könntest du dir vorstellen, einen sozialen Beruf zu ergreifen?

„Nein, weil ich mit dem Schicksal dieser Menschen (Behinderte, alte Männer und Frauen) psychisch nicht zurecht kommen würde.“- „Nein, das wäre für mich keine Option, da ich lieber in der Industrie oder mit Tieren arbeiten möchte.“- „Nein, da man den Menschen sehr viel Zeit und Liebe schenken muss. Es würde mir schwer fallen, mich im Todesfall von ihnen zu trennen.“- „Ja, weil ich anderen eigentlich gerne helfe. Wenn ich mich für eine Ausbildung entscheide, gehe ich vielleicht in diese Richtung.“

6. Frage: Wie hast du diese fünf Tage rückblickend in Erinnerung?

„Schön, sehr lehrreich.“- „Die ersten Tage habe ich sehr schön und locker in Erinnerung, danach wurde es wirklich stressig.“- „Sie waren toll. Es war super“

Christl Hastreiter

 

 

 

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