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NZ – die Künstlerin Annegret Hornik

16. Februar 2011

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Die Künstlerin Annegret Hornik Nürnberg  – Wie stellt der Mensch sich die Götter vor? Ehrfurchtgebietend mit langem weißen Haar, statisch dasitzend auf unverrückbarem Thron? Oder spielerisch einladend zum Tanz in ewiger Jugend, in azurblauer Haut? Annegret Hornik malt Götter, Geister und Dämonen.

Deren Gesichter und Körper wirken statisch, doch innerlich sind sie zutiefst bewegt, aufgewühlt, zu allen Taten bereit. Diesen Eindruck bewirkt eine Unzahl von Kreisen, Spiralen, Mäandern und Mustern, in allen Regenbogenfarben oder irisierend zwischen Blau, Grün oder Rot. Ein Wirbel von Farben und Formen, in dem sich das Auge des Betrachters gern verliert und höchstens Halt findet an Augen, Mund und Nase.


Wer sich diesem Bildersturm überlässt, dem fällt die Formulierung ein: Durchgeknallter katholischer Hindu-Barock! Ein Begriff, mit dem Annegret Hornik gut leben kann: „Schließlich bin ich ein echtes Drachenstichkind.“ Vor 30 Jahren kam Annegret in Furth im Wald zur Welt. „Gerade zwei Kilometer vor der Grenze zur Tschechoslowakei“, also am Ende der Welt. Außerdem an einem Ort, der jedes Jahr den Kampf gegen die bösen Mächte so handfest zelebriert wie kein zweiter: den Drachenstich.

Drachen fressen Frauen


„Jedes Jahr muss dem Drachen eine Jungfrau geopfert werden, nur dann verschont er das Volk. Rettung kommt in letzter Sekunde durch einen Ritter, der noch nie zuvor Blut vergossen hat. Nur wer reinen Herzens ist, kann den Drachen besiegen. Als Kind war das für mich absolute Realität. Daran habe ich geglaubt, voll und ganz. Auch heute noch. Heute ist der Drachen beim Umzug ein millionenteurer Roboter. Aber wenn dir der Drache im Traum erscheint, dann ist er echt!“

Träume haben nicht nur ihre eigene Wirklichkeit, sie prägen auch Annegrets Realität. „Ich hatte mit vier Jahren beschlossen, Malerin zu werden, aufgrund eines Traumes. Ich hatte einen Traum von Picasso. Und ich hatte das Glück, dass meine Eltern diesen Traum ernst nahmen.“ Der Traum trug Annegret Hornik auch durch die schwere Zeit zwischen zwölf und siebzehn: Die Eltern ließen sich scheiden, fünf Jahre lebte Annegret in einem katholischen Internat. „Aber mit der Malerei hatte ich ein Ziel, und ich wusste, wohin ich wollte.“

Ans Internat schloss sich eine Ausbildung an der Fachoberschule für Gestaltung in Weiden an, sowie ein Praktikum bei dem Künstler Hubert Baumann. Es folgten vier Jahre an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

Aus welchen Quellen schöpft Annegret Hornik noch, außer aus Träumen? „Aus Märchen, Mythen und Sagen, die hatte mir mein Vater von Kindheit an erzählt. Und als Babysitter, womit ich mein Einkommen aufbessere, habe ich das Glück, in der Kinderwelt ein- und auszugehen. Kinder sehen Sachen, die andere nicht wahrnehmen. Etwa den Astralleib von Bäumen und Pflanzen. Da mühen sich Erwachsene mit Meditation jahrelang ab, und ein kleines Mädchen sieht die Aureole eines Baums ganz von selbst.“ Der Kontakt mit den Dingen hinter den Dingen ist so ungefährlich nicht. Annegret war im Traum schon ein paarmal zur Hölle gefahren, wo sie vor Luzifers Pult stand und einen Pakt mit Blut unterschreiben sollte. Klingt abgefahren. Und schwer nach „Faust“. Doch unabhängig davon, ob man solche Träume als wörtlich wahrnimmt oder als Botschaften des Unterbewusstseins interpretiert: Wer läuft denn nicht Gefahr, seine Seele zu verkaufen? Für Ruhm, Reichtum, oder Sicherheit? Gerade als Künstler, der im Spagat zwischen Vision und knappem Auskommen lebt?

