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Was Nürnberger so alles horten – NZ

18. Januar 2013

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Was Nürnberger so alles horten – oder was nicht

Jeder zehnte Deutsche opfert die Hälfte seiner Wohnung für Krimskrams

Nürnberg  – Sammeln, bis sich die Schränke wölben: Jeder zehnte Deutsche opfert ein Drittel bis die Hälfte seiner Wohnung für allen möglichen Krimskrams, von dem er sich nicht trennen kann. Das ergab eine repräsentative Studie des Nürnberger Unternehmens immowelt.de. Die NZ hat bei ein paar Nürnbergern nachgefragt, was sie so alles aufheben: Die Wohnungen der Deutschen sind voll: Sieben Prozent der Befragten, gaben an, zwischen 31 und 40 Prozent des Wohnraums für ihr persönliches Kleinkram-Sammelsurium zu brauchen. Bei drei Prozent überzieht es sogar bis zu 50 Prozent der Wohnung.

Egal, ob Menschen in einer kleinen Einraumwohnung oder einem großzügigen Loft leben – die anteilige Fläche, die sie für ihren Krimskrams vergeuden, bleibt stabil. Bei 41 Prozent der Befragten ist das immerhin bis zu einem Zehntel der gesamten Wohnfläche. Doch es geht auch anders: Jeder Fünfte greift konsequent ein, sobald sich zu Hause der Plunder türmt und mehr als fünf Prozent der Wohnung in Anspruch nimmt.


Dazu gehört unter anderem Michael Diefenbacher, Chef des Nürnberger Stadtarchivs. Beruflich ist seine „Hauptaufgabe zu entscheiden, was aufbewahrenswert ist“, sagt er. „Aber im privaten Bereich werfe ich leidenschaftlich gerne Dinge weg.“ Besonders schwer tue er sich aber, wenn es darum geht, sich von Büchern oder von Gegenständen, die ihn an geliebte Menschen erinnern, zu verabschieden. „Meine Mutter ist 1978 gestorben. Sie hinterließ mir Unterlagen und Gegenstände, die sie im Zweiten Weltkrieg während ihres Einsatzes als Krankenschwester in Norwegen bei sich hatte. Darunter ist eine Puppe und eine Holzschnitzerei, vermutlich ihres Vaters, die einen Bären zeigt. Davon kann ich mich nicht trennen.“

Wenn Diefenbacher doch einmal Bücher loswerden muss, weil das Regal aus allen Nähten platzt, legt er sie an Plätzen ab, wo Menschen sie mitnehmen können. Haushaltsgeräte oder Möbelstücke bringt er zum Gebrauchtwarenhof.

Bei den meisten Deutschen finden sich die gleichen Dinge in der Wohnung. Mit 47 Prozent hängt ihr Herz am meisten an Schallplatten und Kassetten, 46 Prozent bewahren ihre Reisesouvenirs auf und sogar alte Schulunterlagen finden bei 37 Prozent noch Platz. Doch nicht nur Nostalgiker heben gerne Dinge auf. Beliebt ist auch Kram, von dem man glaubt, ihn irgendwann einmal wieder gebrauchen zu können. Reparatur- und Ersatzteile geben 26 Prozent an, und sogar nicht mehr funktionierende Elektrogeräte finden bei elf Prozent der Befragten noch einen Platz.

In diesen Zahlen findet sich auch Hubertus Hess wieder. Der Nürnberger Künstler verarbeitet in seinen Werken häufig Alltagsgegenstände oder Müll und hat im vergangenen Jahr Beiträge zu einer Ausstellung zum Thema Sammeln geliefert. „Ich hebe generell zu viel auf“, sagt er. „Das liegt wohl in meinem Naturell. Mein Vater warf wenig weg, meine Mutter, inzwischen im Altenheim, hebt auch immer noch alte Zeitungen auf.“ In seinem Atelier habe er überall kleine Depots mit Dingen, die vielleicht mal in ein künstlerisches Werk einfließen. „Die Übergänge ins Private sind aber fließend“, sagt er. „Ich habe immer noch Tonbänder, auf denen ich den ,Club 16‘ (eine Kultradiosendung des BR, Anm. d. Red.) aufgenommen habe. Die höre ich sogar ab und zu noch.“

Seine Platten kommen nicht mehr so oft zum Einsatz, aber trennen kann er sich von den Beatles, Yes oder Eric Clapton dann doch irgendwie nicht. Er sei kein zielgerichteter Sammler, vielmehr kann er sich von einzelnen Dingen faszinieren lassen. Auch er schenke Dingen in seiner Wohnung Platz: „Ich bin jemand, der so manches in die Ecke schiebt und abwartet. Das kann auch einfach nur ein Zeitschriftenstapel sein, der dann doch irgendwann in den Müll wandert.“

„Man müsste rigider im Wegwerfen sein“

Ja, eigentlich müsste man rigider in Sachen Wegwerfen sein, ermahnt er sich selbst. „Natürlich habe auch ich ein, zwei Hosen im Schrank, von denen ich hoffe, eines Tages noch einmal hineinzuwachsen.“ Und ein alter Trenchcoat seines Vaters wurde erst kürzlich begeistert von einem seiner Freunde adoptiert. Hess ist damit übrigens keine Exot: Zu eng gewordene Kleidungsstücke hängen noch bei 23 Prozent der Studienteilnehmer im Schrank.

Johanna Zwinscher ist Architektin von Beruf und hat den Umsonst-Laden in Gostenhof gegründet. Dort dürfen Menschen vorbeibringen, was sie nicht mehr brauchen – ihre Schallplattensammlung zum Beispiel – und andere, die Bedarf haben, dürfen sich etwas mitnehmen. So bleiben die Sachen vor dem Wegwerfen bewahrt. Johanna Zwinscher war einst eine leidenschaftliche Aufheberin. „Ich habe alles gesammelt, was man nur sammeln kann“, sagt sie. „Pflanzen, Stofftiere, Aufkleber, Briefmarken, Versteinerungen.“

Irgendwann, als Johanna Zwinscher von zu Hause ausgezogen ist, hat sie sich gegen das Sammeln entschieden. „Ich sammle nicht einmal mehr Bücher. Nur noch Gebrauchsgegenstände, so etwas wie Gläser zum Beispiel. Oder Kleidungsstücke, die ich mir auf Reisen kaufe. Das sind schöne Erinnerungsstücke.“

 

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