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Leute mit Idealismus und Herzblut sind gefragt

20. Oktober 2015

schmollender Jugendlicher - Jugendhilfe 2Gelungener Theaterabend an der Ignaz – Reder – Realschule im Rahmen der Kampagne „Herzwerker“ – Soziale Berufe in Fokus

Mellrichstadt. (th) Dieser Theaterabend war etwas ganz Besonderes. Gleich zu Beginn spürten die Zuschauer in der Aula der Ignaz – Reder – Realschule, dass es dem Initiator Jean – Francois Drozak ein Bedürfnis ist, Jungen Menschen auf der Suche nach dem passenden Beruf, besser gesagt, der passenden Berufung, behilflich zu sein. Mit der Kampagne „Herzwerker“ wurden neue Wege intelligenter Berufsberatung beschritten.

 


Der Theaterpädagoge hatte eine Schulwoche lang intensiv mit den Schülerinnen und Schülern der achten und neunten Klassen gearbeitet, bevor diese dann an Donnerstagabend verschiedene Szenen aus sozialen Berufen bravourös schauspielerisch umsetzen. Schulleiter Ulrich Kluge versprach einen interessanten Abend und machte neugierig auf das, was in den nächsten 90 Minuten folgen sollte.

Regisseur Drozak erklärte, dass er es sich zum Ziel gemacht habe,  Menschen für soziale Berufe zu gewinnen, denn Leute mit Idealismus und Herzblut seien gefragter denn je. Mit sieben Schülerinnen und Schülern machte er in verschiedenen Szenen auf den Berufsalltag einer Erzieherin, einer Altenpflegerin, einer Heilerziehungspflegerin und einer Sozialarbeiterin neugierig. Drei Fachkräfte, welche in den jeweiligen Berufen arbeiten, waren vor Ort und bereicherten den Abend, indem sie im Interwieustil Fragen des Moderators beantworteten. Dabei fiel die Einfachheit der Inszenierungen besonders positiv auf. Es brauchte gar nicht viel um zu zeigen, wie diese Menschen im Alltag mit den ihnen anvertrauten Schützlingen umgehen.

Den Anfang machte Bettina Wukowojac vom katholischen Kindergarten St. Josef. Schauspielerisch folgte nun die erste Szene, welche die morgendlich Bringzeit widerspiegelte. Hier wurde deutlich, dass jedes Kind mit einer anderen Stimmung in die Tagesstätte kommt. Es braucht viel Gefühl, auf die quengelnden und häufig unausgeschlafenen Kleinen einzugehen und sich auch zum Kindeswohl mit den Eltern auseinanderzusetzen. Wukowojak erklärte, dass es oft zu wenig Hände und Arme habe, um die Schützlinge zu versorgen und zu trösten. „Kinder sollen eine gute Persönlichkeit entwickeln“, so lautet ihr persönliches Ziel. Es sei eine besondere Wertschätzung, wenn Kinder den Erzieherin ihr Vertrauen schenken, da die kleinen Leute absolut ehrlich und nicht berechnend seien.

Kerstin Seufert arbeitet bei der örtlichen Caritas – Sozialstation St. Kilian in der häuslichen Altenpflege. Sie nahm nun am Bühnenrand Platz und erzählte von den Herausforderungen ihres Berufes. Mit der bewegenden Szene „Das würdevolle Sterbezimmer“ wurde gezeigt, wie alte Menschen zuhause auf liebevolle Weise aus dem Leben hinaus begleitet werden können. Hierzu braucht er Fachkräfte, welche den Familienangehörigen und Sterbenden beistehen.

Mit dem Patienten auf die Insel
Etwas heiterer, wenngleich mit ernsten Hintergrund, folgte die Szene „Der Barbier“. Menschen, die geistig verwirrt sind und in ihrer eigenen Welt leben, brauchen ganz besondere Zuwendung und fordern von den Pflegenden wein spezielles schauspielerisches Talent. „Man muss sich auf die Insel begeben, auf welcher der Patient sich gerade befindet“, formulierte es Kerstin Seufert.

Mit den Worten „Sie pflegen die Menschen, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut haben“, brachte der Regisseur seine Wertschätzung sowohl dem Pflegeberuf als auch den Pflegebedürftigen gegenüber in Ausdruck. Keine alltägliche Sichtweise und ein Gedankenanstoß für die jüngere Generation, auf diese Art den alten Menschen „Danken“ zu sagen. Auch die Aussage „Herzwerker sind mehr wert als jede Aktie“ sprach für sich.

Es folgte eine Szene zum Beruf der Heilerziehungspflegerin, bevor Maria Herleth im roten Sessel Platz nahm. Sie arbeitet als studierte Sozialarbeiterin in einem gemeinnützigen Kinderheim. Regisseur Drozak betont bewusst die Bezeichnung Kinderheim. Er selbst kam als 14 – Jähriger in ein solches. Diese positive Erfahrung sollte ihn nachhaltig prägen und schließlich auch zu seiner Berufswahl führen. Charismatisch erzählte er davon, dass selbst damals kurz vor der Verwahrlosung stand und die Dankbarkeit für seine Erzieherinnen stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Über die Problematik der „Wohlstandsverwahrlosung“
„Wer Danke sagt, muss zuerst erkennen dass er selbst es wert ist Danke sagen zu dürfen.“ Mit diesen Worten brachte der Theaterpädagoge zum Ausdruck, wie wichtig gesundes Selbstwertgefühl und die Wertschätzung der Mitmenschen sind. Es folgte die Erklärung von Maria Herleth zur Problematik der „Wohlstandsverwahrlosung“ Sie berichtete von Jugendlichen in ihrer Einrichtung, der materiell alles haben, was sie sich wünschen, ansonsten aber lebensunfähig seien.

„Diese Leute kriegen alles gemacht und werden verwöhnt, können aber praktisch noch nicht einmal eine Gurke schälen“, wurde sie konkret. Meistens seien jene Kinder überdurchschnittlich intelligent und lernen daher schnell. Vom Jugendamt sprach sie überwiegend positiv und sie verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass in Zweifelsfällen der zuständige Jugendamtsmitarbeiter sich vor Ort ein Bild mache, bevor über das weitere Leben eine jungen Menschen entschieden werde.

An Schulen ein Zeichen setzen
Mit viel Applaus wurden die Akteure von der Bühne verabschiedet. Regisseur Jean – Francois Drozak bedankte sich bei den drei Damen aus den Sozialberufen und natürlich bei den großartigen Schauspielern. Er selbst zieht mit dem Projekt  Herzwerker durch unser Bundesland und setzt somit ein Zeichnen an den Schulen. Die Abendveranstaltungen sind absolut positives Erlebnis für alle Anwesenden, egal ob aktiv oder  passiv. Auf diese ungewöhnliche Weise erfahren Berufssuchende und deren Eltern, welchen wichtigen Beitrag Menschen in sozialen Berufen für unsere Gesellschaft leisten. Unterstützt wird das Ganze vom Bayerischen Sozialministerium im Rahmen der Kampagne „Herzwerker“ – Soziale Berufe in Bayern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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