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Schnapsidee – Kanistersaufen bis ins Koma – MP

20. Oktober 2016

bad königKünstlerisch hochwertig umgesetzt und alltagsnah war das Projekt „Alkoholprävention“, das Jean-Francois Drozak von der Agentur „Kunstdünger“ aus Nürnberg im Auftrag des Landesjugendwerks Bayern in der Realschule Bad Königshofen durchführte.

Die Jahrgangsstufen sechs bis neun nahmen an der eindrucksvollen Performance teil, die anschließend in den Klassen nachbesprochen und diskutiert wurde.

In seiner Einführung in das Thema fragte Drozak nach den Feiergewohnheiten der gerade anwesenden Klasse 9b, in der 14- bis 16-Jährige unterrichtet werden. Wer hat sich gefreut, am 16. Geburtstag ganz legal sein erstes Bier kaufen zu dürfen? Plötzlich darf man das, was vorher verboten war, aber kann man damit auch umgehen?

Es sei wichtig zu wissen, wann die Grenze zwischen Genuss und Missbrauch bei sich selbst und bei anderen überschritten ist, erklärte Drozak. Im Vorfeld waren sieben Schülerinnen und Schüler bei einem Casting ausgewählt worden, um die sechs Szenen darzustellen, in denen es um unterschiedliche Auswirkungen des Alkohols ging.

Rote Karten – Zeit zum Aufhören

Rote Karten, die die Schüler bei den Szenen ziehen durften, signalisierten, ob es Zeit zum Aufhören für sich selbst (rot) oder bei den anderen (gelb) ist. Interessant war, dass viele Mädchen schon bei den ersten Szenen fast alle Karten vergeben hatten, einige Jungen wollten erst bei der fünften Szene die Reißleine für sich selbst ziehen.

16. Geburtstag und sturmfreie Bude – wer wünscht sich das nicht für seine erste Party mit einem legal gekauften Bierkasten? Die entsprechende Szene zeigte, wie Anton seinen ersten Fehler macht und keine zusätzlichen alkoholfreien Getränke besorgt. Lisa, die eigentlich kein Bier trinken wollte, nimmt dann doch eins an, weil die Alternative Leitungswasser hieß. Unterliegt Lisa dem Gruppenzwang, hat sie Liebeskummer oder einfach nur Durst? Whisky, den ein Gratulant mitgebracht hatte, ist auch kein angemessenes Geschenk, er schmeckte zwar keinem wirklich, aber alle wollten hier nicht als Außenseiter dastehen. Alkohol verstärke die Gefühle, wer traurig ist, wird noch trauriger, wer fröhlich ist, wird ausgelassener, machte Drozak klar.

„Ein Stamperl Whisky entspricht acht Schluck Bier“, rechnete er vor, je nach Statur ist man dann schnell „angeheitert“. Wie das aussieht, wussten die Schüler: „Glasige Augen und Unsinn reden.“

Noch mehr Unsinn redeten die Jugendlichen in der zweiten Szene, in der schon mehr Bier konsumiert war, die Jungen taumelten und weder Wärme noch Kälte verspürten. Die Mädchen fühlten sich verpflichtet, bei der „Schnapsidee“ im Wald weiterzufeiern, mitzumachen, um auf die anderen aufzupassen. Das Thema „Kanistersaufen“ durfte nicht fehlen. Um die natürliche Reaktion des Körpers auf zu viel Alkohol zu unterdrücken, wird dabei Wein mit Saft vermischt, das geht sofort ins Blut und „geht ab wie eine Handgranate im Intercity“, wie es Drozak beschrieb.

Was daran schön sein soll, fast besinnungslos auf der Erde zu liegen, das sollten die Zuschauer beurteilen. Ähnliches galt für die nachfolgende Szene, in der die orientierungslosen „Partyleichen“ sich übergeben und die Toilette nicht finden. Die Veranstalterin wird am Ende mit dem Chaos allein gelassen. An der Station Schnaps-Wetttrinken war dann auch bei den letzten Schülern, die ihre rote Karte noch in der Hand hatten, das Ende der Toleranz erreicht.

Tod an der Theke

Flatrate-Partys sind in vielen Städten inzwischen verboten, erläuterte Drozak. Es gab zu viele Alkoholvergiftungen und sogar Todesfälle, beispielsweise starb ein 14-jähriger Schnapskonsument noch an der Theke.

Filmriss und/oder Krankenhaus sind die Folgen des so genannten Komatrinkens. Drozak machte aber noch auf andere Gefahren aufmerksam: Wer betäubt auf der Straße oder in den Büschen liegt, kann nicht nur bestohlen, angemalt oder kahlgeschoren werden, es passieren auch Vergewaltigungen – das gilt für beide Geschlechter, wie die Wirklichkeit zeigt.

Mit den eindrucksvollen Szenen hat die Performance Betroffenheit erzeugt und viel Stoff zum Diskutieren ergeben, was anschließend in den Klassen gemeinsam mit dem zuständigen Lehrer geschah. Die Darsteller waren: Ronja Umhöfer, Antonia Göbel, Leonie Wohlfart, Nico Englert, Yannik Plößl, Eric Hemmerling und Lukas Wasser.

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