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Künstler ist kein Beruf, sondern eine Berufung

17. März 2016

fran-272x300Bilder kann man bei Ikea kaufen, aber das ist keine Kunst, das ist Dekoration. Kunst bedeutet Gefühle, die nur ein Künstler produzieren kann“, sagt Francesco Ferrante. Seit drei Jahren ist er „radikaler Künstler“. Er hat im Call Center gearbeitet, er war Bühnenbildner und ist jetzt frei: „Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich keine Grenzen habe–meine Fantasie ist total frei.“ Ferrante war in Italien auf einem Mathematikgymnasium.

Mit 18 Jahren beschloss er, Künstler werden zu wollen, aber sein Vater war dagegen. „Er wollte, dass ich in der Apotheke meiner Tante arbeite, ein fester Beruf, bei dem ich viel Geld verdiene.“ Vater und Sohn einigten sich auf einen Kompromiss. Als Basis für einen kreativen Beruf machte Ferrante eine Ausbildung zum Bühnenbildner.

„Als Handwerker habe ich vieles im Theater gelernt, was ich später in der Kunst gebrauchen konnte“, sagt der heute 34-Jährige. Beim Theater in Sardinien hat er seine Muse kennengelernt und ist dann zu ihr nach Erlangen gezogen. „Meine große Liebe hat mich inspiriert zu malen, ohne sie wäre ich nicht Künstler geworden.“ Er mietete ein Atelier in Gostenhof, am selben Tag verließ ihn seine Freundin, weil sie um die Welt reisen wollte und er nicht mitkommen konnte.

„Egal, ob ich glücklich oder traurig bin, ich male je nach Gefühl und das ohne Arbeitszeiten“, erzählt er. So könne er an einem Tag 20 bis 30 Bilder produzieren oder auch gar keins. Manchmal ist er unsicher, weil der Beruf keine finanzielle Sicherheit bietet. „Ich kann mein Leben nicht planen; das Risiko bleibt, bis man ein berühmter und erfolgreicher Künstler ist.“ Zu seiner ersten Ausstellung kamen bereits 200 Leute. „Ich war so überrascht, weil ich nur einen kleinen Freundeskreis habe“, sagt der Nürnberger Künstler. „Ab diesem Moment, habe ich gemerkt, dass ich etwas erreicht habe. Das war ein Höhepunkt meines Lebens.“

Erfolg hängt seiner Meinung nach nicht von einem Akademieabschluss oder Geld ab, sondern: „Man muss Respekt von den Menschen bekommen.“ Manchen gelingt das erst nach ihrem Tod. „Viele sind arm gestorben und haben es trotzdem als Künstler geschafft. Mit der richtigen Kommunikation hätte es vielleicht schon vorher geklappt.“ Überhaupt können Künstler viel bewirken. „Die Menschen brauchen mich, sie brauchen Künstler“, meint Ferrante. „Wir verstehen Dinge, die selbst Politiker nicht verstehen und können sogar eine Revolution anzetteln.“ Mittlerweile ist seine Familie stolz darauf, dass er es so weit geschafft hat.

Für ihn selbst ist Künstler trotzdem kein richtiger Beruf. „Jeder kann malen und behaupten, dass er Künstler sei. Wenn ich tot bin, wird man meine Werke haben und sich so an mich erinnern, aber wenn ein Arzt tot ist, erinnert sich keiner an das, was er gemacht hat“, sagt Ferrante. Kunst ist eher ein Lebensstil. Das zeigt auch seine Kleidung: Er trägt an diesem Tag eine bayrische Lederhose mit bunten Ansteckern, grün-schwarz gestreifte Kniestrümpfe und lila Turnschuhe, dazu ein Jacket, einen bunten Schal und einen roten Hut mit Federn. „Ich glaube, so wie ein Priester, dass ich eine Mission habe.“

Adam Taha Pereira Zinaoui, Zarah Hussain

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