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NZ zerreißt acht.acht.

6. Januar 2011

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Nürnberg  – Kein schlechter Ansatz: Wie sich Rechtsextremisten an Jugendliche heranmachen, wie geschickt sie sie mit sozialen Angeboten und dem Versprechen von Kameradschaft ködern, wie man das erkennen und sich widersetzen kann, all das soll das Theaterstück „acht.acht.“ erfahrbar, greifbar und enttarnbar machen, für die Zuschauer wie die Darsteller.


Vier Tage lang haben acht Schülerinnen und Schüler des Dürer-Gymnasiums und der Johann-Daniel-Preißler-Schule für die Aufführung geprobt und vor ihren Mitschülern bei der Aufführung am Donnerstag eine beachtliche schauspielerische Leistung erbracht. Allein, so geschickt und erfolgreich, wie subversive Jugendarbeit von Rechtsextremisten oft gemacht wird, gelingt die Vermittlung dieses so wichtigen Themas nicht. Eine engagierte Regiearbeit von Jean-Francois Drozak ist das Projekt durchaus. Doch leider können bei der Premiere nur wenige der jugendlichen Zuschauer verstehen, was genau da eigentlich vermittelt werden sollte, und selbst einige Darsteller scheinen sich schwer zu tun.In der anschließenden Diskussion meint ein Schüler: „Viele checken das Stück nicht.“ Und er bekommt dafür viel Zustimmung. Dabei werden die Stationen der Vereinnahmung des Schülers Franz durch Rechtsextremisten in ihrer vermeintlichen Banalität klar dargestellt – von der auf dem Schulhof verteilten CD mit rechtsextremer Musik über einen von den „Kameraden“ finanzierten Stadionbesuch und das Boxtraining in einer rechten Hinterhofkneipe. Doch sie bleiben klischeehaft und stehen kaum in erkennbarem Bezug zueinander.

Wenn überhaupt, dann werden Gruppendynamik, Brüche und Wandlungsprozesse der Figur Franz nur ganz schwach angedeutet. Franz wird ein Nazi, das wird für das Publikum, überwiegend aus niedrigeren Klassen, durchaus irgendwann deutlich. Aber nicht, warum. Im Schauspielhaus mögen die fast schon aufdringlich pädagogisch gesetzten Andeutungen und Symbole wohl verstanden werden, offensichtlich und wenig überraschend aber nicht in sechsten Klassen.

Wüst und ohne erkennbaren Anlass auf der Bühne gebrüllte Nazi-Parolen sorgen im Zuschauerraum für erlöstes Gelächter – sind doch zumindest sie ob ihrer Derbheit verständlich. Als dieses dumpfe Geschrei irgendwann im katholischen Glockengeläut – eingangs als praktische Form des Widerstands gegen rechtsextremistische Demonstrationen gepriesen – untergeht, ist im Saal für einige Zeit nicht klar, dass dies das Ende des Stücks ist. Aufgeführt wird es engagiert von Kindern, doch es ist ein Stück von Erwachsenen für Erwachsene.

Immerhin: In der Diskussion verlieren die Antworten der Schüler plötzlich alles Floskelhafte, als es um das Verhältnis untereinander geht. Durch die gemeinsamen Proben haben sie ihre Vorurteile gegenüber den vermeintlich „strebermäßigen Gymnasiasten“ beziehungsweise den „gewalttätigen Hauptschüler“ überwunden, sagen sie – man sei sich „ans Herz gewachsen“. Und das ist durchaus eine erfolgreiche Vermittlungsarbeit.

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