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Paarlauf der Künstler – NN

8. April 2011

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NÜRNBERG  – Mit origineller Kunst im Doppel- und Viererpack starten vier Nürnberger Galerien ins Ausstellungsjahr.

Paarung in der Nordkurve
Eine echte Paar-Beziehung verbindet die Malerin Annegret Hornik und den Fotokünstler Tom Neumeier (alias A. und T. Leather), die jetzt in der „Nordkurve“ ihre gemeinsamen „Kinder“ (Bilder) präsentieren. Beide studierten zur selben Zeit an der Nürnberger Kunstakademie, doch erst Jahre später entdeckten sie ihre Geistes- und Seelenverwandtschaft. Die manifestierte sich dann aber zunehmend in wechselseitiger Inspiration und Zusammenarbeit.

Die teilweise märchenhaft verfremdete Geschichte ihrer geglückten Zweisamkeit erzählen die ausgestellten Fotoserien und Plastiken mit dem Titel „Doubleluck“. Das Künstler-Paar beweist nicht zuletzt sein Talent, auf eine humorvolle Art rückhaltlos offen zu sein. Aktfotos werden (vorgeblich schamhaft) kaschiert, mehr oder minder eindeutig erotisch-fetischistische Inszenierungen sind bei A. und T. keineswegs peinlich, sondern ein fantasievolles Spiel, auf das sich der Betrachter problemlos einlassen kann.


Die „Schwarzmalerei” eint vier junge Künstler in der Akademie-Galerie. Ihre Malereien und Objekte sind nicht nur farblich, sondern auch inhaltlich ziemlich düster. Da gibt es Landschafts- und Figurenbilder in der Tradition der „schwarzen Romantik”, schattenhafte Gestalten in der Dämmerung, die an Szenen in einem Horrorfilm erinnern, aber auch eine wunderbar gemalte Studie eines Baumes, der harzige „Tränen” weint. Die Arbeit stammt von dem höchst begabten Nachwuchskünstler Jan Gemeinhardt. Eher witzig ist dessen Bronze „Utopia”: ein kleiner Vogel, der ein riesiges Ei auszubrüten versucht.

Traurige Riesen in unwirtlicher Umgebung sind das Thema von Fatma Güdü, Birke Bonfert malt eine Zivilisation in der Auflösung. Beiden Künstlerinnen gelingen handwerklich elegante Bilder, die auf eine subtile Art verstörend wirken. Das eiskalte Grauen verbreitet hingegen ihr Kollege Kirill Schröder. Seine Gemälde, Zeichnungen und Kleinplastiken entführen den Betrachter in eine Albtraumwelt, in der Rattenmonster Menschenkinder schlachten und sogar Hasen zu Raubtieren werden.

Coyne trifft Janetzko
Das Kontrastprogramm zur Schwarzmalerei bietet die wunderbare Ausstellung in der Galerie Lutz mit der blauen Tür: Zeichnungen des 2004 verstorbenen Musikers, Malers und Autors Kevin Coyne treffen hier auf die hintersinnigen Objekte aus Holz, Stein und Beton von Franz Janetzko. Was die beiden Künstler verbindet, ist ihr unwiderstehlicher Humor — beim Engländer ein bisschen schwärzer und bitterer als beim verschmitzten Objektkünstler Janetzko. Die Arbeiten der beiden jedenfalls gehen prima zusammen.

Das Galeriehaus Nord dagegen wagt die spannende Gegenüberstellung zweier (auf den ersten Blick) ganz gegensätzlicher künstlerischer Produktionen. Auf der einen Seite stehen die kühl-ästhetischen, abstrakt-geometrischen Arbeiten von Markus Kronberger, die andere Seite wird repräsentiert von Georg Baiers spontan „hingeworfenen” malerischen und zeichnerischen Kuriositäten.

Bei näherer Betrachtung offenbart sich aber sogar Verbindendes. Beide Künstler treiben ein reizvolles Spiel mit Harmonien und Dissonanzen, mit Regelhaftigkeit und Regelbruch. Als Maler, Grafiker und Plastiker arrangiert Markus Kronberger labile Gleichgewichte aus (vorgeblich transparenten) farbigen Rechtecken, die sich vielfach überlagern. Was dabei herauskommt, wirkt keineswegs kalt und konstruiert, sondern ausgesprochen sinnlich und elegant.

Auch die von Georg Baier vermeintlich mühelos hingekritzelten „Kaschperköpfe“, exzentrischen alten Damen und hinterhältig grinsenden Clowns, sind das Ergebnis ernsthafter kompositorischer Erwägungen. Diese kleinen Arbeiten sind intellektuell und ästhetisch überzeugende Meisterstücke des schrägen Humors.

Akademie-Galerie, Adlerstr. 10: Schwarzmalerei”. Bis 29. Januar, Do. und Sa. 13-18 Uhr.
Galerie Lutz mit der blauen Tür, Meuschelstr. 51: „Coyne meets Janetzko“. Eröffnung heute 19 Uhr, bis 19. Februar, Di-Fr 15-18.30, Sa 11-15 Uhr.
Galeriehaus Nord, Wurzelbauerstr. 29: Georg Baier/Markus Kronberger. Bis 13. Februar, Di./Mi. 13-16 Uhr, Do./Fr. 11-13 Uhr, So. 11-16 Uhr.
„Nordkurve“, Galerie der Agentur „Kunstdünger”, Rothenburger Str. 51A: Doubleluck. Bis 25. Februar, jeden Freitag 20-24 Uhr.

 

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