& Pressespiegel+ Depression und Angehörige- IcebreakerDie Agentur für Kulturdesign
Pubertär oder depressiv? – NB

18. August 2019


rothenburg

Welche Eltern von Teenagern kennen das nicht? Früher oder später kommt der Punkt, an dem der Nachwuchs sich zurückzieht, alles irgendwie doof findet, grundsätzlich auf Konfrontation zu den Eltern geht und bislang heißgeliebte Freizeitbeschäftigungen auf Eis legt. Doch wo hört „normales“ pubertäres Verhalten auf und wo beginnt eine Depression? Kinder- und Jugendpsychologin Caroline Kettner sensibilisierte Eltern und Lehrer bei ihrem Vortrag in der Aula des Reichsstadt-Gymnasiums für Faktoren, Symptome und Therapiemöglichkeiten bei einer Depression im Kindes- und Jugendalter.

„Grundsätzlich ist jede Depression individuell in ihrem Erscheinungsbild“, erklärt die Kinder- und Jugendpsychologin Caroline Kettner. Der Übergang von einem normalen pubertären Entwicklungsverlauf mit all seinen neuen und für Eltern herausfordernden Begleiterscheinungen hin zu einem depressiven Zustand sind fließend. Zumal kurzzeitige depressive Verstimmungen an sich schon Teil der Pubertät sind.  Für psychologische Laien, namentlich Eltern und Lehrer, ist es deshalb oft sehr schwer, eine Depression zu erkennen.

Emotionale Bandbreite

Symptome, die einer Pubertät zu eigen sind, werden erst dann zu einer depressiven Störung, wenn mehrere davon gleichzeitig vorliegen, diese eine bestimmte Intensität erreichen, über eine gewisse Zeit andauern und im Leben der Betroffenen zu Beeinträchtigungen oder Leiden führen.

Die Bandbreite an Emotionen reicht dabei – je nach Alter – vom energiegeladenen, lauten und unzufriedenen Jugendlichen über den verzweifelten, häufig weinenden Teenager bis hin zu jenen, die anfällig für einen erhöhten Drogen- und Alkoholkonsum werden, weil dadurch depressive Antriebslosigkeit und Müdigkeit zumindest für kurze Zeit ins Gegenteil verkehrt werden.

Darüber hinaus gebe es eine Gruppe, die häufig übersehen werde, so die Expertin, nämlich diejenigen Jugendlichen, die versuchen, weiterhin gut zu funktionieren und perfekt zu sein, in der Hoffnung, dass sich dadurch ihre Gemütsverfassung wieder verbessere.

Die drei Hauptsymptome einer Depression bei Jugendlichen sind dieselben wie bei Erwachsenen: emotionale Niedergeschlagenheit, Freud und Interessenlosigkeit und verminderter Antrieb und schnellere Ermüdung. Hinzu kommen noch eine ganze Reihe alterstypische Symptome, die nicht alle erfüllt sein müssen, damit man von einer Depression sprechen kann. Neben psychosomatischen Störungen, die sich durchaus auch in Form von Asthma oder Neurodermitis äußern können, sind hier beispielsweise auch ein vermindertes Selbstvertrauen, Apathie, Probleme in der Entscheidungsfähigkeit, Appetitverlust- oder Anstieg sowie ein erhöhtes Suizidrisiko zu nennen.

Auf Initiative der schuleigenen „StiL-Gruppe“ („Stark ins Leben“) wurde endlich einmal Licht auf das Tabuthema „Depression“ geworfen. Und die gut besuchte Aula bei dem Vortrag zeigte, dass bei Eltern und Lehrern ein sehr großes Interesse daran besteht, mehr darüber zu erfahren. Ergänzt wurde diese, wenn man so möchte, Themenwoche durch die Ausstellung „LebensBilderReise“ des Bayerischen Ministeriums für Gesundheit und Pflege.

Auch wenn die Ausstellung durch Inhalt, Optik und den Einsatz von Medien besticht, so richtig zu fassen bekommt man Kinder und Jugendliche vor allem, wenn man sie direkt einbezieht. Und deshalb holte man sich das Theaterprojekt „Ice Breaker“, unterstützt von der AOK Bayern, an die Schule. Bei psychischen Erkrankungen erfolgt das Erkennen und Eingreifen oft zu spät. Aber gerade bei Jugendlichen lasse sich mit Prävention „viel abfangen“, erklärt Horst Leitner, AOK-Regionalleiter. Und so verbrachten insgesamt acht Schüler der 8. und 9. Jahrgangsstufe die erste Woche nach den Weihnachtsferien damit, das innovative und interaktive Theaterstück einzuüben.

Unter der Leitung von Theaterpädagoge Jean-François Drozak machten sie sich daran, nicht nur den Text auswendig zu lernen, sondern die Gefühle und Verhaltensweise der Protagonisten zu reflektieren. Das Stück wurde einmal für die Eltern und andere Interessierte und zweimal für die Schüler aufgeführt. Das schulische Publikum durfte sich dabei nicht nur einfach von dem Schauspiel berieseln lassen, sondern war zum Mitdenken aufgefordert. Anhand einer Check-Liste sollte jeder für sich ermitteln, ob Robert oder Anna – so die Namen der beiden Hauptfiguren – einfach nur regulär pubertär verstimmt oder an einer Depression erkrankt sind.

Die Zuschauer wurden aber nicht nur für die Symptome und das typische Verhalten bei einer Depression sensibilisiert. Das Stück sollte auch ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Geschwister von erkrankten Jugendlichen ebenfalls Begleitung und Unterstützung brauchen.

Dieser Beitrag wurde unter & Pressespiegel, + Depression und Angehörige, - Icebreaker, Die Agentur für Kulturdesign veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.