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Nur schlecht drauf? UZ

5. Mai 2013

depression

Schüler spielen für Schüler Theater und beschäftigen sich und das Publikum mit einem schwierigen Thema, über das man nicht gern spricht.

Die ganze Welt ist doof. Eltern nerven, die Schule auch. Stefanie hat keine Lust aufzustehen, nicht mal auf ihren Geburtstag freut sie sich. Robert zieht sich am liebsten zurück, was ihm früher Spaß machte, interessiert ihn heute nicht mehr. Irgendwann stehen beide schulterzuckend da und teilen ihrer ratlosen Umwelt ebenso ratlos mit: „Tut mir leid, aber ich weiß auch nicht, was mit mir los ist.“ Entwicklungsbedingte Krise im konfliktbeladenen Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein oder Krankheit?

Sind Stefanie und Robert einfach nur traurig und „schlecht drauf“ oder depressiv? Mit diesen komplizierten Fragen haben sich Schüler der Templiner Oberschule in einem Theaterprojekt beschäftigt. Unter der künstlerischen Leitung des Theaterpädagogen Jean–Francois Drozak erarbeiteten Neuntklässler in einer Projektwoche das Theaterstück „Ice Breaker“ (Eis–Brecher) und spielten es vor ihren Mitschülern. Stefanie und Robert in Alltagssituationen, wie sie jeder kennt. Mit Eltern, die mal mehr, mal weniger Verständnis aufbringen, mal mehr und mal weniger den richtigen Ton finden. Dazu Geschwister, die zu Bruder und Schwester mehr als einmal sagen: „Ich ertrage dich nicht mehr!“ Schlechte Laune oder Krankheit?

Um das einschätzen zu können, erhalten die jungen Zuschauer eine Symptom-Checkliste, die das „Bündnis gegen Depression” ausgearbeitet hat. Das Theaterstück wird zwischen den Szenen angehalten, und das Publikum wird aufgefordert, einzuschätzen, ob die Hauptfigur unter typischen Krankheitssymptomen leidet. So wird die Bühnenfiktion immer wieder unterbrochen, immer wieder landen alle im Jetzt und Hier, erkennen bekannte und vergleichbare Situationen. Die Darsteller agieren nach der nur einwöchigen Projektarbeit erstaunlich sicher. Ihre Botschaft kommt an.

Patrick Wolfgang Schlender spielt Robert. Den Jungen, der sich immer weiter aus dem Leben zurückzieht und am Ende wegen einer Depression Hilfe sucht und findet. „Es ist mir in einigen Szenen schwergefallen, so langsam zu sein“, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe das alles ja nur gespielt, aber ich konnte schon nachvollziehen, wie man sich in einer solchen Situation fühlen muss“. Da man über „so etwas“ oftmals nicht spricht, hofft er, dass man nach dem Theaterstück offener mit solchen Themen umgehen kann.

Das wünscht sich auch Schulleiterin Barbara Liedtke: „Es ist eine sehr wichtige und schwierige Problematik. Das Stück geht sehr sensibel und altersgerecht damit um.“ Das hätten auch die Reaktionen der Schüler am Ende gezeigt, die sehr nachdenklich waren.

Die Oberschule Templin hat bereits zum fünften Mal in Folge ein derartiges Theaterprojekt mit der Agentur „Kunstdünger“ von Jean-Francois Drozak auf die Bühne gebracht. In den Vorjahren standen Themen wie Rassismus, Alkohol, Armut und gesunde Ernährung im Mittelpunkt. Diesmal also das wenig bekannte Thema Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Eine seelische Erkrankung erkennen lernen durch Erleben – bei den Oberschülern hat das funktioniert. „Ice Breaker“ hat das Eis gebrochen.

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