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Staatsministerium empfängt Playback

19. November 2008

Hans und Franz begehen ein Verbrechen: sie rauchen. Mit zehn Jahren. Und werden von der Polizei erwischt. Noch dazu im Kornfeld bei Muggenhof. Danach sitzen die Buben wie auf glühenden Kohlen. Wird der Schupo sie verpetzen? Die Jahre gehen ins Land, der Franz geht zur Polizei. Und sein Vorgesetzter auf der Wache ist – genau: der Schupo von damals.

Eine Geschichte, die das Leben schrieb. Aufgeführt von Kindern der Preißlerschule, sehr zum Gaudium der Zuschauer. Aber inszeniert nicht von einem Theatermann, sondern vom Hauptakteur persönlich, dem ehemaligen Tabaksünder, der jetzt seinen Ruhestand genießt. Aber Moment mal – Kornfelder in Muggenhof? «Doch, vor 40 Jahren gab es hier noch Acker», erzählen die Zeitzeugen der staunenden Jugend. Und schon wieder ist eine Brücke geschlagen zwischen den Generationen.

Denn darum geht es eigentlich bei der Auftaktveranstaltung im Gemeindehaus der Epiphaniasgemeinde in Muggenhof: Die Kampagne «Ganz jung, ganz alt, ganz Ohr» will junge und alte Menschen einander näher bringen. Auch und gerade, wenn die Alten langsam zur Gebrechlichkeit neigen.Die Kampagne ist in Kooperation des Bayerischen Sozialministeriums mit der evangelisch-lutherischen Kirche entstanden. Entsprechend illuster die Gäste: Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) beklagt, dass heute nurmehr der Aufwand um die alten Mitbürger im Vordergrund stehe – genauso, wie bei den Kindern nur noch der Aufwand zähle. «Wenn wir anders handeln wollen, müssen wir anders denken», postuliert die Sozialministerin. Und das gelte gerade bei Krankheit und Hinfälligkeit, die früher im Drei- bis Viergenerationenhaushalt unter einem Dach mitgetragen und mitgelitten worden waren.In dieselbe Kerbe schlägt auch Landesbischof Johannes Friedrich, wenn er das vierte Gebot zitiert: «Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass du lang lebest und es dir wohlergehe in dem Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird. – Dieses Gebot stellt einen Zusammenhang her zwischen dem Platz, der den Alten gegeben wird, und dem Wohlergehen. Viele Jugendliche kennen allerdings ihre Großeltern nicht mehr. Wer kein Bild vom Alter hat, kann nicht anders, als das Alter abwehren und abwerten.Darum propagiert der Landesbischof neben der Bildung als Anhäufung von Faktenwissen auch die Herzensbildung bei den Jungen. Frau Haderthauer hingegen findet gerade bei den Alten verwirklicht, was die Jungen noch gar nicht haben: nämlich «Distanz, eine Losgelöstheit vom täglichen Kleinklein und Wärme aus erlebtem Leben.Musik kann eine Brücke zwischen den Generationen schlagen. In 20 Jahren werden die Mittelalten von heute von Gruppen wie «Traffic», «Quintessence» oder «The Nice» schwärmen und die Jungen ihren neuesten iPod im Innenohr entsprechend aufladen. Wie sagte Frau Haderthauer so schön: «Ich glaube, Dialog muss zweiseitig sein.»

Reinhard Kalb
19.11.2008

 

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