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Wärme, Geborgenheit, Liebe PNP

2. September 2016

HerzwerkerFünf verbeulte Milchkannen, acht Teenager, die sich vorher nicht kannten, fünf Erwachsene mit Sozialberufen und ein salopper Moderator. Fertig sind Büh nenbild und Besetzung einer bestaunenswerten Theater-Mixtur aus Talkshow und Sketchen mit dem ebenso kreativen wie rätselhaften Titel „Playback Herzwerker“.

Am Donnerstagabend wurde sie in der Niedernburger Theater-Aula auf die Bretter gebracht. „Es ist immer wieder Apfelmus“, „Der Wettkampf“, oder „5 Jahre und schon Astronautin“. Ebenso skurril wie der Obertitel schienen auch die Einzelsketche wirr und drollig benannt. Eine Woche zuvor noch hatte es sie nicht gegeben.

Denn in emsiger Kleinarbeit bastelten sie vier Schülerinnen aus der Gisela-Realschule, ein Bub und Mädchen aus der Don-Bosco-Schule für Körperbehinderte und zwei Buben aus der Mittelschule Salzweg zusammen: Federführend dabei der Theaterpädagoge und Projektleiter Jean-Francois Drozak, der  unterstützt von Sozial und Gesundheitsministerium – seit Jahren durch die Lande tourt und bereits an vielen Schulen gastierte.

Gemeinsamer  Handlungskern waren leibhaftige Geschichten aus dem Leben von Personen mit Sozialberufen. Und genau das war die thematische Klammer: beruflich für den Menschen da sein zu wollen, in all seinen Schwächen, Nöten und Gebrechen. „Herzwerker sind Menschen, die mit dem Herzen an die Arbeit gehen, … denen es Spaß macht, anderen mehr Lebensqualität und Lebensfreude zu vermitteln, ihnen Perspektiven zu eröffnen, sie zu fördern und zu begleiten“, erläuterte der Niedernburger Schulleiter Rudolf Nerl in einer Vorrede den Wesenskern des Projekts, dessen Ziel auch als Rekrutierung von Auszubildenden für Sozialberufe definiert werden kann. Nerl: „Menschen, die hier arbeiten, schenken Wärme, Geborgenheit, Liebe, ohne die niemand existieren kann und die eine Gesellschaft erst erlebenswert machen.“

Doris Stankewitz von der Aidsberatung Niederbayern, Erzieherin Gisela Schmeizl vom Kindergarten Obernzell, Altenpflegerin Christine Wolf vom Passauer Seniorenstift und die Sozialpädagogen Claudia Braumandl und Frederic Müller vom Don-Bosco-Förderzentrum für Körperbehinderte erzählten in einer gespielten Talkshow vom erfüllenden Berufsalltag, von Einzelerlebnissen, die sich im Gedächtnis festgekrallt hätten.

Autistische Kinder beispielsweise, Demenz- oder Alzheimerkranke, lerneifrige Vorschulkinder, HIV-Positive oder Pflegebedürftige waren dann die Hauptakteure, gespielt von den acht agilen Teenagern. Sorgen, Nöte und menschliche Defizite wurden greifbar, aber auch die Notwendigkeit, Hilfe er- teilen zu müssen.

Und genau das stifte Lebenssinn. „Den Menschen Trost zu schenken, sie in vertrauensvolle Kontakte einzubinden, sie trotz ihrer Alterseinschränkung ernst zu nehmen, das bringt Erfüllung“, sagte beispielhaft Christine Wolf. Und Moderator Drozak ergänzte: „Wir geben damit den alten Leuten ein bisschen etwas von dem zurück, was sie für unser Bayern als Trümmerfrauen oder Mütter geleistet haben.“ Und ein bisschen auch von dem häufig gehörten,  Jugendliche meist nur nervenden Absicht: „Ihr sollt es einmal besser haben als wir.“

Dass es in vielen Sozialberufen keinerlei Angst vor Arbeitslosigkeit gebe, der Bedarf an Pflegekräften in einer alternden Gesellschaft vielmehr stets ansteige, es mehr freie Stellen für Erzieher gebe als Ausgebildete, das sichere Zukunft. Eine Zukunft, die auch in den Händen der Kinder liege. Jean-Francois Drozak im Gespräch mit Erzieherin Gisela Schmeizl: „In der Erziehung geht es nicht um einen Audi RS 5 oder einen 7er BMW, sondern um das Wertvollste, was Bayern hat, nämlich um unsere Kinder“. Der Beifall des Auditoriums – darunter unter anderen der stellvertretende Landrat Klaus Jeggle, Salzwegs Bürgermeister Josef Putz und Bürgermeisterin Erika Träger – war dieser Botschaft gewiss.

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