- Die Berufsberatungsgala& Pressespiegel+ FachkräftemangelDie Agentur für Kulturdesign
Maristen werden Herzwerker – Bayernwald Echo

11. November 2012

maristen.thumbnail

CHAM. Acht Schüler der Maristenrealschule sitzen im Halbkreis auf ihren Stühlen im Musiksaal. Vier davon sind noch in der achten Klasse und vier Jungs absolvieren gerade die neunte Klasse an der Realschule. Vor ihnen hat sich der 2o-jährige Benjamin Diepold platziert. Benjamin befindet sich gerade im dritten Ausbildungsjahr zum Altenpfleger in der Regens-Wagner-Stiftung in Michelfeld bei Auerbach. Ganz locker auf einem Absatz der Bühne sitzt der Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak von „Kunstdünger“, der Agentur für Kulturdesign. Jean, wie ihn die Jungs nennen dürfen, ist mit der Initiative „Herzwerker“ für eine Woche an die Bubenrealschule gekommen.

In einem Wohnwagen, im Pausenhof der Maristen, übernachtet er. Die Initiative „Herzwerker“ wird im Rahmen der Berufsorientierung an der Schule durchgeführt. „Herzwerker“ sind Menschen, die in sozialen Berufen wie der Altenpflege, der Kindertagesbetreuung, der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe arbeiten. „Diese Berufe stiften Sinn und sind unverzichtbare Säulen unserer Gesellschaft“, erklärt Jean-Francois Drozak.

Nach einem aufregendem Casting, in dem sich acht Schüler dafür qualifizierten, eine ganze Woche lang vom Unterricht befreit zu werden und dafür ein Theaterstück zu erarbeiten, sind Anton, Bastian, Lukas, Dominik, Johannes, Josef, Sven und Philipp voll bei der Sache.


Kurzgeschichten von Herzwerkern
Das Theaterstück befasst sich mit Geschichten aus sozialen Berufen. Im Vorfeld führte das Schauspielteam Interviews mit Menschen, die in sozialen Berufen tätig sind. Entstanden und zu sehen sind am heutigen Abend dann Kurzgeschichten, die aus dem Leben von Herzwerkern erzählen. Diese Interviewpartner werden während der Aufführungen anwesend sein.

Es gibt Handwerker. Es gibt Kopfarbeiter. Und es gibt Menschen, die nicht nur mit Hand und Köpfchen arbeiten wollen, sondern noch etwas mehr suchen. Die mit anderen Menschen arbeiten möchten. Professionell und engagiert. Und denen es Spaß macht, anderen Menschen mehr Lebensqualität und Lebensfreude zu vermitteln, ihnen Perspektiven zu eröffnen, sie zu fördern und zu begleiten. „Und diese Menschen nennen wir „Herzwerker“, erklärt Jean. Weil Herzwerker zwar viel Gutes tun, aber selten darüber reden, entstand die Idee mit Jean-Francois Drozak

Kurzgeschichten aus deren Berufsleben zu inszenieren. Durch das Theaterprojekt können Schüler, Eltern und Lehrer erfahren, wie soziale Berufe fordern, fördern und bereichern, wie vielseitig sie Menschen verbinden, und auch darüber, welche Karrierechancen die sozialen Berufe bieten: interessante Einblicke für alle Bürger und ganz besonders für Berufseinsteiger und -umsteiger. Das Theaterprojekt entstand an der Realschule in Kooperation mit dem bayerischen Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.

Der 20-jährige Benjamin Diepold ist so ein „Herzwerker“. Er befindet sich im dritten Ausbildungsjahr zum Altenpfleger. Er erzählt den Maristen an diesem Vormittag, dass er durch eine Freundin in diesen Beruf eingestiegen ist. In der Einrichtung, in der er als Herzwerker tätig ist, befinden sich überwiegend behinderte, ältere Menschen.

Dass sein Beruf ihm manchmal sehr viel von ihm abverlangt, weiß er zu erzählen. „Aber es gibt so viele Momente, wo man darüber glücklich ist, dass man den Menschen, die manchmal sehr hilflos in ihren Betten liegen oder im Rollstuhl sitzen, helfen kann und dafür vielleicht mit einem Lächeln oder einem über die Hand streifen belohnt wird“, sagt er vor den Jungs. In einigen Sätzen erzählt der den acht Schülern von einer Frau, die wegen einer Erkrankung auf jegliche Hilfe angewiesen ist.

Du hast es gut, du kannst laufen“ Auch an diesem einen Wochentag setzte Benjamin die Frau, zusammen mit einer Kollegin, in den Rollstuhl und brachte sie in den Speisesaal. Er selber war an diesem Tag eher schlecht drauf. Mit schlechter Laune verrichtete er seine Arbeiten im Speisesaal und als dann auch noch ein Anruf kam, war seine Laune auf dem Tiefpunkt angelangt. Erst als die Frau im Rollstuhl zu ihm sagte: „Mensch, Benjamin, du hast es gut, du kannst laufen“, änderte sich seine schlechte Laune schlagartig und er kam ins Grübeln.

Solche Menschen können einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, erklärte er den Jungen. Die „Schauspieler“ hatten nun exakt 60 Sekunden Zeit, aus dem Erzählten eine Kurzgeschichte zu gestalten. Die vier Köpfe wurden zusammengesteckt, eine kurze Absprache erfolgte, dann wurden Stühle gerückt, Rollen verteilt und die erste Probenvorführung war perfekt. Benjamin war erstaunt, wie exakt dies bereits beim ersten Mal geklappt hat. Auch Jean klatschte Beifall. Insgesamt kamen vier Herzwerker an die Schule, nach deren Interviews und Kurzgeschichten insgesamt acht Szenen in Kleingruppen erarbeitet wurden. Donnerstag  Abend ist Premiere.

Dieser Beitrag wurde unter - Die Berufsberatungsgala, & Pressespiegel, + Fachkräftemangel, Die Agentur für Kulturdesign veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.