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Wenn das Publikum über Wünsche von Armen abstimmt – NN

29. September 2011

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Schulkinder haben mit Jean-Francois Drozak das Stück „Pleitegeier“ aufgeführt — Hefte, Kleidung oder Prinzessinnenschuhe?

EBERHARDSHOF/MUGGENHOF  – Was bedeutet Armut für ein Kind? Und was ist wirklich wichtig im Leben? Die Dritt- und Viertklässer der Wanderer-Grundschule in Eberhardshof und des Bartolino-Horts in Muggenhof versuchten Antworten auf diese Fragen im Theaterstück „Pleitegeier“ zu finden. Eine große Rechentafel gehört zum Bühnenbild des Stücks „Pleitegeier“ über Armut, das Kinder aus dem Nürnberger Westen aufführten.

Eine große Rechentafel gehört zum Bühnenbild des Stücks „Pleitegeier“ über Armut, das Kinder aus dem Nürnberger Westen aufführten. Die Eltern von Lisa (Katharina Stafrou) sind arm und müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Um das zu zeigen, steht ein riesiger Rechenschieber auf der Bühne. Die Kugeln auf der Stange stehen für die 200 Euro, die Lisas Eltern monatlich für sie zur Verfügung haben. Für zehn Euro, die Lisas Eltern ausgeben, wandert eine Kugel von links nach rechts.

Das Publikum sieht in vier beispielhaften Szenen, mit welchen alltäglichen finanziellen Problemen das Mädchen konfrontiert ist. Bekommt sie die heiß ersehnten Original-Prinzessinnenschuhe, die die anderen Mädchen in der Klasse tragen oder nur die billigere Kopie? Kaufen die Eltern Lisa neue Schulhefte oder wird das Geld für ihre kleine Schwester ausgegeben, die unbedingt neue Kleidung braucht? Und darf sie ein einziges Mal mittags mit den Mitschülern zum Imbiss gehen?


In Situationen wie diesen wird deutlich, was es für Kinder bedeutet, arm zu sein: Nicht dazuzugehören, verhöhnt und verachtet zu werden und Empfänger von Mitleid zu sein, für das man gefälligst dankbar zu sein hat. Ganz und gar nicht einfach sind diese Entscheidungen, schließlich leben arme Kinder nicht im luftleeren Raum, sondern haben Klassenkameraden und Freunde, die vieles haben und dürfen, was ihnen aus finanziellen Gründen versagt bleibt.

Geld ist nicht alles“

Die Lehrer, Eltern, Geschwister und Freunde im Publikum dürfen sich das nicht nur ansehen, sie müssen nach jeder Szene abstimmen, ob Lisa ein Wunsch erfüllt wird, oder nicht. Jean-Francois Drozak, hat das Stück konzipiert und mit den Kindern in nur drei Tagen einstudiert. Er fragt nach jeder Abstimmung Einzelne aus dem Publikum, warum sie sich so und nicht anders entschieden haben.

Das Publikum, ob klein oder groß, ist streng, die meisten ihrer Wünsche bekommt Lisa nicht erfüllt. Dabei wird klar: Ganz ohne Geld geht es nicht und eine eindeutig richtige Entscheidung gibt es nicht. Die vom Stück angebotene Lösung überrascht aber. „Geld ist nicht alles. Haltet zusammen und lasst euch selbst etwas einfallen!“, ist die pragmatische Antwort der Kinder im Stück.

Am Ende bekommen auch die reicheren Kinder etwas, was sie sonst nie dürfen: Mit anarchischer Kreativität bemalen und zerlegen sie alte Puppen, die Lisas Eltern kistenweise von mildtätigen Spendern bekommen haben. Niemand hat dafür Geld bezahlt, niemand verbietet den Kindern, damit zu machen, was sie wollen.

Sehr stolz auf ihre Kinder sind Erzieher und Eltern nach der Vorstellung. „Was braucht ein Kind wirklich?“ werden die jungen Schauspieler in der Diskussionsrunde anschließend gefragt. „Geld“ ist nicht unter den Antworten, wohl aber brauchen sie: Spielen, Liebe, Kuscheln, Eltern und Geschwister, Ferien — und sogar Bildung zum Glücklichsein — sagen die Kinder.

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