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Pleitegeier Theaterstück zur Kinderarmut – EJN Juni

17. Juni 2012

leonhard

Armut und die damit oft verbundene Kinderarmut ist zu einem häufig diskutierten Thema in unserer Gesellschaft geworden. Die fortschreitende Urbanisierung kann zu einer weiteren Benachteiligung gerade der Kinder führen, wenn wir keine kreativen Lösungen im Umgang mit sozialen Unterschieden finden.

Durch Interaktion sensibilisiert das Theaterstück „Pleitegeier“ und gibt viele Anregungen, kreative Lösungen zu finden. Das Publikum sieht in vier beispielhaften Szenen, mit welchen alltäglichen finanziellen Problemen die Hauptfigur Lisa und ihre Familie konfrontiert sind. Dabei wird deutlich, was es für Kinder bedeutet, arm zu sein: Nicht dazuzugehören, verhöhnt und verachtet zu werden und Empfänger von Mitleid zu sein, für das man gefälligst dankbar zu sein hat.

Um das sehr knappe Budget der Familie zu verdeutlichen, steht ein riesiger Rechenschieber auf der Bühne. Die Kugeln auf der Stange stehen für die 250 Euro, die Lisas Eltern monatlich für sie zur Verfügung haben.

Nach jeder Szene entscheidet das Publikum, wie viel Geld wofür ausgegeben wird. Für jede zehn Euro, die ausgegeben werden, wandert eine Kugel von links nach rechts. Das Stück nimmt am Ende eine Wendung und zeigt auf, wie man mit wenigen Mitteln, viel Kreativität und einer starken Gemeinschaft Lösungen finden kann.

Pleitegeier in St. Leonhard

In Zusammenarbeit mit der SinN-Stiftung Nürnberg hat Jean-Francois Drozak, Verfasser des Stücks und Theaterpädagoge, den „Pleitegeier“ mit Kindern des Osterferien- Workshops in St. Leonhard-Schweinau einstudiert. Viele der teilnehmenden Kinder leben im ärmsten Stadtteil Nürnbergs und leben selbst von staatlichen Transferleistungen. Das Stück hat hier nicht nur besonders große Brisanz, sondern auch Authentizität. Es sind also Originaldarstellerinnen und -darsteller, die am 12. Mai im Rahmen der „Augen auf“-Aktion auftreten werden.

Im Anschluss an das Stück findet einen Diskussion zwischen den jugendlichen Laiendarstellern und dem Publikum statt. Ausgangspunkt ist die Frage: „Was braucht ein Kind wirklich?“ Dabei ist Geld meist nicht die erste und schon gar nicht einzige Antwort. Sehr häufig werden Spielen, Liebe, Kuscheln, Eltern und Geschwister, Ferien — und sogar Bildung als Glücksbringer genannt.

Lisa steht im Mittelpunkt

Bekommt Lisa die heiß ersehnten Original Prinzessinnenschuhe, die die anderen Mädchen in der Klasse tragen oder nur die deutlich billigere Kopie? Kaufen die Eltern für Lisa neue Schulhefte oder wird das Geld für ihre kleine Schwester ausgegeben, die unbedingt neue Kleidung braucht? Und darf sie ein einziges Mal mittags mit den Mitschülern zum Imbiss gehen?

Ganz und gar nicht einfach sind diese Entscheidungen, schließlich lebt Lisa nicht im luftleeren Raum, sondern sie hat Klassenkameraden und Freunde, die vieles haben und dürfen, was Lisa aus finanziellen Gründen versagt bleibt.

Die Eltern der Hauptfigur Lisa sind arm und müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Nach jeder Szene entscheidet das Publikum, ob Lisas Wunsch erfüllt wird. Das Publikum, ob klein oder groß, ist streng – die meisten ihrer Wünsche bekommt Lisa nicht erfüllt. Trotzdem sind die zur Verfügung stehenden 250 Euro bald verbraucht.

In der letzten Szene ändert sich das Stück. Es wird gezeigt, wie stark zum Beispiel eine Klassengemeinschaft sein kann. Dann bekommen auch die reicheren Kinder etwas, was sie sonst nie dürfen: Mit fast anarchistischer Kreativität bemalen und zerlegen sie alte Puppen, die Lisas Eltern kistenweise von mildtätigen Spendern bekommen haben. Niemand hat dafür Geld bezahlt, niemand verbietet den Kindern, damit zu machen, was sie wollen.

Ziel

Durch theaterpädagogisches Erleben finden die Zuschauer einen neuen Zugang zu den Fragen „Was bedeutet Armut für ein Kind und was ist wirklich wichtig im Leben?“.

Durch die interaktive und dadurch sehr intensive und persönliche Auseinandersetzung erlebt das Publikum, wie schwierig es für eine finanziell benachteiligte Familie ist, finanzielle Entscheidungen zu treffen. Die Projektpartner und jungen Schauspielerinnen und Schauspieler geben bewusst keine oberflächlichen Antworten auf die oben gestellten Fragen, sondern sie fordern jeden Einzelnen auf, auf eigene Gedanken zu kommen. Dabei wird klar: Ganz ohne Geld geht es nicht und eine eindeutig richtige Entscheidung gibt es nicht. Die vom Stück angebotene Lösung überrascht aber: „Geld ist nicht alles. Haltet zusammen und lasst euch selbst etwas einfallen!“.

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