Brüchig ist die Sicherheit
Das mit der Sicherheit und ihrer Brüchigkeit hatte Annegret Hornik auch am eigenen Leib erfahren. „Ich war die zweite, die hier ,Auf AEG‘ ihr Atelier bezog. Und rund um mich herum waren noch die Büromenschen zugange. Kaum war ich eingezogen, stand ich am Fenster und blickte auf Fürth. Neben mit stand ein Altgedienter und sagte: ,Seit 30 Jahren arbeite ich hier.‘ Und ich sagte: ,Heute ist mein erster Tag.‘“

AEG ging Pleite, der Verdienst von 30 Jahren Arbeit galt nichts mehr. Auch Annegret Hornik und ihre Künstlerkollegen wissen um die Brüchigkeit ihrer Existenz. Wenn ein solventer Interessent anklopfen sollte, wer weiß, wie lange die Ateliers noch verfügbar sind… Durchaus Gründe, Alpträume zu entwickeln. Und Wunschträume entgegenzusetzen. So begreift Annegret Hornik auch ihre Kunst: „Reale Welt und irreale Welt verschmelzen miteinander. In allen meinen Bildern erzähle ich etwas von mir, in vielen Bildern kann man Freunde von mir finden, wenn auch in anderer Gestalt.“

Oder auch Szenen aus den vorigen Leben, an die sich Annegret zu erinnern glaubt. „Wenn ich ein Bild beginne, dann male ich einfach drauflos und überlege nicht lange, ob da jetzt Blau oder lieber Grün hinkommt. Und wenn das Bild fertig ist, dann habe ich oft den Eindruck, als hätte ich das schon einmal gesehen. Als wäre es einfach schon da gewesen.“

Eine Erfahrung, vergleichbar der folgenden: „Eines Nachts hörte ich beim Malen Radio, da lief stundenlang chinesische Musik. Die sagte mir gar nix. Aber auf einmal kam ein Lied, das kannte ich. Ich konnte das Lied mitsingen, ich kannte sogar den Text! Danach kamen andere Lieder, und ich wusste wieder gar nichts.“ Deja vu? Früheres Leben? Frühkindliche verschüttete Eindrücke? Wurmlöcher des Geistes?

Dabei versteht sich Annegret Hornik nicht als Esoterikerin. „Dazu bin ich dann doch zu stark geerdet. Die Gegend um Furth im Wald ist geologisch uralt und soll angeblich niemals in der Erdgeschichte vom Meer überflutet gewesen sein. Also bin ich fest veranlagt.“

Wie vermarktet man sich als Künstlerin? „Als Kind hatte ich mir vorgestellt, der Künstler wird in eine Kirche eingesperrt, jeden Tag bringt einer sein Essen vorbei, und der Künstler bleibt sein Leben lang da drin, bis die Kirche ausgemalt ist. Heute muss man posieren, muss sich verkaufen. In der Schule konnte ich nie vor der Klasse vorlesen, und selbst bei der Akademie konnte ich kaum meinen Namen angeben. Was einen Künstler weiterbringt, sind Leute, die an ihn glauben. Und seine Bilder kaufen.“

Aber dennoch: „Die Gedanken haben eine ungeheure Macht“, glaubt Annegret. „Richtest du deine Gedanken auf etwas oder jemand, dann kommt sehr bald der Moment, wo etwas Entscheidendes eintritt. Und wenn man ein Stück findet, das für einen selbst und sein Leben passt – so wie ein Puzzlestück – dann freut man sich wie ein Schnitzel.

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