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Typisch Nürnberg? – Deutsche Bahn mobil

15. Juli 2015

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Typisch Nürnberg? Für viele sind das die Burg, Albrecht Dürer, Drei in Weckla, das Reichsparteitagsgelände, der Klub und unser Christkindesmarkt. Mir gefällt allerdings vor allem die Verbindung von Mittelalter und Moderne: Schlendert man durch die Altstadt, trifft man auf übliche Ladenketten in Neubauten, Nürnberg Kunsthandwerker im Fachwerk, eingerahmt von Tattooläden und Nürnberger Besonderheiten wie einem ausschweifenden Bronzebrunnen, dem „Ehekarussel“.


Wie sehr ich im Herzen Nürnbergerin bin, habe ich gemerkt, als ich ein freiwilliges Jahr in Mecklenburg-Vorpommern verbrachte. Da wurde meine Heimat erst begehrenswert. Deshalb wollte ich „daheim“ etwas Eigenes aufbauen, an die Tradition von Nürnberg als Handwerks- und Handelsmetropole anknüpfen. Auf dem Christkindesmarkt  lernte ich einen Stempelmacher kennen.

Er brachte mir in vielen Lehrgängen bei, metallene Stempel und Siegel herzustellen, die ich mittlerweile in meinem  eigenen Laden verkaufe, dem „Walfisch“. Hier gibt es nur Produkte zu kaufen, die vor Ort hergestellt worden sind.

Für mich bedeutet Nürnberg ein Stück Freiheit: Im Stadtkern erreicht man alles zu Fuß, mit dem Rad oder den Öffentlichen. Die Konkurrenz zwischen Nürnberg und Fürth finde ich mittlerweile albern. Seit Jahre kämpft man in Fürth gegen eine Eingemeindung. Für alles in Nürnberg gibt es ein Pendant in Fürth, beide Städte sind völlig eigenständig. Genau wie Erlangen, das mir persönlich zu aufgeräumt ist. Natürlich gibt es Nürnberger, die mit dem Nahverkehr nie weiterfahren als bis zur U-Bahn-Station „Stadtgrenze“. Viele von ihnen sind Fans des 1. FCN. Bitte, wer ‘s nötig hat!

Dabei findet man hier immer weniger Urgesteine. Den waschechten Franken mit seiner weichen Sprach, dem verschlagenen Humor und dem „basst scho“ als höchste Form des Kompliments muss man mittlerweile ernsthaft suchen.

Die Selbstwahrnehmung vieler Einheimischer hat sich weiterentwickelt: Sie sehen sich nicht als Bewohner einer Stadt, sondern als Bewohner von wenigen  Quadratkilometern. Meine liebsten  Quadratkilometer befinden sich in Gostenhof, auch GoHo genant.

Hier, in einem  ehemaligen Bahner – und Arbeiterviertel, befindet sich mein „Walfisch“ in der Nordkurve, aber auch das „Schanzenbräu“, das eigenes Bier braut. Es gibt viele inhabergeführte Läden und den Rochusfriedhof, wo ich am liebsten spazieren gehe und nachdenke. Dass er in Mittelalter entstand und damals bedeutende Nürnberger Kunsthandwerker beherbergte, ist vermutlich kein Zufall.

Charlotte Grunow über Nürnberg.

 

 

 

Charlotte Grunow ist Unternehmerin in Nürnberg. Sie betreibt in der 500 000 – Einwohner  – Stadt  die Onlinepapeterie „ Herz im Sturm“ außerdem mit Freunden den „Walfisch“ und sitzt gern im

„Schanzenbräu“

 

 

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