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Man darf nie zu ruhig vor Auftritten sein

1. März 2016

Musik-300x202Paulo Arantes hat das geschafft, wovon viele Musiker träumen. Der 58-Jährige spielt seit 26 Jahren bei der Staatsphilharmonie Nürnberg Oboe. Über seinen Weg dorthin und den Alltag als Musiker spricht er im NZ-Interview.

NZ: Wann haben Sie denn angefangen, Oboe zu spielen?

Paulo Arantes: Oboe zu spielen, habe ich begonnen, als ich 16 war, davor habe ich Flöte gespielt. Der Zufall entschied, dass ich Oboe spiele, damals gab es in Brasilien eine kostenlose Musikschule, aber nur für bestimmte Instrumente, die dort weniger populär waren. So kam ich zur Oboe.

 

NZ: Was hielt Ihre Familie davon, dass Sie Musiker werden wollten?


Arantes: Mein Vater war Zahntechniker, so wie viele aus meiner Familie. Alle fanden es gut, dass ich ein Musikinstrument spiele, jedoch schwebte ihnen Musiker als Beruf für mich nicht vor. Aber als ich meine Musikerausbildung in Deutschland fortsetzen wollte und kein Geld für ein Flugticket hatte, verkaufte mein Vater sein Auto und sagte: ,,Geh und versuche es.“ Da habe ich eine sehr starke Unterstützung von Familie und Freunden erfahren.

NZ: Sie spielen bei einem renommierten Orchester. Wie sind Sie so weit gekommen?

Arantes: Auch hier spielten Zufälle eine Rolle. Ich habe zum Beispiel mit zwei Freunden in meiner Freizeit auf der Straße Musik gemacht, da kam zufällig ein Reporter vorbei und am nächsten Tag stand ein Artikel über uns in der Zeitung. Daraufhin bekamen wir eine Anfrage vom Lions Club, bei einer Veranstaltung zu spielen. Da fügte sich vieles zusammen.

NZ: Warum schafft es nicht jeder, von seiner Kunst zu leben?

Arantes: Es hat viel mit Arbeit, Hingabe und gewissen Fügungen im Leben zu tun, aber ich kenne viele, die vielversprechend anfingen und dann aber aufhörten.

NZ: Wie oft am Tag spielen Sie und macht Ihnen das überhaupt noch Spaß?

Arantes: Ich beschäftige mich so viel wie möglich mit meiner Oboe, dazu kommt noch die Arbeit mit dem Orchester. Meine Musik ist daher das Ergebnis vieler Stunden Übung. Und es macht mir immer noch großen Spaß. Ich mache das, was ich liebe, und meine Liebe ist die Musik.

NZ: Würden Sie gerne als Musiker im Mittelpunkt stehen?

Arantes: Es ist nicht wichtig, ob man im Vordergrund oder im Hintergrund steht. Und ich fühle mich nicht im Hintergrund. Im Orchester hat jedes Instrument seine Berechtigung. Und das Ziel eines Musikers sollte sein, der Musik zu dienen und nicht im Vordergrund zu stehen.

NZ: Gibt es Schattenseiten in Ihrem Beruf?

Arantes: Das gibt es in jedem Beruf. Man muss oft abends spielen, geprobt wird vormittags. Für Mütter, deren Kinder noch im Kleinkindalter sind, wird es problematisch. Aber man findet für alles eine Lösung. Dafür hat man zum Beispiel nachmittags Zeit.

NZ: Glauben Sie, man lernt als Musiker aus, oder kann man auch als Routinier noch von Jüngeren lernen?

Arantes: Man kann immer etwas lernen, auch von jüngeren Kollegen. Und auch von Kollegen, die andere Instrumente spielen.

NZ: Haben Sie immer noch Lampenfieber vor Auftritten?

Arantes: Lampenfieber hatte ich nie, aber ich spüre eine gewisse Grundspannung und das ist auch gut so.

Man darf nie zu ruhig vor Stücken sein, sonst macht man Fehler. Man muss vor der Aufgabe Respekt haben.

Fragen: Josias Yonas, Gagandeep Kang

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