& Der Barfreitag& PressespiegelNordkurve - Aktuell
Privat, aber offen – NN Juli 12

1. Juli 2014

bild4

Am „Barfreitag“ kann man in einem besonderen Raum in der Rothenburger Straße vielem begegnen. Kunst, Musik, vor allem aber: Menschen. Der Raum wirkt viel höher als breit. Vor einem der beiden Schaufenster, durch die man einen Blick auf die Kurve der Rothenburger Straße werfen kann, ist eine Bühne aufgebaut. Es ist ein Überbleibsel eines anderen Abends. Und heute? Heute geht es um das, wofür der Barfreitag in der Nordkurve immer steht: um Begegnungen. Nach denen hat er sich gesehnt, damals, als er die Idee für dieses Projekt hatte. Er, das ist Jean-Francois Drozak, Künstler, Kulturdesigner, Diplom-Sozial- und Theaterpädagoge.

Ein kreativer Kopf. Für den Raum in der Rothenburger Straße aber hatte Drozak zunächst einen ganz konservativen Plan. Hier wollte der aus Brasilien stammende junge Mann für seine Frau, später für sich und seine Agentur Nordkurve ein Büro einrichten. Beide Male war die Erkenntnis: „Eine Fehlinvestition.“

Zu viel Zeit verbrachten die beiden bei Kunden vor Ort. Was Drozak dann aus dem Laden gemacht hat, ist einzigartig. „Es ist ein offener Raum, in dem sich jeder entfalten kann, jeder sein kann, wie er ist.“ Was der offene Raum kann, offenbart sich jede Woche am Barfreitag, dem Tag, an dem Drozak abwechselnd mit zehn Freunden hier, in den Privaträumen, Kneipier ist. Und jeder der Freunde darf den Abend gestalten, wie er möchte. „Die einen feiern Partys, andere präsentieren Künstler oder lassen eine Band auftreten“, sagt Drozak.

Grenzen gibt es fast keine. Nur eines gilt immer: Die Tür ist offen. Jeder zahlt, was er will Heute steht Drazan Kopie hinter der Bar, die den Raum von einem kleinen Bereich abtrennt (wo Drozak tatsächlich ein Büro hat). Wenn Drazan turnusmäßig an der Reihe ist, lädt er oft eigene Freunde ein, bewirtet sie — und alle die, die vorbeikommen. Wie die in die Nordkurve finden? „Vor allem über Mundpropaganda“, sagt Drazan. Wer zum ersten Mal kommt, stutzt, wenn er seinen Wein oder sein Bier auf den Tresen gestellt bekommt, aber ihm keiner entgegenbellt, was er zahlen muss. Drazan verweist auf ein Glas. „Danke für die Spende“ steht darauf. Jeder zahlt, so viel er will.

Damit decken die Wirte die Kosten für die Getränke. Mehr nicht, sagt Drozak, mehr soll gar nicht. Der Mann hat ein großes Herz. Er will Leute treffen, „was ab 30 sehr viel schwieriger ist“. Das sagt auch Christiane, die vor ein paar Jahren aus Köln nach Nürnberg gezogen ist. Alle zwei, drei Wochen ist sie am Barfreitag hier, „mal sind drei Leute da, mal 100“, sagt sie. Oft sind es sehr viele. Deswegen macht Drozak im September Schluss, „zu erfolgreich“, sagt er und plant ein Sabbatjahr. Danach soll es weitergehen. Die seltsam wirkende Begründung macht in Drozaks Augen sogar Sinn. „Ich will das hier nicht institutionalisieren“, sagt er. Denn die Nordkurve ist Drozaks Gegenentwurf zum Verein. Der, sagt er, packt die Generation bis Ende 30 nicht.

Bei seiner Idee mit den themenbezogenen Freitagen „können sich die Menschen punktuell einbringen“. Ohne Verpflichtung. Er stellt Studentin Sara vor. Sie ist auch Schneiderin und hat hier an einem Barfreitag eine Aktion mit Flüchtlingen gestartet. Einer von ihnen, Jamschid, ein junger Künstler, hat sie so fasziniert, das sie am Thema drangeblieben ist. Beim Kunstrasenfest stellt Jamschid ab heute (!) seine Kunst aus — in einem Lkw an der Theodor-Heuss-Brücke. „Und jeder kann kommen und mitmachen“, sagt Drozak. „Einfach sein Auto neben den Truck stellen und eigene Bilder in die Windschutzscheibe kleben“,  Drozak unterstützt Sara voll. Sie ist sein Beispiel für den Gegenentwurf zum Verein. „Das ist Saras Ding“, sagt er.

„Sie schreibt ihre persönliche Vereinsgeschichte.“ Die in diesem Raum begonnen hat. tsr

Dieser Beitrag wurde unter & Der Barfreitag, & Pressespiegel, Nordkurve - Aktuell veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.