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Schlafen für einen guten Zweck – NN

19. Dezember 2011


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Motto der Weihnachtsaktion: “Träume für Nürnberg”

Nürnberg  – Der Künstler Jean-Francois Drozak macht sein Atelier zum “lebenden Adventskalender”: Ab 1.Dezember übernachten in der sogenannten Nordkurve in der Rothenburger Straße Vertreter aus Politik, Kultur und Soziales. Die Weihnachtsaktion unter dem Motto “Träume für Nürnberg” kommt dem Sozialmagazin Straßenkreuzer zugute; auch die Nürnberger Zeitung beteiligt sich daran. Im NZ-Gespräch erklärt der 38-Jährige, wie es zu der Idee kam.

NZ: Herr Drozak, Ihre Aktion ist eine Art lebender Adventskalender – woher kommt die Idee?


Jean-Francois Drozak: Mit dem lebenden Adventskalender halten wir an einer alten Tradition fest. Dieser wollen wir aber eine Bedeutung mitgeben, die gerade auch Weihnachten entspricht: nämlich, dass man sich in dieser Zeit auf Wesentliches besinnen soll. Zugleich verbinden wir das Ganze mit Schokolade. Das soll die Sehnsucht nach Geschenken verkörpern – und die Frage aufwerfen: Wofür sind wir eigentlich heutzutage bereit, auch selbst etwas zu verschenken?

NZ: Daher der Aufruf, den eigenen Schlaf zur Verfügung zu stellen?

Drozak: Genau. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir der Stadt Nürnberg unseren Schlaf schenken wollen. Wir wollen also weg vom Materiellen, vom reinen Konsumdenken und verschenken etwas, das nichts kostet, aber dennoch wertvoll ist.

NZ: Warum gerade den Schlaf?

Drozak: Schlafen hat viel mit Träumen zu tun. Deshalb verknüpfen wir mit unserer Schlaf-Aktion die Frage: Wofür lohnt es sich, für die Stadt Nürnberg zu träumen? Dazu haben wir für jeden Tag im Advent Menschen eingeladen, die eine Nacht im Schaufenster meines Ateliers, der Nordkurve, übernachten.

NZ: War es schwierig, Mitstreiter zu gewinnen?

Drozak: Nein. Wir haben uns selbst gewundert, wie schnell die Nordsuite, wie wir das Atelier nun nennen, ausgebucht war. Einige wollen ausschlafen, weil sie gerade in der hektischen Weihnachtszeit viel zu tun haben. Der Nürnberger SPD-Stadtrat Michael Ziegler plant zum Beispiel ein Kabarett, wir haben auch einen Vertreter des Gesundheitamtes, der Karten spielen will.

NZ: Welche Träume bringen die Protagonisten mit?

Drozak: Das ist unterschiedlich. Der Psychiatrie-Koordinator der Stadt, Heiner Dehner, träumt von einem Nürnberg, in dem man auch noch im Alter viel Lebensqualität hat. Er begründet seinen Wunsch damit, dass er nun auch immer älter wird. Eine Schauspielerin träumt für die Kreativität in der Stadt – die Träume haben also oft mit der Lebenssituation der Betroffenen zu tun.

NZ: Wie werden bei der Aktion Spenden akquiriert?

Drozak: Die Veranstaltung kommt ja dem Straßenkreuzer zugute, unserer Lieblingszeitung. Wir wollen damit vor allem auf den Freundeskreis aufmerksam machen (siehe Kasten links). Wir möchten somit möglichst viele Menschen motivieren, dem Freundeskreis beizutreten und das Projekt zu unterstützen.

NZ: Warum haben Sie sich für Ihre Benefiz-Veranstaltung gerade das Sozialmagazin ausgesucht?

Drozak: Der Straßenkreuzer entspricht unserer Philosophie, die Zeitung aktiviert die Betroffenen. Hier geht es viel um Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen, die Hilfe benötigen, werden nicht einfach finanziell unterstützt. Man gibt ihnen vielmehr eine Arbeit, die in ihre Lebenswelt passt. Das finde ich faszinierend. Auch die Artikel und Fotos sind toll. Wir finden es klasse, dass viele Menschen für das Magazin ehrenamtlich tätig sind, und zwar in allen Bereichen.

NZ: Soll Ihre Aktion provozieren?

Drozak: Auf jeden Fall. Eine Bildhauerin wird Gegenstände von Obdachlosen in Schokolade tauchen, Alltagssachen damit quasi versüßen. Wir wollen schon auch ein wenig provozieren – die Frage aufwerfen, inwieweit Weihnachten armen Menschen wirklich dienlich ist.

NZ: Stellt sich Kunst damit auch einer sozialen Problematik?

Drozak: Ja, wir wollten das Thema Obdachlosigkeit aufgreifen. Ursprünglich sollte die Performance auf der Straße stattfinden. Dann hat uns die Chefredakteurin des Straßenkreuzers, Ilse Weiß, aber darauf aufmerksam gemacht, dass bei uns niemand unter freiem Himmel leben muss. Es gibt in Nürnberg wohnungslose Menschen – aber es gibt in der Stadt zugleich ausreichend Einrichtungen, in denen sie übernachten können. Deshalb haben wir die Idee verworfen. Nun wollen wir für die Stadt träumen.

NZ: Das ist Ihre Weihnachtsbotschaft?

Drozak: Ja, wir wollen alle gemeinsam für die Stadt träumen. Dazu gehört, dass wir nicht einfach einen Status quo aufrechterhalten. Vielmehr soll sich jeder überlegen, was er persönlich dafür beitragen kann, dass es uns allen in der Stadt besser geht.

NZ: Und wie wird die Aktion dann enden?

Drozak: Heiligabend ist noch frei. Wenn jemand bei uns im Atelier feiern möchte, ist er dazu herzlich eingeladen. Wir lassen uns gerne überraschen.

Den Auftakt der Benefizaktion bestreitet die Künstlerin Heike J. Wurthmann: Am Freitag, 25.November, lädt sie unter dem Slogan „Schokolade siegt“ ab 20 Uhr alle Interessenten in die „Nordkurve“, Rothenburger Straße 51a.

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