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Pleitegeier – Brücken bauen – LA – 14.2

14. Mai 2015

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Die Grenzen sind fließend. Die Schüler des Gymnasiums Ergolding und des Sonderpädagogischen Förderzentrums (SFZ) Landshut-Land lernen und spielen gleichermaßen Tür an Tür. Der Pausenhof kann gemeinsam genutzt werden. „Integration durch Kooperation“ lautet das Motto der beiden Schulleiter Dr. Klaus Wegmann und Hans Lohmüller. Das Lehrerkollegium beider Schulen weiß, dass dies wichtig ist und steht zu hundert Prozent dahinter. Ein Schwerpunkt ist das gemeinsame Theaterspielen.


Als damals bekannt wurde, dass das neue Landkreis-Gymnasium neben dem Sonderpädagogischen Förderzentrum angesiedelt werden soll, war man am SFZ wegen des völlig unterschiedlichen Bildungsauftrages zunächst skeptisch, zumal man einiges an Fläche abgeben musste. Doch sehr schnell wurde klar, dass die Nähe zum Gymnasium eine Bereicherung darstellt. Die gegenseitige Wertschätzung ist dabei eine wesentlicher Faktor.

Im ersten gemeinsamen Schuljahr hatte das SFZ noch eine eigene Theater-AG, da die beiden Schulen den Stundenplan nicht mehr aufeinander abstimmen konnten. Dr. Wegmann spricht für das erste Schuljahr von einer pragmatischen Lösung. Die Theaterarbeitsgruppen der beiden Schulen haben nebeneinander verschiedene Theaterszene einstudiert, die vor der Aufführung zusammengebaut wurden. „Das hat gut funktioniert und zwar sehr ergreifend“, berichtet Wegmann. Die persönlichen Kontakte zwischen den Schülern sind über die Theater-AG hinausgegangen.

Da für dieses Schuljahr eine Vorlaufzeit möglich war, wurden die Stundenpläne so koordiniert, dass die beiden Theater-AGs gemeinsame Sache machen können. Im Dezember durften die Schüler in einem Schullandheim einen Theaterworkshop besuchen. Gearbeitet wurde mit Profi-Regisseuren und Dramaturgen. „Die Veranstalter haben uns zu dem Workshop eingeladen, weil sie von dieser Kooperation zwischen Gymnasium und Sonderpädagogischem Förderzentrum sehr angetan waren“,  erläutert Klaus Wegmann. So eine Erfahrung bringt die Schüler menschlich näher zusammen, ist Hans Lohmüller  überzeugt.

In den zweiten Februarwoche erwartet einen Teil der jungen Theaterspieler ein ganz besonderes Projekt. Es wird das Stück „Pleitegeier“ unter der Anleitung des Theaterpädagogen Jean-Francois Drozak einstudiert und uraufgeführt. Der Sozialpädagoge hat schon einmal mit der Theater-AG des SFZ gearbeitet. Theater als Aids-Prävention lautete die Vorgabe. Während der Projektwoche wohnte der Theatermann in seinem Wohnwagen auf dem Schulgelände. Das  Stück „Unter die Haut“ beeindruckte Eltern und Schüler gleichermaßen. „Die Schüler haben viel an Selbstbewusstsein gewonnen“, erklärt Hans Lohmüller, der Drozak für das neue Projekt gewinnen konnte.

Das Casting für den „Pleitegeier“ ist bereits über die Bühne gegangen. Jeweils vier Schüler von SFZ und Gymnasium werden dabei sein. „Was bedeutet Armut für  ein Kind?“ „Was ist wirklich wichtig im Leben?“ Diesen Frage gehen die Schüler in dem von Drozak kreierten Theaterprojekt nach. Innerhalb von der vier Tagen wird das Stück zu diesen Themen erarbeitet.

Das Besondere an Drozaks Vorgehensweise ist, dass das Publikum mitreden kann, wie das Stück weitergeht. Von daher müssen sich die jungen Theaterleute auf mehrere Handlungsoptionen einlassen. Hans Lohmüller hatte das Aidspräventionsstück dreimal gesehen, und dreimal war es unterschiedlich.

Klaus Wegmann hat bereits ein weiteres Projekt in Sachen Theater im Hinterkopf. Das der Intendant des Landestheaters Niederbayern, Stefan Tilch, Schulpate ist, wäre eine Zusammenarbeit mit dem Theater eine schöne Sache, findet der Direktor. Er hat mit Schauspieldramaturg Peter Oberdorf, der seit 2006 die Landshuter Jugendclub – Produktionen inszeniert, Kontakt aufgenommen. In Nächsten Schuljahr könnte die Zusammenarbeit zustandekommen.

Was die Kooperation der beiden Schulen angeht, wird sich Zug um Zug einiges verändern, sind sich die beiden Schulleiter einig. Während sich die Schülerzahl (170) beim SFZ kaum ändern wird, wird das Gymnasium jedes Jahr größer. Das Verständnis wächst mit dem Alter der Kinder, sagt Wegmann. Von daher kann er sich vorstellen, dass ältere Gymnasiasten im Rahmen eine Projektes jüngeren SFZ – Schülern etwas beibringen. Die pädagogische Herangehensweise könnte an beiden Schulen kaum unterschiedlicher sein, dennoch funktioniert die Kooperation. „Das liegt am Engagement der beiden Lehrerkollegien“, sind Wegmann und Lohmüller überzeugt. Es hat mit Wertschätzung zu tun, was an der jeweils andere Schule geleistet wird. Im Bereich Kunst, Sport und Musik sind weiter Kooperationen denkbar.

Was gemeinsam auf den Weg gebracht wird, wollen die beiden Schulleiter nicht als Inklusion  verstanden wissen. Denn damit wäre man komplett überfordert. Man wolle die räumliche Nähe nutzen, gemeinsame Felder zu definieren. Das Motto „Integration durch Kooperation“ ist dabei Triebfeder.
Gabi Lössl

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