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Viva statt Fifa – Die NZ-Kolumne

10. Dezember 2014

„Wer sich nicht auffällig verhielt, der hatte nichts zu befürchten. Bei uns zuhause ging es strenger zu. Meine damalige Frau war autoritärer als der einfache Soldat auf der Straße“, sagt Pedro. Der 65-Jährige sitzt in seinem Stammcafé. Als pensionierter Finanzbeamter hat er viel Zeit. Er betrachtet gerne die vorbeigehenden Menschen. Manchmal lädt er den einen oder anderen auf ein Getränk ein.

Er ist in Porto Alegre aufgewachsen und hat seinen Stadtteil nie verlassen. Hier ist ungewöhnlich viel Polizei und Militär präsent. „Dieser Stadtteil ist nicht gefährlicher als andere. In unserem Stadtteil sind einfach viele Einrichtungen des Militärs und der Polizei.“

Rund um die Casa de Cultura Mario Quintana und den umliegenden Bars patroullieren sie mit leichten Maschinenpistolen. An wichtigen Gebäuden stehen sie Wache, manchmal das Militär, manchmal die Militärpolizei.

„Ich habe keine Angst vor der Militärpolizei. Sie heißt nur so, weil sie wie das Militär organisiert ist. Sie und die Militärfeuerwehr sind keine Erfindungen der Diktatur. Es gab sie schon, als Brasilien noch eine portugiesische Kolonie war. Der König hielt damals alle Hebel der Macht in den eigenen Händen.“, sagt Pedro

Drill und absoluter Gehorsam sind Bestandteile der Ausbildung bei der Militärpolizei. Die von Polizisten begangenen Gesetzeswidrigkeiten werden vor eigenen Gerichten verhandelt. Bürgerrechtler sehen das kritisch. Jorge Barbosa ist Leiter des Instituts „Observatório de Favelas“: „Die Ausbildung der Polizei ist militärisch. Und über Polizisten sollten Zivilgerichte urteilen. Das sind zwei von weiteren Aspekten, die die Nähe zum Volk und seinen demokratischen Organen gewährleisten. Statt Drill sollte jeder Polizist lernen, nach eigenem Gewissen zu handeln, auf Grundlage der brasilianischen Verfassung. Im Zweifelsfall sollte ein Polizist einen Befehl verweigern können. Drill hat in einer Demokratie keinen Platz.“

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