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Nürnbergs Stärken und Schwächen auf der Spur – NZ

30. September 2016

hümmerNZ-Kiezredaktion lädt zum Austausch mit Redakteuren und diesmal auch Bundestagsabgeordneten ein

Nürnberg ist nicht Berlin. Doch wie wirken sich die Entscheidungen in dem Bundestag dort auf das Leben in der Frankenmetropole aus? Das und vieles andere, was Nürnberger bewegt, macht die nächste NZ-Kiezredaktion zum Thema: Am Freitag, 24. Juni, um 20 Uhr in der „Nordkurve“ in Gostenhof. Diesmal treten nicht nur NZ-Redakteure mit Lesern und Interessierten ins Gespräch, sondern auch drei Nürnberger Bundestagsabgeordnete: Gabriele Heinrich, Martin Burkert (beide SPD) sowie Michael Frieser (CSU).

Musikalisch wird den Abend die Band von Hannes Hümmer – „Broken Features“ – bereichern. Die NZ sprach mit dem 43-Jährigen über seine Sicht auf die Politik in Berlin und zu Hause sowie die Bewerbung Nürnbergs als Kulturhauptstadt.


NZ: Wo merken Sie einen konkreten Einfluss der Bundestag-Beschlüsse auf Ihr Leben?

Hannes Hümmer: Als Vater und Familienmensch bin ich natürlich betroffen von familienpolitischen Entscheidungen in Berlin.

NZ: Wann haben Sie sich das letzte Mal über eine Entscheidung aus Berlin geärgert?

Hümmer: Da gibt es immer wieder mal Themen. Ob es um Datenschutz oder Flüchtlinge geht. Etwa bei der Frage, was sichere Einwanderungsländer sind oder bei der Frage nach Begrenzung von Zuwanderung.

NZ: Sind Sie mit den Entscheidungen der Kommunalpolitiker in Nürnberg zufrieden?

Hümmer: Aus persönlicher Erfahrung als Kulturschaffender und Vorstandsmitglied des Quellkollektivs gibt es Kritikpunkte. Die Stadt ist oft nicht flexibel genug gegenüber kulturellen Projekten. Einige von ihnen, die auf eine schnelle Umsetzung hoffen, werden ausgebremst. Die Dinge, die mich stören, betreffen eben überwiegend Kulturpolitik. In vielen anderen Bezügen finde ich es gut, wie es läuft in Nürnberg.

NZ: Hätten Sie ein Beispiel dafür?

Hümmer: Aktuell gehört das Heizhaus – altes Heizhaus der Quelle –, das wir zum Kulturzentrum ausbauen, zum zentralen Projekt des Quellkollektivs. Und wir kämpfen gegen eine Vielzahl bürokratischer Hürden. Wie schwer oder leicht wir es haben, das hat auch etwas mit dem politischen Willen zu tun. Dann die Geschichte mit der Quelle im Vorfeld: Da hat die Kommunalpolitik relativ wenig rechtliche Handhabe gehabt. Dennoch: Unser Kollektiv hat sehr große Öffentlichkeit bekommen, aber wenig Unterstützung seitens der Politik in Nürnberg. Die Stadt ist doch etwas ängstlich, um ein bisschen größer und flexibler zu denken. Es geht um neue Definitionen des urbanes Lebens.

NZ: Was meinen Sie damit?

Hümmer: Es geht darum, Menschen mehr Möglichkeiten des Mitmachens zu geben als es in den klassischen Kulturzentren im städtischen Kontext gemacht wird. Das sind Themen, die in der gesamten Welt an Bedeutung gewinnen. Wir sehen uns dabei als Impulsgeber, werden aber viel zu wenig gehört und ernst genommen.

NZ: Welche Impulse halten Sie für Nürnberg wichtig?

