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Mellrichstadt – Herzwerker – Mainpost

6. Mai 2015

schmollender Jugendlicher - Jugendhilfe 2

Berufsberatung einmal anders: Auf den ersten Blick schien das, was sich da auf der Bühne der Mellrichstädter Ignaz-Reder-Realschule abspielte, eine kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Problemen unserer Gesellschaft zu sein. Doch rasch wurde die wahre Intention deutlich: Junge Menschen werden pädagogisch ausgefeilt ermuntert, einen sozialen Beruf zu ergreifen.

Das ist auch der Ansatz der „Herzwerker“, einem Projekt des Bayerischen Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. Kernstück ist eine schauspielerische Bearbeitung unterschiedlicher Szenen in einem Kindergarten, Pflege- oder Kinderheim. Der Theaterpädagoge Jean-Francoise Drozak besucht dazu Schulen in ganz Bayern und stellt ein kleines Ensemble zusammen, mit dem er typische Szenen aus einer sozialen Einrichtung einstudiert. Das Dargestellte verknüpft er mit Interviews mit tatsächlichen Mitarbeitern solcher Einrichtungen, mit eigenen Lebenserfahrungen und mit Publikumsbefragungen.

In der ersten Szene zeigt er eine alltägliche Situation in einem Kindergarten. Dazu erkundigt sich Drozak bei Bettina Wukowojac, der Leiterin des Kindergartens St. Josef, nach der Problematik des eben Dargestellten. Sehr schnell wird deutlich, wo Erziehungsdefizite vorliegen und wo Eltern überfordert sind, dass der berufliche Umgang mit Kindern eine enorme Verantwortung beinhaltet, aber auch, dass die Arbeit enorme Befriedigung verschafft.

Ähnlich der Tenor einer Mitarbeiterin eines Pflegedienstes und der Sozialpädagogin aus einer Jugendbetreuungseinrichtung. Da ist einerseits der gesellschaftliche Auftrag, den die beiden erfüllen und der sie täglich vor neue Herausforderungen stellt, da sie es mit ständig wechselnden, völlig unterschiedlichen Individuen zu tun haben. Auf der anderen Seite heben sie die Erfahrung großer Dankbarkeit, wie sie in anderen Berufen kaum anzutreffen ist, hervor.

Dass in Sozial- und Pflegeberufen erheblicher Personalmangel herrscht, ist dem in der Öffentlichkeit verbreiteten negativen Berufsbild geschuldet, das nur die unangenehmen Seiten herausstellt, so Jean-Francoise Drozak. Seine Botschaft lautet: „Probiert es aus, traut euch, macht ein Praktikum dort“. Bei zwei weiteren Vorstellungen vor Schülern der Realschule wird er seine Aufforderung, auf eigene Erfahrungen zu vertrauen, ans Ende der Aufführung stellen.

Eckhard Heise

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