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Was ist deutsch? – NN

7. Dezember 2010

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Schoppershof  – Premiere in der Bismarckschule: Siebtklässler führten das Theaterstück „Jonas — der Künstler bei der Arbeit“ auf. Die jungen Darsteller haben in der zweiwöchigen Vorbereitungszeit mehr gelernt, als den Text für ein Bühnenspiel. Es ist besser, erst nach der Aufführung mit den Jungschauspielern das Gespräch zu suchen. „Dann ist die Aufregung auch etwas verflogen“, sagt Jugendsozialarbeiterin Lena Bergen. Das Lampenfieber ist durchaus berechtigt, denn die Siebtklässler mit Migrationshintergrund schlüpfen heute in die Rollen des Theaterstücks „Jonas — der Künstler bei der Arbeit“. Im Publikum sitzen erst morgen Schüler der Bismarckschule, heute sind die Zuschauer etwas reifer — unter ihnen auch die stolzen Eltern.

Die Aufführung dreht sich um die Hauptperson Jona, der am Anfang seiner künstlerischen Karriere steht und eigentlich ein Bild zu Ende malen möchte, wären da nicht teils ungebetene Gäste, die in seiner Wohnung Platz nehmen und ihn vom Arbeiten abhalten. Das Stück stammt zwar nicht aus der Feder von Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak, doch er hat das Bühnenspiel abgeändert, um den Schülern erste Schauspielerfahrung zu verschaffen und sie vor allem Deutschlehrer spielen zu lassen: Jede Szene dreht sich um einen anderen Schwerpunkt der deutschen Sprache wie Präpositionen und zusammengesetzte Namenwörter. Immer wieder ist das Publikum gefragt, die Schüler auf der Bühne tatkräftig zu unterstützen. Beispielsweise sollen die Zuschauer klatschen, wenn eine Wortverwandtschaft vorliegt.


Ein erster Schritt
Drozak ist nach der Darbietung sichtlich gerührt, seine Schützlinge haben ihre Aufgaben mit Bravour gemeistert: „Mir wären fast die Tränen gekommen. Wenn noch jemand behauptet, dass Hauptschüler mit Migrationshintergrund nichts können, soll er zu uns kommen. Wir beweisen denen gerne das Gegenteil und geben ihnen Deutschunterricht.“

Schulleiter Peter Weidner möchte erst gar nicht die Lorbeeren für das Theaterstück an seiner Schule für sich beanspruchen. Lieber verweist er auf seine Stellvertreterin Monika Ettl, die das Stück in die Aula der Bismarckschule geholt hat. Ettl: „Es gab schon Aufführungen an anderen Schulen und ich war der Meinung, dass es auch in unserem Haus ein Erfolg wird.“

Die Uraufführung war nur der erste Schritt, fortan soll die gesamte Schule profitieren: „Zu dem Stück gibt es ein Arbeitsheft, mit dem wir fortan in allen Klassenstufen arbeiten werden. Wir haben viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Die Schüler sollen sehen, dass es nicht langweilig ist, sich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen.“ Im Gegenteil. Alle neun Schüler fanden die Vorbereitung für das Stück „schön, aber auch anstrengend“. In den zwei Wochen drehten sich die Tage für die Siebtklässler aber nicht nur um Übungen und Proben. Gemeinsam mit Drozak besuchten sie etwa den den Verein CVJM und das Rathaus. „Wir wollten erfahren: Was ist eigentlich typisch deutsch?“, fragt Drozak. Doch bei jeder Station entdeckten die Schüler Einflüsse von anderen Kulturen. „Die Sprache ist nur der Schlüssel zur Integration. Unsere Schauspieler sollen ihre Mitschüler zu diesen Orten bringen, um ihnen die deutsche Kultur näherzubringen.

Die Jugendlichen sollen anfangen, sich damit zu identifizieren“, wünscht sich Ettl. Bei den neun Darstellern scheint dies angekommen zu sein: Manche hängen zwar noch an den Herkunftsländern ihrer Eltern, doch alle versichern, sich in Deutschland heimisch zu fühlen. 

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