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Kochen muss nicht zelebriert werden – NN

7. Januar 2012

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FÜRTH  – Turmhohe Burger und halb verhungerte Mädchen: Das kann nicht gesund sein! Aber erhobene Zeigefinger haben noch nie gewirkt, deshalb spielt Jean-Francois Drozak mit Jugendlichen appetitliches Theater. In der kommenden Woche wird der Theaterpädagoge in der Soldnerschule gastieren. Was die Schüler beim Projekt „Fast Food“ — gefördert vom Kreisjugendwerk der Awo und von „Der Beck“ — anrühren? Unser Tipp: Aufführung am Donnerstag, 24. November, um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Herr Drozak, Jugendliche mögen Pizza und Döner, sie lieben Burger …

Drozak: … Fast Food ist nicht schlecht, so lange es ein Hobby ist! Aber Jugendliche sind oft in Lebenssituationen, in denen es der Familie schwerfällt, etwas Gescheites auf den Tisch zu bringen.

..wie kann ein so pädagogisches Thema wie „gesunde Ernährung“ bei ihnen ankommen?

Drozak: Wir beweisen auf eine verspielte Art, dass man mit Lust und einer Idee in 60 Minuten eine tolle Mahlzeit kochen, essen und sogar abwaschen kann. Mit diesem Experiment vermitteln wir gerade Jungs, dass es Spaß macht, sich selbst zu versorgen.


Steht das Stück fest oder entwickeln Sie etwas?

Drozak: Wir adaptieren den Brandner Kasper für Fürth. Die Ausgangslage: Die Pegnitz steigt und alles steht unter Wasser, nur das Hotel Maria nicht… Die Rahmenhandlung ist also vorgegeben, während der Proben können aber eigene Ideen einfließen und von den Jugendlichen in ihrer Sprache erzählt werden.

Sie setzen das Projekt Fast Food zum neunten Mal um. Welche Erfahrung haben Sie an anderen Schulen gemacht?

Drozak: Kurios war es in Herzogenaurach. Wir kochen immer Chili Chicken, aber im Januar gab es einen Skandal um dioxinverseuchte Hähnchen. Wir mussten aktuell auf dieses Ernährungsproblem unserer Gesellschaft reagieren und schnell ein neues Rezept entwickeln. An einer anderen Schule wurde der Kasper von einem Türken gespielt. Ein 13-Jähriger, der besser fränkisch konnte als ich. Da zeigt sich Regionalpatriotismus.

Sie sind mit Ihren Projekten in ganz Deutschland unterwegs. Wie lebt ein Theatermacher?

Drozak: Ich fahre an die Schule und verbringe die meiste Zeit mit den Schülern. Wenn möglich, stelle ich meinen Campingwagen auf den Pausenhof und übernachte dort. Im Gegensatz zu anderen Theaterprojekten, bei denen Profis für zwei Stunden an die Schule kommen, habe ich einen ganzheitlichen Ansatz: Ich teile den Alltag und lebe mit ihnen.

Was macht das Projekt aus?

Drozak: Die Schauspieler werden vorher vom Team gecastet. Die acht Schüler sollen aus möglichst vielen Klassen kommen, um die Identifikation zu stärken. Es sollen auch nicht nur die allerbesten Schüler auf die Bühne gehen, sondern der Durchschnitt.

Große Theater mit gelernten Schauspielern proben wochenlang für eine Aufführung – wie wollen Sie das mit durchschnittlichen Jugendlichen in vier Tagen schaffen?

Drozak: Ich habe eine spezielle Methode entwickelt, so dass wir immer 50 bis 60 Minuten spielen. Gerade mit Hauptschülern ist das super machbar, weil sie praktisch eingestellt sind. Das flutscht!

Was werden die Darsteller — und die Zuschauer — lernen?

Drozak: Dass Kochen nicht zelebriert werden muss! Sondern dass es möglich ist, mit einfachen Mitteln eine leckere Mahlzeit zuzubereiten und nebenbei etwas zu tun. Die Schüler bringen in kürzester Zeit eine hohe Leistung, sie stehen auf der Bühne und kochen dabei ein gesundes Gericht.

Was gibt’s denn?

Drozak: Chili Chicken — wenn nichts dazwischenkommt.

Dürfen die Zuschauer kosten?

Drozak: Das Essen ist nach einer halben Stunde fertig, dann holen wir ausgewählte Zuschauer auf die Bühne. Sie dürfen probieren, während die Jugendlichen schon aufräumen und abspülen. Wir haben eine Stunde, mehr nicht

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