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Schiedsrichter der eigenen Party – TZ

7. Mai 2010

flaterate

TEMPLIN. Nein, auf sogenannte Flatrate-Partys würden sie nicht gehen, sagen die rund ein Dutzend Oberschüler. Aber trinken unter Freunden schon, sagen sie.

Die Schüler führen ein eigenes Theaterstück auf. „Tube“ heißt es, beschäftigt sich mit „Koma-Saufen“ und soll nicht nur die Laiendarsteller selbst für das Thema sensibilisieren. „Denn Umfragen ergeben immer wieder, dass sich die meisten Jugendlichen nicht vornehmen, bis zur Besinnungslosigkeit zu trinken, sondern die Dynamik in der Gruppe eine große Kraft hat“, weiß Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak.

Er hat das schulische Projekt eine Woche betreut und das Stück mit den Schülern einstudiert. Über sechs Szenen, die den möglichen Verlauf eines anfänglich netten Abends unter Freunden nachzeichnen, der sich dann dramatisch entwickelt, führen die Oberschüler die Zuschauer zu den entscheidenden Fragen: An welcher Stelle der Party würden die Zuschauer selbst aufhören zu trinken und an welcher Stelle würden sie eine andere Person stoppen, noch tiefer ins Glas zu gucken?

Das können die Zuschauer heute im Atrium selbst nach jeder Szene, jeder weiteren Eskalation der Trinkerei, mit einer roten oder gelben Karte, die auf die Bühne geworfen werde, wie Schiedsrichter klarstellen“, erklärt Pädagoge Drozak.

Die 14-jährige Ulrike Jung, die auch im Stück mitspielt, sagte gestern bei einer Probeaufführung, dass ihre Mitschüler und sie auch eigene Ideen und Erlebnisse einfließen lassen konnten. „Das Grundgerüst hat Jean mitgebracht. Aber während wir die Szenen einstudiert haben, haben wir uns eingebracht, Dialoge selbst geschrieben und anderes“, schildert sie.

Denn im privaten Bereich, wenn die Jugendlichen am Wochenende zusammenhocken, haben sie auch Erlebnisse mit Alkoholtrinken. Deswegen sei das Schauspiel realistisch, finden Ulrike und ihre Mitschüler. Als die Oberschüler nach der Probe sagen sollen, wann sie selbst die Karten geworfen hätten, zeigt sich, dass sie andere eher stoppen würden als selbst mit dem Trinken aufzuhören. „Das erlebe ich immer wieder. Die Jugendlichen meinen, sich selbst besser einschätzen zu können als andere“, stellt Jean-Francois Drozak fest.

Das bestätigt auch Daniel Haberer (15), ein weiterer Darsteller im Stück: „Man weiß es ja selbst, wenn man zu viel getrunken hat und aufhören muss.“ Neben der Öffentlichkeit werden bis Freitag auch alle 13 Klassen der Oberschule jeweils eine eigene Vorführung erleben. Im Anschluss soll dann jeweils über das Stück anhand von Fragen unter den Schülern diskutiert werden.
Jochen Lange

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