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Wer kochen kann, der kann auch gut küssen – HZ

15. Juni 2014

Vorkoster

HERSBRUCK – Wie kann man in einer Stunde ein gleichermaßen unterhaltsames wie lehrreiches Theaterstück aufführen, nebenbei ein Essen kochen, Zuschauer bewirten und abspülen? Den Schülern der Grete-Schickedanz-Mittelschule ist dies mit der „Brandner-Kaspar“-Adaption „Fastfood“ hervorragend gelungen.


Die jungen Schauspieler, die über ein Casting aus den siebten und achten Klassen der Schule ausgewählt wurden, hatten nur vier Tage inklusive Wochenende Zeit, um das Stück zu proben. Mit Jean Francois Drozak aus München hatten sie einen begeisterten Theaterpädagogen zur Seite. Dem Franco-Brasilianer gelang es in dieser kurzen Zeit, mit französischer Akribie und brasilianischer Leichtigkeit zusammen mit den Jugendlichen ein Stück aufzustellen, das die vielen Zuschauer und Stadträte im Gemeindesaal der katholischen Kirche bestens unterhielt.

Brigitta Stöber hatte als Leiterin des Arbeitskreises Citta slow den Kontakt zu Drozak hergestellt, der im Rahmen eines Projektes des Bezirksjugendwerkes Mittelfranken nach Hersbruck kam.

In „Fastfood“ geht es um Maria (versiert: Kathleen Kischkel), die überglücklich ist, als der Stadtrat bei ihr anfragen lässt, ob er in ihrem von der Insolvenz bedrohten Hotel tagen darf. Das Rathaus schickt einen Vorkoster (überzeugend gespielt von Ogulcan Karkinli), der über die Wochenkarte urteilen soll. Chefköchin Roswitha (herzerfrischend: Chiara Pinto) soll in weniger als einer Stunde ein Menü hervorzaubern, aber die Speisekammer ist fast leer. Die heimwehkranke Helferin Olga (glaubwürdig: Roxana Neumüller) springt mit ein.

Der Vorkoster verschmäht Roswithas schnelle Küche, wird dann aber vom Großvater (sehr lustig: Cedric Beer) dazu gezwungen zu probieren. Ein Unwetter setzt die Ostbahn unter Wasser. Der Vater (kraftvoll: Manuel Hellwig) versucht den Großvater von schwerer Arbeit abzuhalten und dafür den arbeitsunwilligen Sohn (lebensecht: Sascha Henkel) zu dieser zu bringen. Der Vorkoster wollte aber gar nicht probieren, sondern den Bürgermeister und die Stadträte vergiften, aber am Ende stirbt ironischerweise der Tod (temporeich: Samantha Lindner). Der Vorkoster wird vom strengen Polizisten (Jakob Pfeiffer) abgeführt.

Das Essen, das tatsächlich während des Theaterspielens gekocht wurde, durften Sozialpädagoge Manfred Münster und Pastoralreferentin Ursula Clasen noch während des Stücks an einer langen Tafel einnehmen. Damit kam der pädagogische Gedanke ins Spiel, den Drozak den Schülern erläuterte: Es gibt gesundes „Fastfood“, wenn man es selbst kocht, denn die Familien haben oft wenig Zeit zu kochen. Aber auch in ein paar Minuten lässt sich ein gesundes Essen auf den Tisch zaubern. Und auch für wenig Geld kann man sich bodenständiges Slowfood mit Salat und Gemüse kochen, denn das elitäre Slowfood mit teuren Spezialitäten könnten sich viele Familien nicht leisten. Und: „Wer gut kocht, der küsst auch gut“, sagte der Brasilianer schmunzelnd.

Was die jungen Schauspieler vor allem mitnehmen konnten, war: Gemeinsam Theater spielen macht Spaß, stärkt das Selbstbewusstsein und ist ein echtes Erfolgserlebnis, wie das Publikum es widerspiegelte. Schön, dass die Mittelschule mit Lehrerin Andrea Schmid das Experiment mitgemacht hat.

So kam prompt auch der Wunsch von einigen Schülern auf, dass sie gerne dauerhaft eine klassenübergreifende Theatergruppe an der Mitttelschule hätten.

Ursula Pfeiffer

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