& Der Barfreitag& PressespiegelNordkurve - Aktuell
Kreative Eingriffe in elterliche Formen – NN

4. März 2012

3176236316

Nürnberg  – Die eine ordnet Erinnerungen an die eigene Kindheit in neue Muster, die andere zeigt Unordnung und frühen Spaß ihrer kleinen Tochter: Die Fotos von Stefanie Weser und die Arbeiten mit Video-Schnipseln von Christiane Weber über Kindheit im Allgemeinen und Besonderen ergänzen sich perfekt. Sie sind derzeit in der Galerie Nordkurve zu sehen.

Stefanie Weser nennt die Kreativ-Spielplätze ihrer Tochter Malina „Tatorte“, und für ordnungsliebende Menschen dürften sie auch alles andere als Kunstwerke sein: der mit dem Finger vermalte Saft auf dem Fußboden, ein aufgeschnittener und wieder mit groben Stichen zusammengenähter Pullover („Kaiserschnitt“) oder der Brotlaib in der Pfanne („Brot backen“): Was Kindern so einfällt, wenn sie zweieinhalb Alltagsdinge in die Finger kriegen, gefällt Eltern manchmal weniger oder ist mit größeren Aufräumarbeiten verbunden. Weser hat den Spieß umgedreht und gegen aufkommende erzieherische Verzweiflung einfach immer wieder die Kamera gezückt.


Ihre einfach an die Wand gepinnten Fotos sind witzig und zeigen, was menschliche Fantasie so alles anfangen kann, wenn die Fesseln nicht so eng sitzen. Vielleicht wirken sie auch befreiend auf verkrampfte Erwachsene.

Christiane Weber hat Weser erst für dieses Ausstellungsprojekt unter dem Titel „BimBamBambini“ kennengelernt, doch die Werke ergänzen sich, als wär’s geplant. Weber arbeitet mit alten Film- und Videobändern aus ihrer Kindheit, die sie als Webfäden, Umwicklung oder wirres Knäuel präsentiert. Oft zerschneidet sie sie, kombiniert die schwarzen Streifen mit weißen Gips-Bandagen oder notiert darauf Assoziationen, verarbeitet nicht nur eigene Erinnerungen, sondern auch Hinterlassenschaften anderer. Zum Beispiel ein Schulbuch ihrer Mutter, das sie erschüttert hat mit seinem autoritären Weltbild, das den Kindern damals eingebläut wurde.

Während Wesers Fotos auf den ersten Blick für sich sprechen, sind Webers meist gleichformatige quadratische Arbeiten hintergründig im doppelten Sinn und zeigen darüberhinaus eine eigene, als Textilkunst erinnernde Ästhetik. Zusammen ergibt sich ein spannender Blick in die Facetten des Kind-Seins.

Zu sehen jeweils am „Bar-Freitag“ in der Nordkurve, freitags ab 20 Uhr, bis 16. März, Rothenburger Straße 51a.

Dieser Beitrag wurde unter & Der Barfreitag, & Pressespiegel, Nordkurve - Aktuell veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.