& Der BarfreitagNordkurve - Aktuell
Der Barfreitag pausiert bis Okt. 14

1. August 2013


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Wir wollen scheitern dürfen. Wir wollen aufhören dürfen. Wir wollen uns nicht vermarkten müssen. Wir wollen uns zurücknehmen dürfen. Wir wollen andere ermutigen, sich selbst zu engagieren. Wir wollen fehlen dürfen. Wir wollen uns ausruhen.

Kulturpolitisch betrachtet schafft die Stadt Nürnberg seit vielen Jahrzehnten mit eigenen Kultureinrichtungen und der Förderung von Initiativen einen Rahmen für bürgerliches Engagement. Soziokulturelle Plattformen und Einrichtungen bieten Raum für das Erleben der Kreativität jedes Einzelnen – und lassen auch Platz zum Scheitern.

Seit einigen Jahren bieten nun auch Freischaffende im Rahmen ihrer Möglichkeiten Spielwiesen für soziokulturelle Aktivitäten.
So haben auch wir unser Projektbüro zur kreativen Spielwiese für Interessierte und Kulturbegeisterte umgestaltet. Die Büroatmosphäre wich einem Begegnungsort, der seither Inspirationsquelle für zahlreiche Akteure wurde. Das, was die Stadt Nürnberg mit ihren Kultureinrichtungen seit vielen Jahren gelingt, erleben wir nun im Kleinen.

Immer wieder bekamen wir Angebote, den florierenden Showroom zu vermarkten. Allerdings entspricht das nicht unserem Denken. In dem Moment, in dem ein  Kulturkonzept gewinnbringend ausgebaut wird, darf es nicht mehr scheitern. Die Möglichkeit zu scheitern ist aber eines der wichtigsten Merkmale für Kreativität und Begegnung.

Besonders inspiriert hat mich das Engagement von Stefanie Dunker. Sie beweist seit einigen Jahren für das Amt für Kultur und Freizeit, welche Wirkungskraft der soziokulturelle Ansatz auf die Entwicklung eines Stadtteils wie Muggenhof haben kann. Sie koordiniert und initiiert Begegnungen zwischen Menschen eines Stadtteils und schafft darüber hinaus mit Unterstützung vieler, Orte der Begegnung.

Wir denken nicht, der Showroom Nordkurve wäre eine bessere, eine vielleicht liberale Alternative zu subventionierten Kulturinstitutionen. Vielmehr schätzen wir diese Einrichtungen mehr denn je,  da sie einem großen Teil der Bevölkerung die Gelegenheit für soziokulturelle Erfahrungen bieten.

Der Showroom Nordkurve ist keine Institution und wir wollen ihn auch nicht als solche einrichten.  Unser Showroom wirkt im Sinne eines „zweiten Wohnzimmers“ im „halb-öffentlichen Raum“. Diese InOff-Kultur ist gerade für Menschen attraktiv, die sich in Vereinen nicht langfristig organisieren wollen und sich selbst nur punktuell engagieren. Sie kommen aus unterschiedlichen kulturellen Milieus. Sie wollen gestalten statt konsumieren. Viele kommen als Skeptiker, erleben in der Nordkurve im Kleinen, was sie im Großen vermissen: Partizipation, Teilhabe und Solidarität. Allerdings, es ist auch so: In einem „Wohnzimmer“ ist es einfacher an einem Geschehen teilzuhaben als in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen.

Der Erfolg unserer Kulturarbeit in der Nordkurve könnte uns aber bald im Wege stehen. Manche beginnen, den Showroom als etablierte Institution zu begreifen. Der Erfolgsdruck steigt mit jeder gut angenommenen Veranstaltung. Das ist nicht in unserem Sinn. Wir haben uns daher entschieden, ab Herbst 2013 die Nordkurve für mindestens ein Jahr auszusetzen.

Wir wollen scheitern dürfen. Wir wollen aufhören dürfen. Wir wollen uns nicht vermarkten müssen. Wir wollen uns zurücknehmen dürfen. Wir wollen andere ermutigen, sich selbst zu engagieren. Wir wollen fehlen dürfen. Wir wollen uns ausruhen.

Und so möchten wir uns herzlichst für das Engagement der vielen Mitwirkenden in der Nordkurve bedanken. Wir hoffen auch zukünftig auf ihr weiteres Engagement, um damit unserer Stadt weitere Impulse zu geben.

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