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Soziale Berufe: Nachwuchssuche mit Theaterkunst – MT

20. Januar 2016

murnauMurnau – Acht- und Neuntklässler der Murnauer Realschule führen Theaterszenen auf, um für soziale Berufe zu werben.
Acht Acht- und Neuntklässer der Murnauer Realschule haben diese Woche auf der Bühne gearbeitet – anstatt die Schulbank zu drücken. Sie beteiligten sich an der Kampagne „Herzwerker“ des Bayerischen Sozial- und Pflegeministeriums. Damit wird um Nachwuchskräfte im sozialen Bereich geworben. Deshalb spielen die Kurzgeschichten auch im Kindergarten, in einer Behinderteneinrichtung und im Altenheim. Interessierte können sich die Szenen, die teils sehr lustig sind, aber auch zum Nachdenken anregen, am Donnerstag, 19. November, um 19 Uhr im Atrium der Schule ansehen.


„Die Veranstaltung wird wie eine Talkshow aufgezogen“, verrät Theater-Regisseur Jean-Francois Drozak im Vorfeld. Neben den Theaterszenen warten auf die Besucher auch Fachleute, die in sozialen Einrichtungen der Region arbeiten und über ihre Erfahrungen und Tätigkeiten berichten. „Mit diesem Gesamtpaket soll den Zuschauern vermittelt werden, wie man sich als Herzwerker während der Arbeit nach ethischen Grundsätzen verhält. Außerdem wollen wir zeigen, dass soziale Berufe nicht nur für Gutmenschen geeignet und zudem krisensicher sind“, fasst Drozak eine weitere Intention der Kampagne zusammen.
Während der Proben gibt er den Schülern, die bei einem Casting vor den Herbstferien unter 42 Bewerbern ausgewählt wurden, zahlreiche Tipps. Es wird viel gelacht, die Stimmung ist entspannt. Ernst wird es erst heute Abend, wenn hoffentlich viele Zuschauer den Weg an die Weindorfer Straße finden. Erst wenn die Laien-Darsteller ihre Vorstellung erfolgreich auf die Bühne gebracht haben, beginnt der Stress: Sie müssen den Lernstoff des verpassten Unterrichts nachholen und zahlreiche Hefteinträge nachschreiben.
„Am Anfang war ich deshalb schon skeptisch“, erzählt Carolina Krüger aus der neunten Jahrgangsstufe. „Aber das ist es auf jeden Fall wert – und hat sich für mich persönlich auch gelohnt. Denn eigentlich wollte ich ja zum Radio – aber jetzt werde ich mich um ein Praktikum in einer Behinderteneinrichtung bewerben.“ Ganz ähnlich erging es Loic Herchenröter. Der Neuntklässler engagiert sich schon seit geraumer Zeit in der Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Kirche. Jetzt, nachdem er Teil der „Herzwerker“-Initiative geworden ist, „kann ich mir gut vorstellen, eine Ausbildung zum Erzieher zu machen“, verrät er.
Und was war Jean-Francois Drozaks Motivation, sich für das Projekt – das an sieben bayerischen Schulen Station macht – zu engagieren? „Ich war selbst ein Heimkind und mein Ziel ist es, den Zuschauern zu vermitteln, dass sich nach der Jugendhilfereform in diesen Einrichtungen vieles zum Positiven verändert hat. Ich habe in der christlichen Einrichtung, in der ich lebte super Erfahrungen gemacht und Heilung erfahren“, so der in Belgien geborene Theater-Regisseur. Ihm ist es auch wichtig, dass der Umgang mit den Menschen in sozialen Berufen eine gewisse Wertschätzung voraussetzt, egal ob diese klein, behindert oder alt und pflegebedürftig sind: „Die Leute, die jetzt in Pflege sind, haben schließlich unser Land aufgebaut.“

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