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Pleitegeier – Verständnis für das Anderssein wecken – LZ 11.2

4. Juli 2015

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Es ist eine besondere Art von Theater, bei dem Schüler des Sonderpädagogischen Förderzentrums (SFZ) Landshut Land und des benachbarten Gymnasiums mitwirken dürften. „Pleitegeier“ nennt Jean – Francois Drozak sein Theaterprojekt. So wesentliche Fragen wie „Was bedeutet Armut für ein Kind? und  „Was ist wirklich wichtig im Leben“  stehen im Mittelpunkt. An vier Tagen erarbeitet der Theaterpädagoge mit den jungen Akteuren zehn Szenen zu dem Thema, das Bühnenbild dominiert ein großer Rechenschieber.


Die Eltern von Hauptdarstellerin Lisa müssen mit 250 Euro im Monat auskommen. Im Stück ist von 25  Kugeln die Rede. In den verschiedenen Szenen wird das Publikum mit alltäglichen finanziellen Problemen des Mädchens konfrontiert. Darf es einmal mittags mit seinen Klassenkameraden zum Imbiss gehen? Doch dann wäre die Kugel weg und es bliebe an den restlichen Tagen der Woche nichts mehr übrig für die Schulmensa. Können neue Schulsachen gekauft werden oder ist neue Kleidung für die Bruder wichtiger? Müssen es unbedingt die Prinzessinnen Schuhe sein?

Das Publikum ist mitten im Geschehen, denn es entscheidet darüber, ob die Wünsche von Lisa erfüllt werden oder nicht  – mit den möglichen Konsequenzen, die am Rechenschieber offensichtlich werden, indem eine oder auch mehrere Kugel nach rechts verschoben werden.

Die Geschichte des Stück ist nicht erfunden, sondern basiert auf Erzählungen aus dem Freundeskreis von Jean – Francois Drozak. Es handelt sich um eine sehr arme Familie. Der Vater war früh gestorben, was die Situation noch schwieriger gemacht hat. „Ich habe zwei Töchter der Familie im Alter von 24 Jahren interviewt, berichtet Drozak. Die eine sagte von sich, dass sie  früher ein Frechdachs war, die andere bezeichnetet sich als Schleimerin. Die eine ist Lehrerin, die andere Modedesignerin geworden. Ein großes Anliegen des Sozialpädagogen ist es, dass Jugendliche unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten wahrgenommen werden.

Die Akteure der beiden Schulen sind an den Probentagen voll im Einsatz. Von 8 bis 16 Uhr wird  entsprechenden Pausen gearbeitet. Die Kooperation funktioniert wunderbar, denn in der Theatergruppe sind alle gleich, egal ob sie eine größere oder kleinere Rolle spielen. Und allen macht das Mitspielen Spaß. „Ich finde toll, dabei zu sein“, sagt Jennifer, die sich vor kurzem der Theater – AG angeschlossen hat. Jonathan kennt keine Armut. „Ich habe etwas dazu gelernt und habe nun eine Ahnung, wie arme Menschen wirklich leben“, sagt der Gymnasiast. Und er kennt keine Angst vor der Bühne. „Das kriegen wir alles hin“, ist er überzeugt.

Alex ist nur eingesprungen, weil eine Mitschülerin einen Rückzieher gemacht hat, da sie nicht so viele Unterrichtsstunden versäumen wollte. Von Titel des Stücks, „Pleitegeier“ ist der Gymnasiast nicht so begeistert, aber er hat gedacht: „Du magst Theater, dann machst du halt mit“.

Kevin mag Theater überhaupt gerne, von daher findet er es toll, dass es die Theater – AG gibt. Begeistert ist er auch deshalb, weil man dabei auf der Bühne rumtollen kann. Luzie ist ein kleiner Profi, den sie spielt Theater, seitdem sie fünf Jahre alt ist. So hat sie mit den Texten keine Probleme. Und sollte sie tatsächlich einen Hänger haben, hat sie folgendes Rezept: Sie erzählt aus dem Gedächtnis den Text, der zwar etwas anders sein kann als das Original, aber er bleibt  verständlich.

Julie, sie spielt die Mutter von Lisa, hat sehr genaue Vorstellungen von dem, was sie einmal werden möchte: Musicaldarstellerin. Und dafür will sie mit dem Theaterspielen den Grundstein legen. Dass sie ein bisschen aufgeregt ist, gesteht sie ein. Aber sie meint, das seien wohl fast alle. „Ich schaffe das mit dem Text schon“, sagt Luca. Er genießt es, das er sich ein bisschen austoben kann. Eines ist für ihr klar: „Die Schow macht richtig viel Spaß. Peer kann sich in seine Rolle – er spielt den Bruder von Lisa – gut hineinversetzen. Die Schwester  zu ärgern, das liegt ihm.

Guilia hat großes Verständnis für das Verhalten von Lisa: „Ich würde ab und zu auch mal so reagieren wie sie.“ Die Hauptrolle macht ihr sehr viel Spaß. Und das mit dem vieler Text bekommt sie auch hin, davon ist sie überzeugt.

Mit dem Theaterspielen ist es nicht getan. Die junge Truppe muss sich in der Sporthalle des Sonderpädagogischen Förderzentrums um die Bühne und die Veranstaltungstechnik kümmern.Bis zum Nachmittag wird heute noch fleißig geprobt, bevor die Darsteller am Abend ihre Lorbeeren ernten können, spricht hoffentlich viel Applaus bekommen von Eltern und Freunden. Am Freitag werden die Mitschüler in den Genuss des „Pleitegeiers“ kommen. Um 8:30 sind SFZler die Zuschauer, um 10 Uhr die Gymnasiasten.

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