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Mehr durch weniger Kopf – NZ

17. Februar 2015

Räumlichkeiten

Entbindung kann man nicht planen – Ein Yogakurs, bei dem die werdende Mama und ihr Ungeborenes entspannen sollen, Kopfhörer auf   dem dicken Bauch, damit das Baby durch die klassische Musik klüger wird. Ratgeber für Schwangere, die sich auf dem Nachtkästchen stapeln: Das Baby ist noch nicht auf der Welt, da bemühen sich die meisten Frauen schon, für ihr Kind stets ihr Bestes zu geben. Doch wann ist das Beste gut genug?


Das richtige Maß zu finden ist schwer. Zu groß ist das Angebot für jemanden, der von Anfang an als Mutter alles richtig machen will. „Diese Entwicklung bringen den Frauen mehr Unsicherheit als Freude und setzt sie noch mehr unter Druck“, sagt Huda Havila. Frauen sind berufstätig, haben wenig Zeit. „Das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein, kommt da schnell.“ Vor allem beim ersten Kind stellen die Frauen oft zu hohe Erwartungen an sich selbst, beobachtet die Hebamme aus der Hebammenpraxis am Plärrer. „Meine Aufgabe ist es dann, der Frau den Druck zu nehmen“, so die 25-Jährige.

Wer nicht alles perfekt machen will, kommt mit den Herausforderungen einer Entbindung besser klar.  „Am besten ist es, bei der Geburt den Kopf auszuschalten und sich auf das Geschehen einzulassen“,  empfiehlt Hawila.  „ Es gibt Frauen, die sehr verkopft sind. „Diese Frauen haben eine ganz genaue Vorstellung, wie die Geburt abzulaufen hat. Aber die lässt sich schlecht im Voraus managen. Die Planbarkeit und Minimierung der Risiken sind auch die Gründe, warum die eine oder andere Schwangere sich für einen Kaiserschnitt entscheidet.

Eine bewusste Auseinandersetzung mit der anstehenden Geburt hält die Hebamme dennoch für sinnvoll: „Frauen, die über ihren Körper Bescheid wissen, haben es besser bei der Entbindung, da sie keine Angst haben davor, was kommt.“

Bis zu dreißig Frauen betreut Hawila in Vor- oder Nachsorge gleichzeitig in der Praxis und macht auch Hausgeburten. „Das wünschen sich eher Frauen, die nicht zu perfktionistisch sind, sich aber viel mit ihrem Körper auseinandersetzen. „Ihre Aufgabe sieht Hawila darin, die Frau in diesem Process zu begleiten und sich auf ihre Bedürfnisse einzustellen. Doch selbst bei einer körperbewussten  Frau kann es vorkommen, dass die Hausgeburt abgebrochen wird und die Gebärende doch ins Krankenhaus muss – ein unangenehmes Erlebnis, gibt Hawila zu.

„Ich hinterfrage dann meine Arbeit und die Frau ihre  weibliche Kraft.“
Ein Weltuntergang ist es dennoch nicht. „Es gibt immer einen Grund, warum es so ist, auch wenn   dieser nicht ersichtlich ist. Und letztendlich entscheiden die Kinder, wo sie geboren werden“, ist Hawila überzeugt. Trotz aller Unsicherheit, die eine Hausgeburt mit sich bringt, will die Hebamme den Frauen weiterhin helfen, ihre Kinder daheim auf die Welt zu bringen. Doch auch eine Entbindung in einem Krankenhaus kann für manche Frauen das richtige sein: „Beide Möglichkeiten muss man akzeptieren. Da, wo die Frau sich am wohlsten fühlt, funktioniert es auch gut“, sagt Hawila.

Ist das Abenteuer Geburt überstanden, geht es mit dem Abenteuer Kind weiter. „Manche Frauen haben zu hohe Erwartungen nicht nur an sich selbst, sondern auch an ihr Kind und wollen von mir eine Lösung“, so die Hebamme. Das Kind ist sechs Monate alt und schläft noch nicht durch und verweigert seinen Brei, wo es doch bei den anderen auch klappt – damit wird Hawila immer wieder konfrontiert. „ Aber jedes Kind ist anders.“ Das gilt es zu akzeptieren.

Ella Schindler

Das Theater- und Zeitungsprojekt „Selbstoptimierung in der Medizin – ein Trend?“ wurde mit Unterstützung des Kulturbüros Muggenhof realisiert.

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