Hümmer: Wir brauchen in Nürnberg mehr Räume, in denen man nicht bis zum letzten Zentimeter sagen muss, was das Konzept von jedem Raum ist. Es muss Möglichkeiten geben, dass sich solche Gebäude selbstständig entwickeln. Alles natürlich unter der Leitung eines Netzwerkes, Menschen, die dort professionell arbeiten. Was mir ganz oft fehlt: Ein Ort, an dem die Menschen einfach nur da sein und sich beteiligen können, und wenn es darum geht, den Ort schöner zu machen. Das ist unser Ansatz, in dem Freizeit und Arbeit sich stark mischen.

NZ: Wo sehen Sie in Nürnberg Räume, die dafür infrage kämen?

Hümmer: Wir versuchen unseren Ansatz im Heizhaus umzusetzen. Aber wir schauen auch andauernd links und rechts. Es gibt schon eine Handvoll Objekte in der Stadt, wo das Potenzial da ist. Es gibt funktionierende Projekte in anderen Städten, die zum Teil privatwirtschaftlich ins Leben gerufen wurden. Dort finden sich kommerzielle Nutzung, Ateliers, ein Kulturzentrum und zum Teil auch Wohnungen unter einem Dach. Beispiele dafür sind etwa die Tabakfabrik in Linz oder die alte Spinnerei in Leipzig.

NZ: Haben Sie als Quellkollektiv genug Möglichkeiten, mit der Stadtverwaltung in Dialog zu treten?

Hümmer: Ja, das haben wir. Wir haben einen sehr guten Draht zu allen Akteuren der Stadt gefunden. Aber von außen ist es schwer einzuschätzen, wie die Kommunikationswege innerhalb der Stadtverwaltung so sind. Daran reiben wir uns immer wieder. Grundsätzlich ist die Stadt offen genug und man hat seine Ansprechpartner und die stehen auch zur Verfügung.

NZ: Was halten Sie davon, dass Nürnberg sich als Kulturhauptstadt bewerben will?

Hümmer: Wir sind uns im Kollektiv einig, dass Nürnberg dafür die Voraussetzungen nicht mitbringt. Im jetzigen Zustand fehlt es der Stadt an so vielen Ecken und Enden, wenn man von einem zeitgemäßen Verständnis von Kultur ausgeht. Bei uns ist alles sehr traditionell. Ja, natürlich haben wir die Hochkultur. Aber damit alleine ist heute kein Blumentopf zu gewinnen. Das Zukunftsweisende fehlt. Dabei wird die Subkultur in Nürnberg ausgeklammert und als ein Ekelthema angesehen. Die ist aber ganz wesentlich für so eine Bewerbung. Auch bei Grenzthemen wie Stadtgestaltung sowie Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung der Stadt hapert es noch gewaltig. Bis 2025 ist noch eine Weile hin, aber wenn ich es mit den Städten vergleiche, die schon Kulturhauptstädte waren, dann sehe ich große Defizite. Dennoch finde ich so eine Bewerbung interessant. Auch hier bieten wir uns aktiv an, Defizite aufzuzeigen und dran zu arbeiten, dies zu verändern.

NZ: Nun zu Ihrer persönlichen Kreativität. Welche Musik erwartet uns am Abend der NZ-Kiezredaktion?

Hümmer: Die Band „Broken Features“ ist eine Herzensangelegenheit von mir, weil ich mit ihr zum ersten Mal seit meiner Jugend etwas umgesetzt habe, was ich als Liedermacher im Alleingang seit vielen Jahren mache. Es wird eine Liedermacher- Musik sein, die von einer Rockband gespielt wird: melancholisch, aber auch beeinflusst durch solche Musikrichtungen wie New Wave oder Independent.

Fragen: Ella Schindler

Stephan Sohr, stellvertretender Chefredakteur und Leiter des Bayern-Ressorts, sowie die stellvertretende Leiterin der Lokalredaktion, Gabi Eisenack, kommen mit Ihnen gerne ins Gespräch in der „Nordkurve“ (Rothenburger Str. 5a), den Räumlichkeiten des gleichnamigen Kulturfördervereins und des Kooperationspartners. Einlass ab 20 Uhr, Eintritt frei.

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