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Musik als Schlüßel zur Gefühlswelt – NZ

17. Mai 2015

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Viele Kinder und Jugendliche kommen zu Hannah Weimel, weil sie und ihre Familien psychische Probleme haben. Die Auslöser dafür sind vielfältig, aber auch die eigenen Ansprüche der Kinder oder die Forderungen der Gesellschaft an sie tragen unter Umständen dazu bei. Die NZ sprach mit der Musiktherapeutin über die  Herausforderungen, die sie und ihre Patienten in der Tagesklinik der Kinder und Jugendpsychiatrie im Klinikum Nürnberg Nord bewältigen müssen.

NZ: Wer sind die Patienten?

Weimel: Das sind Kinder und Jugendliche, die Verhaltensauffälligkeiten haben, emotionale Schwierigkeiten, Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivtät. Manche haben Schulangst, Schulphobie oder auch Probleme im Sozialverhalten.

NZ: Mit welchen Erwartungen kommen die Betroffenen zu Ihnen?

Weimel: Eltern erhoffen sich Hilfe für ihr Kind. Sie wollen, dass ihm mit sich selbst und seinen Problemen besser gehen kann. Kinder und Jugendliche, die zu uns kommen, merken, dass sie anders sind als andere, und das macht ihnen Druck. Sie erwarten Hilfe und Unterstützung, damit sie mit der Situation besser zurechtkommen, die zu diesen Problemen geführt hat. Manche schämen sich dafür, dass sie in die Psychiatrie müssen, weil sie es als Stigma sehen. Sie merken aber auch, dass ihnen dort geholfen wird.

NZ: Auf welche Art und Weise hilft die Musiktherapie einem Patienten?

Weimel: Musiktherapie ist sehr vielfältig. Es kommt auf das Alter der Kinder und Jugendlichen sowie auf das Störungsbild an. Über die musikalische Interaktion mit dem Patienten erfahre ich, wie es ihm geht, was er gerade innerlich spürt. Durch das gemeinsame Improvisieren mit Musikinstrumenten kann man Gefühlen   , die bis jetzt unterdrückt waren, einen Ausdruck verleihen. Später kann sich der Patient mit diesen Gefühlen auseinandersetzen und lernen, damit umzugehen. Durch meinen ressourcenorientierten Ansatz  spielen etwa auch die Arbeit in einer Band oder das Komponieren eigener Songs eine große Rolle.

NZ: Welche Erwartungen haben Sie als Therapeutin an sich?

Weimel: Ich möchte jedem wertschätzend und offen gegenüber treten, egal wer da kommt. Man muss den Menschen so sehen, wie er ist, mit seinen Schwächen, aber vor allen auch mit seinen Stärken. Die Anlage zur Selbstheilung ist bei den Patienten da. Ich glaube, dass sie schon wissen, was ihnen helfen kann. Sie sind sich dessen manchmal nur nicht bewusst und ich helfe ihnen, das wiederzuentdecken.

NZ: Wird heute mehr von Ihnen erwartet als früher?

Weimel: Ich merke schon eine gewisse Veränderung. Es müssen immer schneller Lösungen für Probleme gefunden werden, der gesellschaftliche Druck und die Anforderungen des Umfeldes werden höher.

NZ: Fühlen Sie sich unter Druck gesetzt?

Weimel: Da wir durch die Verkürzung der Therapiezeiten durch die Krankenkassen immer weniger Zeit haben, mit dem Patienten zu arbeiten, spüre ich diesen Druck von außen. Dann frage ich mich,ob meine Arbeit effektiv ist. Andererseits braucht es Zeit, um langfristig innerliche Veränderungen bei den Kindern und Jugendlichen zu bewirken. Und in diesem Spannungsfeld bewebe ich mich.

NZ: Wenn man die ganze Zeit Menschen mit psychischen Belastungen hilft, beeinflusst einen das auch selbst?

Weimel: Da braucht man eine sehr ausgeglichenen Alltag neben der Arbeit. Ich mache selber Musik in einer Band und bin dort in einer ganz anderen Rolle. Wenn ich als Sängerin auf der Bühne stehe, bin ich nicht in der Position, dass ich mir die Probleme von andere anhöre, sondern ich bin in Mittelpunkt und kann selbst meine Gefühle ausdrucken. Für mich ist es auch wichtig, viel Sport zu machen oder mich mit Freuden und Familie zu treffen. Das sind alles  Dinge, die dazu beitragen, dass es einem gut geht. Auch wenn man einen herausfordernden Job hat.

Fragen: Elene Mamaladze,  Kaan Yalcinkaya

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