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Viva statt Fifa – Die NZ-Kolumne

1. Mai 2015

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Florianopolis gehört heute zu den besten Austernzuchtgebieten der Welt. Als es vor etwa 15 Jahren auf der Insel mit der Fischzucht nicht gut aussah, entschied man sich für ein Experiment mit lukrativen Erfolgsaussichten. Das Gewässer vor der über 30 Kilometer langen Insel ist ideal für den in Aquakultur gezüchteten Leckerbissen. Floripas Exportaustern sind ein gutes Beispiel für die Innovationskraft Brasiliens.


Philippe und Natascia leben und arbeiten gerne auf der Insel. Die beiden Mitzwanziger haben sich an diesem Nachmittag eine Auszeit von der Arbeit genommen. Sie sind zur Südküste zum Matadeiro-Strand gefahren. Die leidenschaftlichen Surfer genießen heute die besonders hohen Wellen. Das Ehepaar betreibt gemeinsam eine radiologische Praxis. Natascia ist Ärztin. Nach ihrem Studium in Sao Paulo hat sie auf ihrer Lieblingsinsel eine eigene Praxis eröffnet. Phillipe geht ihr dabei zur Hand: „Ich bin Mädchen für alles, von der Verwaltung bis zur Abrechnung mit den Krankenkassen. Heute Nachmittag haben wir aber ein Schild an der Praxistür gehängt: ,Wegen Surfausflug geschlossen‘.“
Das Paar gehört zu einer neuen Generation gut ausgebildeter Fachkräfte. Im Gegensatz zu ihren Eltern können sie frei entscheiden, welcher Stellenwert Arbeit in ihrem Leben haben soll. Ihre Eltern mussten bis zu 12 Stunden am Tag arbeiten. Die hohe Inflation vor zwanzig Jahren tat ihr Übriges. Selbst für Selbstständige gab es damals kaum Spielraum für flexible Arbeitszeiten.

Natascia weiß von ehemaligen Studienkollegen, die im Gegensatz zu ihr auf ein großes Auto oder ein tolles Haus hinarbeiten. Ein spontaner Surfnachmittag unter der Woche ist für sie kaum möglich. „Ich bin wegen den paradiesischen Stränden nach ,Floripa‘ gezogen. Uns reicht eine kleine Wohnung. Die Natur ist unser zweites Wohnzimmer“, sagt sie.
Florianopolis Strände sind unter Surfer bekannt. Die Insel wird in den Sommermonaten von Touristen aus ganz Südamerika überrannt. Im Norden der Insel gab es in den letzten Jahren einen regelrechten Bauboom. Hotels wurden gebaut. Wohlhabende Rentner genießen hier ihren Lebensabend. Brasiliens „upper class“ hat die Insel für sich entdeckt.
Joao Barinelli handelt mit Immobilien. In den letzten sieben Jahren haben sich die Grundstückspreise verdreifacht. Die Nachfrage steigt. Allerdings kann er sich nicht daran erinnern, es je mit Bauspekulanten zu tun gehabt zu haben. Seine Kunden sind zumeist wohlhabende Paare, die sich den Traum eines Ferienhauses erfüllen.

Im Süden ist von diesem Bautreiben nichts zu spüren. Natascia und Phillipe sind lieber am Matadeiro, als an den Nordstränden. Hier trifft sich die alternative Surfszene. Keine Autostraße führt hin, den Rest muss man zu Fuß gehen. Er ist von Hügeln umgeben, auf das kein Hochhaus gebaut werden kann. Ob Surfer der Fußballweltmeisterschaft entgegenfiebern? Junior betreibt zwei Geschäfte, einen Gemüseladen und ein Restaurant. Der 24-Jährige war sofort mit von der Partie, als Philippe ihn heute anrief. Seine Angestellten kommen auch ohne ihn klar, sagt er. Junior mag Fußball nicht, weil dieser Sport im Gegensatz zum Wellenreiten reiner Kommerz sei: „Die Menschen haben mit der WM in diesem Jahr endlich begriffen, dass das Phänomen Fußball sie von den eigentlich wichtigen Themen ablenken soll. Jetzt gehen sie auf die Straße, ich ebenfalls.“

Die Regierung behauptet, der Wohlstand in der Bevölkerung sei gestiegen. Begründen kann sie dies mit der wachsenden Zahl an Privathaushalten, die Fernseher, Kühlschrank und Waschmaschinen besitzen. Doch die meisten Haushaltsgeräte gehören den Banken, weil in Raten gekauft. „In den USA und in Spanien platzten die Immobilienblasen, bei uns wird es nur für lächerliche Fernseh- und Kühlschrankblasen reichen“, meint Junior sarkastisch.

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