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Wenn wenig Geld im Geldbeutel ist – NZ

10. Oktober 2017

Pleitegeier_Web_230x130pxIn den Schuhladen zu gehen, ist für Lisa keine schöne Sache. Ihre Mama kauft ihr dort so gut wie nie die Schuhe, die sie möchte. Doch bei der 13-Jährigen geht es oft auch um andere Dinge als Markenschuhe; manchmal reicht das Geld in der Familie nicht einmal für neue Schulhefte. Lisa gibt es nicht wirklich. Sie ist eine Figur im Theaterstück „Pleitegeier“, das acht Kinder der Ludwig-Uhland- und der Friedrich-Hegel-Schule in Nürnberg gestern aufgeführt haben. Doch die Probleme, die Lisa hat, haben im wirklichen Leben eine Menge Kinder.

In „Pleitegeier“ spielten acht Kinder im Jugendhaus Nordlicht, wie es ist, wenn man nicht genügend Geld zum Leben hat. „In Nürnberg lebt jedes vierte Kind in Armut oder ist davon bedroht“, erzählt Beate Barthmann, die beim Sozialamt der Stadt Nürnberg arme Menschen unterstützt. Was heißt aber arm in Deutschland? Die meisten Menschen hierzulande haben ein Dach über dem Kopf und müssen nicht hungern – und dennoch sind sie arm. So wie Lisas Familie im Theaterstück.

Ihre Mama ist krank und kann nicht arbeiten, sie bekommt finanzielle Unterstützung vom Staat. Für Lisa sind darin 290 Euro im Monat vorgesehen. Schöne Klamotten, Ausflüge, Eisessen, Urlaub – vieles geht da nicht. Jede Ausgabe muss gut überlegt sein. Im Theaterstück entschied das Publikum nach jeder Szene, wie das Geld, das für Lisas Unterhalt bestimmt ist, ausgegeben werden soll.

„Der Pleitegeier“ kann die Leute dazu bewegen, über arme Menschen nachzudenken, findet Lilas. Die 12-Jährige hat im Theaterprojekt mitgemacht und hat diese Veränderung auch bei sich gemerkt: „Jetzt denke ich, man muss für diese Menschen alles tun, was möglich ist.“ Für sie wie auch für die anderen Schülerinnen und Schüler, die nun auf der Bühne standen, spielt es keine Rolle, ob jemand viel oder wenig Geld hat. Aber einige aus der Gruppe erleben auch in ihrem Alltag Kinder, denen es so geht wie Lisa. „Manche sagen dann, sie haben keine Lust, mit zum Kino zu gehen. Sie sagen nicht, dass sie kein Geld dafür haben. Das finde ich traurig“, sagt Paulina. Tatsächlich schämen sich viele für ihre finanzielle Situation. Das stellt Beate Barthmann immer wieder fest. Die Stadt Nürnberg wie auch viele andere Städte und Gemeinden machen zum Beispiel für Familien, die nicht genügend Geld haben, besondere Angebote. So können Kinder umsonst oder zu geringen Preisen an verschiedenen Freizeitaktivitäten teilnehmen. In Nürnberg gibt es auch den Nürnberg-Pass. Mit ihm kann man ebenfalls viele Einrichtungen, wie etwa Tiergarten, Schwimmbäder und Museen, sehr günstig besuchen. „Es steht den Menschen zu.“ Schämen muss man sich dafür nicht, findet die Sozialamt-Mitarbeiterin.

Geld ist ohnehin nicht alles, meinen auch die Kinder vom Theaterprojekt. Sie sagen: Familie und Freunde sind Dinge, die im Leben wichtiger sind. „Niemand hat genug Geld“, sagt Jean-Francois Drozak. Er hat das Theaterstück mit den Kindern auf die Bühne gebracht. Ob viel oder wenig Geld, wichtig ist auch, wie die Menschen es sonst schaffen, es sich gutgehen zu lassen. „Es geht auch um Kreativität.“ Mit einer Menge Fantasie findet man manchmal auch gute Lösungen trotz leerem Geldbeutel, so wie Lisa im „Pleitegeier“: Sie bastelt sich ein neues Heft.

Das Theaterstück „Pleitegeier“ führt Drozak mit verschiedenen Kindern in Nürnberg immer wieder auf. Den Pleitegeier (siehe Bild) gibt es auch als Bügelbild für die Kleidung und dazu noch eine Hülle, in der der Fahr- oder Schülerausweis, aber auch der Nürnberg-Pass gut aufgehoben sein könnte.

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