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Umsonst – nicht nur zu Weihnachten – NN

26. Januar 2013

Johanna

GOSTENHOF   – Wohin mit Sachen, die wir nicht mehr brauchen, aber zu gut sind, um sie einfach wegzuwerfen? Eine Möglichkeit ist der Umsonstladen in Gostenhof. Seit Juni 2008 erfreut er sich großer Beliebtheit. Was sich in dieser Zeit alles getan hat, darüber sprach der Stadtanzeiger mit der Gründerin Johanna Zwinscher (32).

Frau Zwinscher, warum braucht Nürnberg einen Umsonstladen?
Johanna Zwinscher: Nürnberg braucht eigentlich nicht nur einen Umsonstladen, sondern ganz viele — am besten in jedem Stadtviertel einen. Jeder hat viele überflüssige Sachen, die er aussortiert und einfach wegwirft. Das ist schade, denn andere Leute könnten sie noch benutzen. Außerdem entsteht dadurch viel Müll, der nicht sein müsste.

Welches Konzept steckt hinter dem Umsonstladen?
Zwinscher: Es basiert auf einem Geben und Nehmen. Aber man muss natürlich nichts bringen, um was mitzunehmen — oder umgekehrt. Wir freuen uns, wenn jeder den Laden als Tauschbörse nutzt und nicht nur die Armen etwas mitnehmen. Jeder, der etwas vorbeibringt, sollte sich im Laden umschauen, ob er was gebrauchen kann.

Wie funktioniert die Tauschbörse?
Zwinscher: Jeder Besucher darf in der Regel drei Teile mitnehmen. Momentan haben wir eine Weihnachtsaktion. Da kann jeder so viel Kleidung und so viele Bücher einpacken, wie er möchte. Vorbeibringen kann man so viele Dinge, wie eine Person tragen kann.

Was hat sich seit der Eröffnung des Ladens alles getan?
Zwinscher: Es ist enorm, dass er sich schon so lange hält, denn bei der Miete sind wir auf Spenden angewiesen. Was wir wirklich geleistet haben, ist ein vierköpfiges Leitungsteam und einen festen Kern an ehrenamtlichen Mitarbeitern aufzubauen, die Spaß an der Arbeit haben. Wir haben gemerkt, dass sich der Laden in der Stadt herumgesprochen hat. Viele kommen aus anderen Vierteln hierher, manche sogar aus dem Nürnberger Umland.

Was sind die Renner im Umsonstladen?
Zwinscher: Kleidung geht immer sehr schnell weg. Stark nachgefragt sind auch Elektroartikel, wie Fernseher oder Radio, aber auch Geschirr, Besteck und Bettwäsche.

Und die Ladenhüter?
Zwinscher: Seltsame Dinge, von denen man nicht genau weiß, was sie sind. Aber auch Old-School-Sachen bleiben meist ewig im Laden. Wir hatten bis vor kurzem schmiedeeiserne Kerzenständer. Die standen bestimmt ein halbes Jahr lang bei uns herum.

Der geschönte Armutsbericht der Bundesregierung zeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht. Spüren Sie das auch im Umsonstladen?
Zwinscher: Gostenhof ist kein reicher Stadtteil. Wir haben jeden Samstag über 50 Besucher. Überwiegend handelt es sich dabei um Nachbarn, die eben wenig Geld haben. Diejenigen, die Sachen vorbeibringen, sind meist ältere Ehepaare, die ihren Keller ausgemistet haben. Ein gewisses Arm-Reich-Gefälle existiert. Das liegt vielleicht auch an unseren Öffnungszeiten. Junge Leute schlafen zu dieser Uhrzeit noch. Für sie veranstalten wir am Freitagabend Tauschpartys, die stets gut besucht sind. Wir haben somit eine ausgewogene Klientel, aber nicht zu den regulären Öffnungszeiten.

Was sind Ihre Ziele für den Umsonstladen in den nächsten fünf Jahren?
Zwinscher: Mehr treue Spender, denn die Jesus Freaks unterstützen uns noch immer bei der Miete. Und wir wollen, dass unser Laden ein Begegnungsort wird, wo sich die Menschen aus dem Viertel treffen und miteinander ins Gespräch kommen.

Infos:
Der Umsonstladen liegt in der Rothenburger Straße51a und hat samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

 

 

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