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Mit Theater für Fachkräfte – Südwest Presse

5. Oktober 2017

herzwerker-slider_3Normalerweise arbeitet Patrik Ummenhofer mit älteren Menschen. Heute sitzt der gelernte Altenpfleger in der Inge-Aicher-Scholl Realschule vor Acht- und Neuntklässlern. Von einem alten Mann erzählt er den Schülern, dessen Hände stark gezittert hätten. „Er hat früher Klavier gespielt“, sagt Ummenhofer. „Da dachte ich mir: Ich setz denn Mann ans Klavier. Und wie er die Hand auf die Klaviatur legt, ist sie ruhig.“ Die Jugendlichen hören ihm gebannt zu. Dann springen sie auf. „Ihr habt eine Minute Zeit, die Szene umzusetzen“, sagt Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak.


„Szenische Berufsorientierung“ nennt sich das Theaterprojekt, das von den bayerischen Ministerien für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Pflege getragen wird. Acht Schüler bringen Szenen rund um den Alltag in sozialen Berufen auf die Bühne. „Um den Fachkräftemangel in sozialen Berufen zu beheben, wird versucht, das Image zu verbessern“, sagt Drozak. Dabei ginge es nicht darum die Berufe zu romantisieren, sondern aufzuklären, welche Fähigkeiten man dafür brauche. „Es gibt Handwerker. Es gibt Kopfarbeiter. Und es gibt Menschen, die mit anderen Menschen arbeiten wollen. Wir nennen sie Herzwerker.“

Schulleiter Stefan Vielweib ist begeistert, dass seine Schule für das Projekt ausgewählt wurde: „Berufsinformation gehört bei uns zum Profil. Dieses Projekt passt super bei uns rein.“ Nur eine Schule pro Regierungsbezirk dürfe in jedem Schuljahr mitmachen.

Auswahl beim Casting

Bevor es losging, mussten sich die Schüler der achten und neunten Klasse einem richtigen Casting der Agentur „Kunstdünger“ aus Nürnberg stellen. Rund 50 Jugendliche wollten mitmachen, hatten sich entsprechend angemeldet und vorbereitet, acht wurden von den Pädagogen Amrie und Hanns-Karl Zwinscher ausgewählt, berichtet Vielweib. Vier Tage lang wurde dann intensiv gearbeitet und geprobt. Wichtiger Bestandteil des Projekts sei die Zusammenarbeit mit örtlichen sozialen Einrichtungen. In Pfuhl sind die Kindertagesstätte Donaukinder, die Donau-Iller-Wohnstätte Jungingen, das Pflegeheim „Pflege für Menschen“ in Burlafingen sowie die Jugend- und Erwachsenenhilfe Seitz mit im Boot.

Die Jugendlichen führen Interviews mit Mitarbeitern, hören Geschichten aus dem Berufsalltag und gestalten daraus Szenen. „Die haben wirklich viel zu erzählen“, sagt Neuntklässlerin Diana. Ganz besondere Geschichten seien das, findet Ty.

Carlotta gefällt es, einen tieferen Eindruck in die sozialen Berufe erhalten zu haben: „Durch das Nachspielen konnten wir uns alles noch besser vorstellen.“ Lennart hat erfahren, dass Männer sehr gute Chancen hätten, in sozialen Berufen Fuß zu fassen.

Theaterpädagoge Drozak vertraut auf die Wirkung des Projekts, dass mittlerweile seit acht Jahren an Schulen in Bayern durchgeführt wird. „Die Aktion Herzwerker hat schon zu einem Anstieg an Fachkräften von zwanzig Prozent geführt“, sagt er. „Wir müssen uns die Frage stellen: Was sind unsere Werte? Und was sind sie uns wert? Genau da setzt Herzwerker an.“

Info
Wer sich eingehender über das Projekt und die Initiatoren informieren will, kann dies auf der Homepage www.herzwerker.de tun.

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