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Niemand sagt “Tritt in die NPD ein” Coburger Tagblatt

22. März 2010

schafe

Coburger Tagblatt
Im Rahmen des Projekts “Schule ohne Rassismus” am Gymnasium Ernestinum soll das Stück “acht.acht.” die subversive Technik der “Jugendarbeit” der rechten Szene aufdecken. Ein Theaterpädagoge betreut das ambitionierte Vorhaben. Im Theaterstück zeigen die Schüler Szenen aus “Freizeitangeboten” rechter Organisationen für Jugendliche. Zusammen wird etwa Fußball geguckt, doch ganz unterschwellig Ideologie vermittelt.


„Tänzeln! Deckung! Tänzeln! Deckung! Angriff!“, schreit die Trainerin im Boxclub des Stakkato. Sie guckt den Jungen nicht an und brüllt: „Stell dir vor, es ist ein Neger, und du kannst ihm den letzten Tritt verpassen!“ Die Szene spielt in einem Jugendclub der NPD. Der Junge ist ganz harmlos auf dem Schulhof angesprochen worden und sitzt nun fest in einem Strudel aus Erniedrigung und Ideologie. Das Thema, das die Schüler am Ernestinum hergenommen haben, ist kein leichtes – aber ein ernstes. Als Theaterstück ist morgen, Donnerstag, das Ergebnis des Workshops zu sehen, den neun Schüler des Gymnasiums zusammen mit dem Theaterpädagogen Jean-François Drozak besucht haben.

Das Projekt „acht.acht.“ ist ein Angebot des Bistums Bamberg, das der Lehrer Norbert Berger gemeinsam mit der Schülermitverantwortung an die Schule geholt hat. Hintergrund ist der Titel „Schule ohne Rassismus“, den das Ernestinum im vergangenen Jahr erhalten hat, und der Projekte und Aktionen zum Thema fordert.

In dem Stück „acht.acht.“ geht es um die sehr subversive Jugendarbeit rechter Organisationen, vor allem der NPD. Die biete den jungen Leuten mittlerweile auch in Bayern Freizeitbeschäftigungen an, um sie zu ködern. Bekannt geworden ist in diesem Fall die so genannte „Schulhof-CD“.

Der entscheidende Unterschied zu normalen Angeboten liegt in der Transparenz“, erklärt Jean-François Drozak. „Wenn du vom Fußballclub geworben wirst, weißt du ganz genau, was auf dich zukommt.“ Dies sei bei den Jugendtreffs, die zum Beispiel die NPD initiiert, nicht der Fall. „Die versprechen dann eben Boxtraining oder gemeinsame Fußballabende vor dem Fernseher.“ Ziel sei es, Jugendliche als potenzielle neue Mitglieder anzuwerben und mit der nötigen Ideologie auszustatten. „Aber es spricht dich sicher niemand auf dem Schulhof an und fragt: Möchtest du NPD-Mitglied werden?“ Hier würde wohl jeder sofort „Nein“ sagen.

Wie diese „Jugendarbeit“ funktioniert, soll das Stück zeigen. Hierzu sind interessierte Schüler angesprochen und danach gecastet worden. „Wir haben uns zunächst ins Thema eingearbeitet, dann hat uns Jean das Stück vorgespielt und wir haben es für uns selbst erarbeitet“, erzählt Malte Schlosser aus der 9. Klasse. Geprobt wird seit Montag täglich. Die Gruppe ist von der Herangehensweise begeistert und wird von Drozak schauspielerisch durchaus gefordert: „Jeder muss in seiner Rolle stecken“, sagt er. „Man glaubt nicht, wie krass das wirkt, wenn Eltern und Mitschüler merken, wie schnell man mit gespielter Überzeugung Parolen auf der Bühne schreien kann.“

Drozak tourt mit dem Theaterkonzept durch Franken und hat es bereits an zehn anderen Schulen verwirklicht. Zu Grunde liegt eine Umfrage, die die Diözese zusammen mit Studenten erarbeitet hat. „Wir haben bei Polizisten, Lehrern aber auch Jugendlichen, die in die Szene involviert sind, nach den Methoden der rechten Organisationen gefragt“, erklärt der Theaterpädagoge. Aus diesen Interviews sei dann das Stück entstanden. „Auf diese Weise können wir ein sehr realitätsnahes Bild zeigen, wie die rechte Szene arbeitet.“
Christian Geutner 3.3

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