& Der Barfreitag& Pressespiegel+ Fluchterfahrung+ Wahljahr 2017Nordkurve - Aktuell
Mit Nadel, Schere und einer Menge Herzblut – NN

30. Januar 2017

15267613_10202525997987365_6679107608478733676_nOb sie gerade konzentriert an der Nähmaschine sitzt und ihr Kollege Hamdi Al Zinbarakji mit sicherer Hand Stoff für die nächste Kinderhose zuschneidet – für einen kurzen Plausch ist immer Zeit. Die beiden verstehen sich gut und arbeiten an einem gemeinsamen Ziel – Kinder in Nürnberg und Umgebung mit ganz besonderen Kleidungsstücken aus ihrer Schneiderei auszustatten. Dabei soll es nicht nur um Mode, sondern auch um soziale Verantwortung gehen.
Kunterbunte Mützen, Hosen, Westen, Röcke und Halstücher, genäht aus alten Blusen, Hemden oder Bettwäsche. Das hat das kleine Team vor und begibt sich damit auf Neuland. Sarah Seidel, die Schneiderin gelernt hat, studierte Sozialpädagogik und nähte erst einmal für ihren kleinen Sohn Klamotten. „Mit ihm habe ich für mich das Nähen wiederentdeckt.“ Die Kleidung fertigte sie dabei aus alten T-Shirts und Wollpullis an.


„Dann fragten mich meine Freunde, ob ich für ihre Kinder etwas nähen könnte.“ So entstand bei der 32-Jährigen die Idee, eine Kollektion für Kinder zu entwickeln. Hamdi Al Zinbarkji, der mehrere Jahrzehnte in der Modebranche tätig war, flüchtete vor dem Krieg in Syrien, landete vor etwa eineinhalb Jahren in Nürnberg und suchte nach seinem Platz und einer Aufgabe hier. Der Zufall brachte die beiden zusammen, erinnert sich Sarah Seidel: „Wir haben uns auf einer Ausstellung kennengelernt.“ Sarah Seidelüberlegte nicht lange und bot Hamdi an, bei ihr erst einmal ehrenamtlich mitzuarbeiten. Dem Syrer eine Chance zu geben, war für sie selbstverständlich. Dabei ist es eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe: „Ich mache Design, Hamdi hilft bei der Umsetzung und kann Nähmaschinen reparieren“. Schließlich hat der 56-Jährige noch als Jugendlicher das Schneiderhandwerk in seiner Heimat gelernt und arbeitete jahrzehntelang als Produktionsmanager für große auch internationale Modeproduzenten.

„Ich bin nicht in Deutschland, um hier nur zu essen und zu schlafen. Ich habe einen guten Beruf und will arbeiten.“ Er hat auch schon zwei Nähkurse für Frauen mit Migrationshintergrund in Nürnberg geleitet. „Noch ist es ein Projekt, aber wir wollen es auf professionelle Beine stellen“, erläutert die Nürnbergerin. Seit ein paar Monaten hat Sarah Seidel nun ihr Atelier, in dem sie an ihrer ersten Kollektion tüftelt. Bei der Kreativagentur „Die Krieger des Lichts“ hat sie Gleichgesinnte, Geschäftspartner und für ihr Atelier einen Raum gefunden. „Die Mode von Sarah ist sehr lebendig, bunt und leicht rebellisch. Sie hat Charakter“, zeigt sich Florian Pohrer begeistert. „Sarah holt sich Inspiration aus alten Modekatalogen. Die 90er sind wieder cool. Außerdem werden die Klamotten aus alten Kleidungsstücken oder Bettlaken genäht. Diese Materialien sind am schadstoffärmsten, weil sie schon so oft gewaschen worden sind. Das ist gut für Kinder“, so der kreative Leiter der Agentur. Einen Namen für die künftige Firma gibt es auch schon: NKITH. Die Buchstaben stehen für „New Kids In The Hood“, also aus dem Englischen übersetzt so viel wie „Neue Kinder in der Nachbarschaft“. Dabei soll der Name unter anderem auch auf die Flüchtlingskinder anspielen. „Ich will nicht nur Mode machen. Für mich spielt auch die soziale Komponente eine Rolle“, sagt Seidel, die schon viel Erfahrung in der ehrenamtlichen Arbeit, auch mit Flüchtlingskindern, gesammelt hat. Ein gutes Miteinander ist ihr wichtig. Deswegen würde die junge Frau gerne neben Hamdi Al Zinbarkji noch mit anderen Menschen mit Fluchterfahrung arbeiten: „Auch Praktikanten sind mir willkommen. Es kommen so viele gute Schneider zu uns ins Land, aber hier gibt es kaum noch Produktionen. “Die NKITH-Klamottensollen unbedingt in der Region genäht werden, am besten in einer kleinen, lokalen Näherei, betont Seidel. Wenn das Geschäft gut läuft, dann kann sie sich auch vorstellen, eine eigene Näherei zu betreiben.

Doch zuerst gehört die erste Kollektion an die Eltern gebracht. An drei Samstagen im Advent – am 3., 10. und 17. Dezember –präsentieren und verkaufen Sarah Seidel und Hamdi Al Zinbarkji von 14 bis 18 Uhr ihre bunten Kindersachen in den Räumen des Vereins „Nordkurve“ in der Rothenburger Straße 51a. „Es wird Musik, Kaffee und Kuchen geben und für die Kinder etwas zur Beschäftigung“, sagt Sarah Seidel.

Dieser Beitrag wurde unter & Der Barfreitag, & Pressespiegel, + Fluchterfahrung, + Wahljahr 2017, Nordkurve - Aktuell veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.