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Synergie schmeckt – idealisten.net

2. April 2011

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Jean Francois Drozak ist Idealist. Und Kulturschaffender. Und Sozialarbeiter. In den vergangenen Jahren hat er sich eine eigene Agentur aufgebaut, mit der er alle drei Bereiche (Idealismus, Kultur und Sozialarbeit) miteinander verbindet – eine ebenso einzigartige wie erfolgreiche Kombination.

Jean sieht sich selber ganz bewusst in der Sozialisation eines sogenannten 3rd Culture Kids, er ist in seiner Jugend also häufig umgezogen und hat dabei nicht nur Heimat, sondern auch die Kultur gewechselt. Um etwas über die Energiegewinnung der Zukunft lernen, verließ seine Mutter Brasilien und er kam als Kind zunächst nach Belgien, dann nach München. Loslassen und Neuanfang wurden zu prägenden Worten. Als 14 Jähriger kam er in ein Kinderheim, weil seine Mutter schwer erkrankte. In den fünf Jahren, die er dort verbrachte, lernte er soziale Arbeit kennen. Heute ist Jean immer noch das 3rd Culture Kid. Er schafft Dinge, gibt ihnen Freiraum, lässt sie los und fängt wieder von vorne an.

PR und Kultur Hand in Hand
Kunstdünger, die Agentur von Jean Francois Drozak, ist in erster Linie eine PR-Agentur. Das klingt freilich ein wenig seltsam, denn Jean produziert Theaterstücke, organisiert ein ökumenisches Jugendfestival und gibt seine Räume für Ausstellungen her. „PR bedeutet letztendlich, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren“ sagt der Kulturagent. Jean bringt die Menschen sprichwörtlich in den Dialog miteinander und hilft Organisationen, sich mit sich selber auseinanderzusetzen. Es bleibt aber nicht nur beim Kontakt unter vier Augen. Im Geschäftsjahr 2009/2010 besuchten mehr als 10.000 Menschen die verschiedenen Veranstaltungen von Kunstdünger.


Drozaks Konzept von Öffentlichkeit geht aber über einfache Besucherzahlen hinaus. „Ich betreibe partizipative Öffentlichkeitsarbeit. Da kann es gar nicht zu großen Menschenmassen kommen, weil sich die Teilnehmer mit der Veranstaltung identifizieren. Das ist weder meine Veranstaltung, noch die des Auftraggebers. Das ist die Veranstaltung der Menschen. Ich glaube aber, dass sich die Botschaft nach außen ausbreitet, weil die Leute sie weitererzählen und weil Medien darüber berichten.“

Synergie schmeckt
Partizipation ist auch das Stichwort, das erklärt, warum Jean Francois Drozak keinen einzigen bezahlten Mitarbeiter hat. „Synergie schmeckt“ sagt er, und meint damit die Mitarbeiter, die ihm von seinen Auftraggebern oftmals zur Verfügung gestellt werden. „Ich arbeite im Jahr mit 500 Leuten zusammen, keinen von Ihnen bezahle ich und keinem von Ihnen bin ich der Chef.“ Zum einen sind das natürlich Budgets, von denen andere Kulturschaffende nur träumen können. Zum anderen entsteht so eine Art der Zusammenarbeit, die jenseits von Befehl und Gehorsam funktioniert.

Dialog als Königsweg
Jean ist nicht nur Idealist, er ist auch Christ. „Ich sage gern, das ich Christ bin. Und ich mag es gern, nicht wie ein Christ anzukommen.“ Auch hier ist er vom Loslassen und Neuanfangen geprägt. „Für mich ist es wichtig, meine Ausdrucksformen zu verändern. Man kann leicht innerlich sterben, in einer Kultur der Verfestigung.“ Und genau davor hätten die Menschen Angst, sagt er. „Frontale Mission ist in Deutschland nicht notwendig. Die Leute wissen, wer Jesus ist. Frontale Mission findet meist in einer festen Ausdrucksform statt, die den Leuten vermittelt: So ist ein Christ. So musst du sein. Werde wie ich. Aber wer will denn schon so wie ich sein?“

Jean schafft lieber Räume, in denen sich Menschen begegnen können, ohne dass der Schwerpunkt gleich auf diesem Dualismus liegt. Seine Konzepte „Barfreitag“, bzw. die „Nordkurve“ vereinen Jeans Arbeit wunderbar: Idealistische Projekte in den Büroräumen von Kunstdünger. Dort, wo die Rothenburger Straße in Nürnberg einen Knick in südlicher Richtung macht, ist die Nordkurve zu Hause. Das Büro steht aufgrund von Erfolg leer. Jetzt herrscht dort künstlerische Anarchie, Projekte kommen und gehen. Junge Künstler stellen ihre Werke aus, Bands spielen Unplugged-Shows, man kann das Schaufenster mieten und dort in aller Öffentlichkeit Picknicken. Am Freitagabend trifft sich dort das ehrenamtliche Team vom „Barfreitag“. Jeder darf sich mal hinter die Theke stellen und den Abend organisieren. Auch die Gäste kommen und gehen – und legen den Preis für ihre Getränke selber fest.

2011 ist nun das zehnte Jahr für Kunstdünger. Zeit für Veränderung?

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