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Viva statt Fifa – die NZ-Kolumne

20. Dezember 2014

Wladir lebt in Balneario Camboriu. Neben den üblichen Angeboten in einem Fitnesszentrum, bietet er sich als „Personaltrainer“ an. Wohlhabende Rentner können in Einzelstunden ihren Körper kräftigen. Das Fitnesszentrum hat der 37-Jährige mit seiner Frau gemeinsam aufgebaut. Sie teilen sich die Öffnungszeiten von 7 Uhr bis 24 Uhr. Katja übernimmt die erste Hälfte des Tages, während er sich um ihr gemeinsames Kind kümmert. „Die einzige gemeinsame Zeit verbringen wir beim täglichen Mittagessen. Im Alltag sehen wir uns also kaum. Daher ist es für unser Familienleben wichtig, an manchen Wochenenden zu schließen und herauszufahren“, sagt er.

Solche Wochenenden verbringt er mit seiner Familie an den schönsten Stränden St. Catharinas. Das Surfparadies Florianopolis meidet er. Die Anreise für nur ein Wochenende ist zu anstrengend, weil die Halbinsel in der Hochsaison überlaufen ist. Südlicher, an der Grenze zu Rio Grande do Sul, ist es günstiger und weniger touristisch.
Nach seinem Sportstudium in Curitiba zog er weg aus der Stadt. Curitiba genießt aus seiner Sicht einen Ruf, der ihr nicht mehr gerecht wird. Seit den neunziger Jahren gilt sie als die europäischste aller brasilianischen Städte. Während andere Großstädte im Verkehrschaos zu versinken drohten, investierte die Stadtverwaltung unter anderem in eine gut funktionierende öffentliche Verkehrsanbindung. „Curitiba machte vor, was andere nicht hinbekamen. Die Stadt war gut organisiert und prahlte auch damit. Das zog zu viele Menschen an. Heute ist das Chaos zurück. Die Stadt ist mit der steigenden Einwohnerzahl überfordert und hat die dritthöchste Kriminalitätsrate des Landes. Ich wollte einfach nur noch weg“.

Mittlerweile gilt im Ranking Brasiliens Balneario Camboriu als die Großstadt mit der besten Lebensqualität. Mini-Rio nennt Wladir seinen neuen Wohnort, eine Metropole am Meer. Und tatsächlich kann man dort Copa-Cabana- und Großstadtflair in überschaubarer Größe genießen.

Als Sportwissenschaftler praktiziert Wladir zahlreiche Sportarten. Obwohl er Fußball über alles liebt, befürwortet er die Fußballweltmeisterschaft nicht. „Die anstehende WM kostet dem brasilianischen Steuerzahler das Doppelte von den in Deutschland und Südafrika gemeinsam stattgefundenen. Wie kann das angehen?“, fragt er sich. Er hat dafür nur eine Antwort: „Korruption.“

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