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Wenn der Pleitegeier über der Familie kreist – NN

1. Dezember 2017

7Ist arm sein ein Schicksal? Und wie kann man mithalten in der Konsumgesellschaft, wenn die Eltern nur Hartz IV beziehen? Zu diesen Fragen hat Theatermacher Jean-François Drozak ein Stück mit Schülern erarbeitet, das jetzt uraufgeführt wurde. Es soll als langfristiges Projekt fortgeführt werden. Was kann man sich kaufen, wenn man am Monatsanfang 290 Euro zur Verfügung hat? Das ist der Regelsatz für ein Kind im Hartz-IV-Gesetz — und der Ausgangspunkt für das Stück „Pleitegeier“, das der umtriebige Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge Jean-François Drozak geschrieben hat.

Angelegt ist es als Klassenprojekt, bei dem jeweils Jugendliche von zwei Schulen beziehungsweise Schularten gemeinsam innerhalb einer Woche elf Szenen erarbeiten.
„Das Stück wird moderiert, wir halten sozusagen die Handlung immer wieder an und fragen das Publikum, ob das Mädchen sich zum Beispiel die teuren Markensneaker für 80 Euro oder lieber die billigere Version für 20 Euro kaufen soll. Entsprechend dem Publikumsvotum spielen wir weiter“, erläutert Drozak.

Das Thema Armut, speziell Kinderarmut, ist ihm ein Anliegen. Das Stück, bei dessen Proben die Darsteller aus unterschiedlichen Schulen nicht nur schnell ins Gespräch kommen, sondern automatisch auch über Armut und Konsum diskutieren, soll auch auf die Chancen des Nürnberg-Passes aufmerksam machen. „Es gibt noch immer einen Prozentsatz von Menschen, die die Möglichkeiten des Passes entweder nicht kennen oder sich schämen, sie zu nutzen“, hat Drozak gemerkt. Das will er ändern. Denn wenn der Schwimmbadbesuch oder ein Ausflug zu einer Kulturveranstaltung abgelehnt werden, nur weil sie zu teuer sind, findet er das traurig. „Der Nürnberg-Pass ist ein Wertpapier unserer Solidargesellschaft“, sagt er idealistisch.

Disziplin notwendig
Verständnis wecken für die, die sich nicht so viel leisten können: Das ist das Hauptziel des Projekts „Pleitegeier“. „Wir wollen auch nicht immer nur Brennpunktschulen ins Boot holen“, betont der Theatermacher. Gerade an Schulen in Bezirken, in denen die Bewohner bessergestellt sind, sei es wichtig zu erklären, aus welchen Gründen man in die Lage geraten kann, von staatlicher Unterstützung zu leben. „Es erfordert sehr viel mehr Disziplin, mit so wenig Geld in unserer Gesellschaft auszukommen. Aber Menschen, die Hartz IV bekommen, sind ja oft schon in einer Belastungssituation und haben es damit doppelt schwer.“ Das Stück, innerhalb von nur einer Woche erarbeitet von Schülern der Geschwister-Scholl-Realschule und des Sonderpädagogischen Zentrums Bärenschanze, wurde jetzt in der Kulturwerkstatt auf AEG aufgeführt. Langfristig mit im Boot ist die Aktion Schutzbengel der Rummelsberger Diakonie, das Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt und die Zukunftsstiftung der Sparkasse, außerdem die Sparkasse Nürnberg und die wbg 2000 Stiftung. Die Sponsoren haben zusammen die mehrjährige Planung des Projekts erst ermöglicht.

Drozak hat bei den Voraufführungen etwas Bemerkenswertes festgestellt: „Die Jugendlichen entscheiden sich eher fürs Sparen und handeln sehr vernünftig. Es sind eher die Eltern, die dem Nachwuchs immer das Beste ermöglichen wollen, weil sie Ideale für ihn haben. Die Kinder selbst sind strenger zu sich.“

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